Im Fährhafen an der Grimmershörnbucht soll eine neue Landfläche von 183 Metern Länge und 80 Metern Breite aufgeschüttet werden. Dahinter entsteht ein Pier mit vier Liegeplätzen sowie Werkstätten und Bauhof für das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt. Foto: Potschka
Im Fährhafen an der Grimmershörnbucht soll eine neue Landfläche von 183 Metern Länge und 80 Metern Breite aufgeschüttet werden. Dahinter entsteht ein Pier mit vier Liegeplätzen sowie Werkstätten und Bauhof für das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt. Foto: Potschka
Im Zuge des Hafentausches

Cuxhaven plant neuen Versorgungshafen: Wie sich das Tor zur Bucht verändern wird

von Jens Potschka | 01.03.2026

Eine Ratssitzung in Cuxhaven enthüllt erste Pläne, die den Hafen und die Stadt grundlegend verändern könnten. Doch der Weg zu einer Entscheidung ist komplex und die Diskussionen um Sichtachsen und Bauhöhen werfen neue Fragen auf.

Rund 200 Bürgerinnen und Bürger drängten sich am Donnerstag (26. Februar 2026) in die Kugelbake-Halle und wurden Zeugen einer Ratssitzung, die mehr war als parlamentarische Routine. Unter Tagesordnungspunkt 8 präsentierte Oberbürgermeister Uwe Santjer gemeinsam mit Marcel Thies vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Elbe-Nordsee den Stand eines Vorhabens, das Cuxhaven langfristig verändern wird: Der Fährhafen an der Grimmershörnbucht soll Bundesversorgungshafen werden. Der Bauhafen bei der Kugelbake wechselt in städtische Hände. Und das neue Mehrzweckschiff Neuwerk, größer und leistungsstärker als sein Vorgänger, bekommt einen neuen Heimathafen.

Havariekommando wächst - WSA muss weichen

Der Ausgangspunkt des Ringtausches liegt nicht am Hafen, sondern an Land. Das Havariekommando braucht mehr Platz, neue Gebäude entstehen, Personal wird aufgestockt. Die Folge: Das WSA muss räumlich weichen, sowohl mit seinen Büros als auch mit seinen Anlegestellen. Hinzu kommt, dass das neue Mehrzweckschiff, das Ende 2027 in Dienst gestellt werden soll, schlicht zu groß ist für den bisherigen Liegeplatz. Niedersachsen Ports hat alle vorhandenen Flächen geprüft und keinen geeigneten Standort gefunden.

Der Blick vom Anleger im Fährhafen in Richtung Deich mit dem dahinterliegenden Gebäudekomplex Seeterrassen verdeutlicht den Höhenunterschied der verschiedenen Ebenen. Foto: Potschka

Uwe Santjer brachte es auf den Punkt: "Das Havariekommando wird breiter, größer. Diejenigen, die mit auf dem Gelände sind - das ist das Wasser- und Schifffahrtsamt -, die müssen weichen."

Marcel Thies erläuterte, was das neue Schiff benötigt: "Wir brauchen eine Situation, wo wir sowohl eine Kaianlage haben als auch dahinter eine Fläche, wo dann eben die Versorgungseinrichtungen für die neue Neuwerk vorhanden sind." Der bisherige Standort scheidet aus. Eine neue Lösung musste her.

Der Ringtausch: Bund, Land und Stadt im Dreierpack

Weil der Fährhafen Niedersachsen Ports gehört, der Bund aber Bundesflächen benötigt, war ein Dreier-Deal nötig. Das Ergebnis: Der Bund übernimmt den Fährhafen und schüttet dort die neue Landfläche auf. Niedersachsen Ports erhält den Kugelbake-Hafen. Und die Stadt Cuxhaven übernimmt diesen schließlich im Tausch gegen hafennahe Ausgleichsflächen.

Ratssitzung in Cuxhaven: Marcel Thies vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Elbe-Nordsee präsentiert die Pläne zum Hafentausch auf einer Leinwand, die auf der Bühne der Kugelbake-Halle aufgebaut war. Foto: Potschka

Santjer betonte: "Es hat schon viele Jahre Bemühungen gegeben, den alten Bauhafen bei der Kugelbake in den Besitz der Stadt Cuxhaven zu bringen." Was dort entstehen soll - Biotop, Bade-Lagune oder Teil einer möglichen Landesgartenschau - ließ er bewusst offen. Klar ist: Steinumschlag an dieser touristisch sensiblen Stelle kommt nicht infrage. Er wird in den Neuen Fischereihafen verlegt.

