Mit ihren Smartphones lichten Schaulustige einen Einsatz an einer Unfallstelle ab. Du ähnlichen Szenen ist es auch jetzt bei einem Einsatz in Cuxhaven gekommen. Symbolfoto: Alexander Auer/dpa
Mit ihren Smartphones lichten Schaulustige einen Einsatz an einer Unfallstelle ab. Du ähnlichen Szenen ist es auch jetzt bei einem Einsatz in Cuxhaven gekommen. Symbolfoto: Alexander Auer/dpa
Auch bei Unfällen ein Problem

Bei SEK-Einsatz in Cuxhaven: Einige "Gaffer" entgehen nur knapp einer Festnahme

von Kai Koppe | 21.08.2024

Blaulicht zieht manchen Unbeteiligten magisch an: Gaffer, die sich um einen Einsatzort scharen, sind ein Phänomen, mit dem die Cuxhavener Polizei am Wochenende zu tun hatte. Allerdings sollen einige Menschen dabei über die Stränge geschlagen haben.

"So ein Einsatz in einem Wohngebiet sorgt natürlich für Riesen-Aufsehen", räumt Polizeisprecher Stephan Hertz im Rückgriff auf die Ereignisse vom zurückliegenden Sonntag ein. In der Cuxhavener Wernerstraße hatte ein Mann, der auf ein Hausdach geklettert war, die Beamten über Stunden hinweg in Atem gehalten. Abgesehen vom Streifendienst und der Feuerwehr war schließlich auch ein Spezialeinsatzkommando (SEK) in die Maßnahmen zur Bergung der Person eingebunden.

Einsatz in Cuxhaven in Nachbarschaft: Neugier ist verständlich 

Dass Nachbarn wissen wollten, was los ist, sei bis zu einem gewissen Grad durchaus verständlich, betont Hertz, der andererseits von Grenzen spricht, die der Neugier von Schaulustigen von behördlicher Seite aus gesetzt werden muss. Dabei geht es zum Beispiel darum, die Rechte Dritter zu schützen: Wo Handys gezückt und Videoclips hinterher auf TikTok und Co. hochgeladen werden, verstoßen solche Hobby-Paparazzi gegen Persönlichkeitsrechte. Oder verletzen im Falle von Gesprächsmitschnitten möglicherweise die Vertraulichkeit des Wortes.

Einsatz in Cuxhaven: "Störung einer Amtshandlung" kann sanktioniert werden

Noch schlimmer: Gaffer können die Arbeit von Polizei oder Rettungskräften behindern und durch ihre Präsenz wichtige Kapazitäten binden. Letzteres ist der Fall, wenn Beamte (anstatt sich um die eigentliche Lage kümmern zu können) Unbeteiligte wiederholt dazu auffordern müssen, Abstand zu halten, weiterzugehen oder die Smartphones stecken zu lassen. Erreicht das Verhalten von Schaulustigen eine Qualität, die der "Störung einer Amtshandlung" gleichkommt, darf der Einsatzleiter die Querulanten sogar festnehmen, um sie vorübergehend ("bis zur Beendigung seiner Amtsverrichtungen, jedoch nicht über den nächstfolgenden Tag hinaus") festzuhalten. Einem solchen Schritt wird in der Regel eine niederschwellige Sanktion, nämlich ein Platzverweis, vorausgehen. 30 solcher Verweise mussten nach Angaben der Cuxhavener Inspektion beim oben genannten Einsatz in der Wernerstraße ausgesprochen werden - und das offenbar mit Nachdruck. Einige der ungebetenen Zaungäste, so Stephan Hertz, seien "kurz vor einer Ingewahrsamnahme" gewesen.

Polizei Cuxhaven bemüht sich darum, Bürger zu sensibilisieren

Dass es zu einem regelrechten Sport geworden ist, Einsatzkräften bei der Arbeit auf die Pelle zu rücken und Polizeimaßnahmen oder das Leid anderer aus Sensationslust zu fotografieren - so weit wollte Hertz bei der Beurteilung des Gaffer-Phänomens trotzdem nicht gehen. Fehlverhalten in diesem Bereich habe gleichwohl zugenommen. "Das geht damit einher, dass alle ein Smartphone besitzen und die Sozialen Medien zum Mittel geworden sind, sich mitzuteilen und auszutauschen." An welchem Punkt Wissbegierde und Kommunikationsdrang zu enden haben, versucht die Polizei nach seinen Worten bereits den Jüngsten der Gesellschaft deutlich zu machen. Bei Schulbesuchen der Präventionsbeauftragten sei das zum Beispiel ein Thema. Darüber hinaus gebe es eine Vielzahl von Sensibilisierungskampagnen.

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Kai Koppe

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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