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Cuxhavens kulturelle Stärke: Das ahoi-Thalassozentrum am Strand symbolisiert die hervorragende Versorgung der Stadt in Kultur und Gesundheit, während Verkehrsprobleme eine Herausforderung darstellen. Foto: Potschka
Cuxhavens kulturelle Stärke: Das ahoi-Thalassozentrum am Strand symbolisiert die hervorragende Versorgung der Stadt in Kultur und Gesundheit, während Verkehrsprobleme eine Herausforderung darstellen. Foto: Potschka
Ärzte, Schulen, Freizeit

Cuxhaven glänzt im Deutschland-Vergleich - doch beim Verkehr fällt die Stadt zurück

von Jens Potschka | 30.09.2026 Zuletzt aktualisiert: 30.09.2026 18:14 Uhr

Cuxhaven glänzt in einer neuen Studie mit herausragenden Ergebnissen in Kultur und Gesundheit. Doch ein tiefer Blick offenbart eine Schwachstelle, die im Schatten der Elbmündung lauert und die Mobilität der Stadt herausfordert.

Hafenstadt mit starken Werten: Cuxhaven liegt im bundesweiten Vergleich weit vorn. Schwachpunkt bleibt die Mobilität. Foto: Sina Schuldt/dpa

Wer in Cuxhaven lebt, hat es nicht weit zum Hausarzt, zur Schule oder ins Theater. Das bescheinigt der Stadt jetzt eine bundesweite Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Unter dem Titel "Geographien der Unzufriedenheit" haben die Forscher die Daseinsvorsorge in 10.817 deutschen Gemeinden verglichen. Cuxhaven landet auf Rang 346 und gehört damit zu den besten drei Prozent.

"Das ist ein tolles Ergebnis, das man sich wirklich anschauen kann", sagte Phillipp Kenski vom Stadtplanungsamt, der die Zahlen vor einiger Zeit erst im Bauausschuss und dann im Rat vorstellte. Einen Haken hat die Spitzenwertung allerdings, und der liegt buchstäblich an der Elbmündung. Die Studie, die das IW im Auftrag des Tabakkonzerns Philip Morris erstellt hat, bewertet 17 Indikatoren aus fünf Bereichen: Digitalisierung, Gesundheit, Mobilität, Freizeit und Bildung. Gemessen wird vor allem, wie schnell die Menschen mit dem Auto die nächste Einrichtung erreichen. Punktwerte weist das Gutachten nicht aus, nur Rangplätze. "Der Rangabstand ist nicht gleich der Punktabstand", gab Kenski zu bedenken.

Freizeit als stärkster Trumpf

Am besten schneidet Cuxhaven ausgerechnet bei der Kultur ab. Im Bereich Freizeit, der die Erreichbarkeit von Schwimmbädern, Theatern und Museen misst, erreicht die Stadt Rang 197 und zählt damit zu den besten 1,8 Prozent im Land.

Strände, Grünflächen, Sportplätze und Vereine fließen in diesen Wert gar nicht ein. "Natürlich kann man sich darüber unterhalten, ob mit diesen drei Punkten das gesamte Freizeit- und Kulturniveau abgedeckt wird", räumte Kenski ein. "Aber die Indikatoren spielen uns in die Karten." Auch bei Bildung (Rang 363) und Gesundheit (Rang 546) liegt die Stadt weit vorn.

Bei Hausärzten, Krankenhäusern, Apotheken und Pflegeheimen zählt allerdings nur der Weg dorthin, nicht Wartezeit oder Qualität, betonte der Planer. Mobilfunk und schnelles Internet bringen Rang 1.349 ein, immer noch ein Platz unter den besten 13 Prozent. Landesweit belegt Cuxhaven Rang 17 und lässt deutlich größere Städte wie Oldenburg, Göttingen und Celle hinter sich, ebenso die Küstenstädte Emden und Wilhelmshaven mit ähnlicher Lage.