CDU mahnt: Verfahren wird komplex - Sichtachsen in Gefahr

CDU-Ratsherr Enak Ferlemann, der den Sachstandsbericht auf die Tagesordnung gebracht hatte, benannte unverblümt, was auf die Stadt zukommt. "Wenn man sich vorstellt, dass sturmflutsicher die Kaimauer gebaut wird, dann müssen wir von einer Höhe von circa neun Metern ausgehen. Und wenn dann eine Halle draufkommt von circa elf Metern, dann reden wir gefühlt von einem Bauwerk um die zwanzig Meter."

Blick vom unteren Deichplateau hinauf in Richtung der Seeterrassen: Der Höhenunterschied an dieser Stelle wird sich nachhaltig verändern, wenn der Bundesversorgungshafen im Fährhafen gebaut wird. Foto: Potschka

Das verändere den Eingang zur Grimmershörnbucht und die Sichtachsen vom Seedeich, so Ferlemann. Auch das Deich- und Planungsrecht werde eine große Rolle spielen: "Das wird kein einfaches Verfahren werden. Wir werden in den Deich hineingehen müssen, wir werden mit dem Deichrecht zu tun haben." Sein Fazit: Die Skizze sei erst der Anfang. Bevor Verträge unterzeichnet würden, müsse man die Details kennen. Und die Bevölkerung habe das Recht auf eine breite öffentliche Diskussion.

Marcel Thies: Noch keine Planung - nur Ideen

Marcel Thies bügelte Spekulationen über die endgültige Bauhöhe sachlich aus: "Wenn wir eine Fläche hinter einem Deich errichten, die hochwassersicher ist, muss sie nicht zwingend auf Grundhöhe des Deiches sein. Wir müssen hier nicht über neun Meter reden, wir müssen eher über 4,70 Meter reden." Optisch ließen sich Deich und Gebäude integrieren. Der Bund wolle das nicht im Alleingang entscheiden: "Wir möchten Sie an dem Prozess beteiligen, der jetzt kommt."

Noch prägt eine freie Sichtlinie den Übergang von Deich und Hafen. Genau diese Perspektive wird sich verändern, wenn die neue Kaimauer und die Betriebsgebäude des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes im Fährhafen entstehen. Foto: Potschka

Zu möglichen Altlasten im Kugelbake-Hafen gab Thies Entwarnung: Derzeit seien keine bekannt. Das Planungsrecht für die neue Bundeswasserstraße liege beim Bund, die öffentliche Beteiligung sei ausdrücklich vorgesehen.

SPD-Ratsherr Gunnar Wegener wandte sich gegen Panikmache und blieb trotzdem ehrlich. "Da gibt es Flugblätter, die verteilt werden. Da wird von Kriegshafen gesprochen. Das wird es nicht werden." Zugleich räumte er ein: Wer heute einen freien Blick vom Deich genieße, werde künftig "möglicherweise links und rechts daneben vorbeisehen können". Und: "Wenn man das als Kommunalpolitiker nicht sagt, dann erzählt man dummes Zeug."

Grünen-Ratsherr Robert Babacé verlangte bessere Visualisierungen: "Diese Draufsichten sehen alle ganz nett aus. Aber wenn ich höre, dass der Anleger auf Deichhöhe kommt, dann wünsche ich mir auch eine andere Darstellung, damit der Bürger genau weiß, was auf ihn zukommt."

Wie es weitergeht

Am 11. März 2026 tagt der Ausschuss für Häfen, Wirtschaft und Tourismus. In dem Fachausschuss soll das Thema vertieft werden. Die Absichtserklärung zwischen Bund, Land und Stadt ist derzeit noch in Vorbereitung. Erst danach beginnt die eigentliche Planung. Offene Fragen: die genaue Höhe der Bauwerke, Zufahrten am Deich, Ausgleichsflächen für NPorts sowie das Schicksal der rund zwölf bis fünfzehn Sportboote, die in der Saison im Fährhafen liegen.

Eines ist nach der jüngsten Ratssitzung klar: Der Plan hat breite politische Unterstützung. Aber wie er am Ende aussehen wird, das weiß derzeit noch niemand.

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Jens Potschka

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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