Beethoven neu erlebt: Busch Trio begeistert Publikum in Cuxhaven
Das Busch Trio aus Amsterdam verzaubert mit einer Einheit des Musizierens, die ihresgleichen sucht. In Cuxhaven startet das Trio sein Beethoven-Projekt und hinterlässt ein tief beeindrucktes Publikum.
Was die Begegnung mit hochkarätigen Kammermusik-Ensembles angeht, kann das Konzertpublikum in Cuxhaven bekanntlich seit Jahrzehnten schon mitreden - und zwar in vorderster Reihe. Und dennoch wird mancher im Schloss beim Konzert des Busch Trios am Ende gedacht haben, so etwas zuvor denn doch noch nie gehört zu haben. Es ist die geradezu unglaubliche Einheit des Musizierens, die dieses Klaviertrio aus Amsterdam so einzigartig macht.
Eingeladen im Rahmen der von Mathias Christian Kosel künstlerisch verantworteten Stadtklang-Konzertreihe startete das Trio hier zugleich sein "Beethoven-Projekt". Dahinter verbergen sich mit Blick auf das Beethoven-Jahr 2027 ab 2025 Konzertauftritte mit zyklischen Programmen aller Klaviertrios des Komponisten. Eng damit verbunden ist auch die dazu beim Plattenlabel Alpha Classics erscheinende Gesamtaufnahme. So führte bereits der Tag nach dem Konzert im Schloss Ritzebüttel das Busch Trio zu Studioaufnahmen nach Brüssel. "Beethoven im Schloss" soll hingegen kein einmaliges Erlebnis gewesen sein: Das Busch Trio kommt wieder.
Violoncello kommt eine große Bedeutung zu
Im Cuxhavener Konzert des Kammermusik-Ensembles steht das Es-Dur-Klaviertrio (WoO 38 op. posth.) am Anfang. Unmittelbar darauf rückt mit dem G-Dur-Klaviertrio aus opus 1 bereits der Erneuerer Beethoven in den Fokus des Interesses. Anders als in den Klaviertrios von Haydn und auch Mozart kommt dem Violoncello hier eine weit größere Bedeutung zu (die Rede ist von der "Befreiung des Cellos") und - ganz wesentlich - Beethoven übernimmt die ansonsten vor allem für die Sinfonien geltende viersätzige Anlage.

Das Busch Trio - mit Omri Epstein am Flügel, Mathieu van Bellen an der Violine und Ori Epstein am Violoncello - scheint den 1. Satz des Es-Dur-Klaviertrios in einem wahren Sturm zu nehmen. Was die Hörer in diesen Nachmittagsstunden erleben, ist "Vitalität in Musik" pur. Manchmal geradezu kraftstrotzend und dann wieder hauchzart, tiefsinnig und von einer Kantabilität ohnegleichen. Und das Faszinierende an alldem ist eben jener unglaublich transparente Zusammenklang, der das Busch Trio auszeichnet und in einfach jeder gespielten Note präsent ist. Da sind die wunderbare Violine Mathieu van Bellens und das so samtene Violoncello Ori Epsteins in einem fesselnden Zwiegespräch und da ist der mit sagenhafter Leichtigkeit und Präzision gespielte Klavierpart Orim Epsteins. Alles hat Kontur, Tiefe, unendlich viel Intensität und Ausdruckskraft.
Mehr Intensität, mehr Empathie in der Dynamik
Nach der Pause dann gewissermaßen die "Summe" der Beethovenschen Klaviertrios - das späte "Erzherzogtrio" von 1811 (Trio für Violine, Violoncello und Klavier Nr. 7 B-Dur op. 97). Mehr Intensität, mehr Empathie in der Dynamik, mehr Expressivität und mehr kunstvolles Variationenspiel geht einfach nicht. Am Ende restlos begeisterter, stehend gespendeter Applaus vom Publikum im ausverkauften Festsaal des Schlosses, für den sich die drei Musiker mit einer Zugabe bedanken.
Dass die Stadtklang-Konzertreihe mehr und mehr an Profil gewinnt, hat sie schon des Öfteren unter Beweis gestellt. Wenn es ihr auch künftig gelingt, Interpreten von der Qualität eines Busch Trios hierher zu holen, dürfte sie ihren Platz im Klassik-Konzertleben Cuxhavens nachhaltig gefestigt haben. Sehr zu wünschen wäre allerdings, dass genau das auch einmal bei den entscheidenden Gremien in der Politik dieser Stadt ankommt.
Von Ilse Cordes