Kurze Wege zur Kultur: Theater, Museen und Schwimmbäder erreichen die Cuxhavener schnell. Im Bereich Freizeit zählt die Stadt zu den besten zwei Prozent in Deutschland. Foto: Potschka

Das Nadelöhr heißt Mobilität

Ganz anders sieht es beim Verkehr aus. Hier reicht es nur für Rang 4.882, bundesweites Mittelfeld. "Das ist eine Schwäche Cuxhavens", sagte Kenski offen. Die Lage an der Elbmündung nützte der Stadt im Tourismus und als Wirtschaftsstandort, koste bei einer Erreichbarkeitsanalyse aber Punkte.

In die Wertung fließen der Zustand von Brücken an Bundesstraßen sowie die Anbindung an Bahn, Autobahn und Flughäfen ein. Stadtbusse blieben wegen lückenhafter Fahrplandaten weitgehend außen vor, über den Nahverkehr vor Ort sagt der Rang also wenig. "Das ist auch der Punkt, der am wenigsten in unserer Hand liegt", erklärte Kenski. Verwaltung und Politik könnten nur mitreden. Genau das tut die Stadt, etwa in ihren Stellungnahmen zu den Raumordnungsprogrammen von Land und Landkreis. Dort mahnt sie immer wieder die Elektrifizierung der Bahn und den Ausbau der B 73 an.

Endstation Elbmündung: Bei Kultur, Bildung und Gesundheit spielt Cuxhaven bundesweit ganz vorn mit. Bei der Anbindung an Bahn, Autobahn und Flughäfen fällt die Stadt dagegen ins Mittelfeld zurück. Foto: Potschka

Anker für den Landkreis Cuxhaven

Wie groß der Abstand zum Umland ist, zeigt der Blick in den Kreis. Zweitbeste Gemeinde ist Otterndorf, allerdings erst auf Rang 1.059. Der Landkreis Cuxhaven zählt laut Gutachten bundesweit zu den fünf Kreisen mit den größten Unterschieden zwischen seinen Gemeinden. Auf der Karte leuchtet die Stadt grün, umgeben von roten Flächen. "Das ist durchaus unüblich", sagte Kenski. "Wir sind gleichzeitig Versorgungsanker fürs Umland, aber auch schlecht angebunden. Das ist ein wenig ein Widerspruch in sich."

Akute Lücken im Stadtgebiet sieht die Verwaltung laut ihrer Vorlage nicht. Sie regt aber an, einzelne Stadtteile und Ortschaften genauer zu prüfen. Der gute Durchschnitt könne Unterschiede verdecken, etwa in Wohngebieten mit vielen älteren Menschen oder Haushalten ohne Auto. Leitbild sei die "Stadt der kurzen Wege".

Theaterabend in Cuxhaven: Während die Stadt kulturell glänzt, bleibt die Mobilität eine Herausforderung. Foto: Potschka

Das Gefühl schlägt die Fakten

Die Studie bleibt nicht bei der Statistik stehen. In einer bundesweiten Online-Befragung von 5.455 Menschen zeigten sich 53,2 Prozent mit der Versorgung vor ihrer Haustür zufrieden, in Städten 55,2 Prozent, auf dem Land nur 45,1 Prozent.

Eigene Werte für Cuxhaven liefert die Umfrage nicht. Ihr Kernbefund reicht trotzdem weit: Ob Menschen mit Politik und Demokratie zufrieden sind, hängt weniger vom tatsächlichen Angebot ab als davon, wie sie es erleben. Anhänger der AfD bewerten die Versorgung vor Ort deutlich kritischer, als ihre Lebensumstände erwarten ließen. Kenski zog daraus einen klaren Schluss: Investitionen müssten sichtbar und verständlich sein, die Angebote als fair und erreichbar wahrgenommen werden, "damit sie Wirkung entfalten". Für ein belastbares Bild vor Ort, heißt es in der Vorlage, bräuchte es eine eigene Befragung der Cuxhavener.

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Jens Potschka

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