Familie Fredebohm informierte über ihr Großprojekt im Otterndorfer Feriengebiet. Foto: Kramp
Familie Fredebohm informierte über ihr Großprojekt im Otterndorfer Feriengebiet. Foto: Kramp
Koordinator der Bundesregierung

Christoph Ploß zu Gast im Kreis Cuxhaven: Tourismusbranche fordert bessere Anbindung

von Wiebke Kramp | 19.08.2026

Christoph Ploß besucht Cuxhaven, Otterndorf und Wingst. Der Koordinator der Bundesregierung für maritime Wirtschaft und Tourismus führte viele Gespräche und nahm Investitionsprojekte in Augenschein.

Seine Sommerreise führten Dr. Christoph Ploß (CDU), Koordinator der Bundesregierung für maritime Wirtschaft und Tourismus, und seine Referentin Annika Einhorn nach Cuxhaven und Land Hadeln und sie nahmen dies zum Anlass, sich von dem hiesigen Bundestagsabgeordneten Christoph Frauenpreiß die Besonderheiten und Bedürfnisse vor Augen führen zu lassen - etwa beim Tourismus-Gespräch im Strandhotel in Duhnen. Denn, so Frauenpreiß, der Tourismus schaffe nicht nur Arbeitsplätze und bringe Gewerbesteuer, sondern auch Mehrwert für Einheimische.

Kristian Kamp als Cuxhavens Vorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), sein Vize Carsten Weber sowie Sönke Arendt als Vertreter der Cuxhavener Campingplatzbetreiber nutzten die Gelegenheit zum Austausch mit Christoph Ploß. Auch Bürgermeister Thomas Brunken, die Sahlenburger Ortsbürgermeisterin Claudia Bönnen, CDU-Kreisvorsitzender Enak Ferlemann sowie Wahlkreisreferent Lars Birner nahmen an der Runde teil.

Auf der Promenadenbaustelle in Otterndorf: Christoph Frauenpreiß, Christoph Ploß, Enak Ferlemann und Frank Thielebeule (v.l.).

Das Cuxland und die Bedeutung des Tourismus hatte der im Bundeswirtschaftsministerium angesiedelte Politiker bereits durch berufliche Ortstermine, aber auch durch seinen kürzlich in Land Wursten stattgefundenen Familienurlaub mit Wattlaufen und Krabbenbrötchen. Dabei lernte er bereits ein Dilemma kennen - das der Verkehrsanbindung. Für die Anreise per Bahn aus Hamburg benötigte Familie Ploß fünf Stunden. Mit auf den Weg ins Berliner Ministerium nimmt er unter anderem, dass Cuxhaven die Elektrifizierung der Bahnstrecken Hamburg und Bremen sowie die Wiederauflage eines Intercitys aus Nordrhein-Westfalen nach Cuxhaven sowie die Sanierung der Buckelpiste auf der A27, um Gästen die Anreise sowohl per Bahn als auch per Auto zu erleichtern. Ploß betonte, ein starker Standort brauche eine vernünftige Verkehrsinfrastruktur. Er nahm das Gespräch zum Anlass, die nationale Tourismusstrategie in den Fokus zu rücken, in die auch Erkenntnisse aus seinem Besuch vor einem Jahr geflossen seien. Umgesetzt wurde bereits die Mehrwertsteuersenkung in der Gastronomie auf sieben Prozent, bei der es nicht darum gehe, das Schnitzel um einen Euro günstiger anzubieten, sondern die Betriebe zu entlasten, beispielsweise aufgrund gestiegener Energiekosten.

Bürokratieabbau und Praxischecks

Ploß kündigt Bürokratieabbau an, das stehe oben auf der Agenda der nationalen Tourismusstrategie. Als Instrument dazu sollten Praxischecks mit touristischen Protagonisten. Begonnen habe man damit bereits in Bayern und sich dabei zum Ziel gesetzt, einen Großteil von Berichtspflichten zu streichen und durch Digitalisierung wie Handyfotos von Lieferzetteln als Beweis statt Protokollausfüllung. Im September kündigte er in Niedersachsen einen Praxischeck an. Im September finde dazu ein Workshop in Lüneburg statt. Zudem kündigt er eine Verschlankung von nebenherlaufenden Foren und Arbeitskreisen an.

Der Politiker Christoph Ploß mit dem Bauleiter Boris Falk (l.).

"Als Unternehmer, die wir Herr und Frau in unserem Haus sind, wünschen wir uns von der Politik, zügige, vernünftige und vom unternehmerischen Gedanken geprägte Entscheidungen", sprach sich Hotelier Kamp für weitere Entbürokratisierungen aus. Zudem äußerte er den Wunsch nach größerer Arbeitszeitflexibilisierung im Gastgewerbe. Dabei gehe es mitnichten darum, den Arbeitskräften mehr aufzubürden, sondern vielmehr um Praxistauglichkeit. Das entspräche auch dem Wunsch der Mehrzahl von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern.

In Otterndorf wird kräftig und sichtbar in den Tourismus investiert. An der Elbe wurde dies dem Regierungskoordinator vor Augen geführt, wie hier Tourismus und notwendiger Küstenschutz Hand in Hand gehen. Der Neubau der Strandpromenade in Otterndorf wird erheblich mit 3,5 Millionen Euro aus verschiedenen öffentlichen Töpfen gefördert. Das sind 70 Prozent des Gesamtvolumens. Beeindruckt zeigte sich Ploß gegenüber dem Bauleiter Boris Falk der Firma J.D. Hahn von dem strammen Zeitplan für den ersten Bauabschnitt der neuen Promenade. Trotz leichter Verzögerung will er bis Mitte September fertig werden und zeigte Zuversicht.

Fertigstellung bis zum Küstenmarathon

"Die Promenade ist Teil der Laufstrecke des Küstenmarathons zum Weltkindertag, muss also am 20. September fertig sein", erläuterte Stadtdirektor Frank Thielebeule bei der Baustellenbegehung. "Unser schlimmster Feind ist das Wetter", meinte der Bauleiter. Bei diesem 4,7-Millionen-Projekt nehmen künftig Radfahrer und Fußgänger getrennte Wege und kommen sich nicht mehr ins Gehege. Die Niveauerhöhung des Deckwerks im Uferbereich um 60 Zentimeter ist bereits erfolgt, die Leitungen werden zurzeit gelegt. Sogar an eine perspektivische zweite Leitung für Gastronomie ist gesorgt, um für die Zukunft gewappnet zu sein. Bürgermeister Claus Johannßen (SPD) hatte zuvor Dr. Ploß mit auf den Weg gegeben, dass die Elbvertiefung weiterhin negative Auswirkungen zeige und wie wichtig in diesem Zusammenhang eine weitere Wattaufspülung aus Gründen des Küstenschutzes und des Tourismus sei.

Auch der Waldzoo Wingst stand auf dem Besichtigungsprogramm. Foto: Gemeinde.

Johannßen zeigte dem Gast die touristischen Dimensionen Otterndorfs auf: "Tourismus ist unser Wirtschaftsfaktor." Touristik-Fachbereichsleiterin Ulrike Meyer unterstrich die gute Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung der Kommunen im gesamten Cuxland. Wichtig sei es, für eine Tourismusakzeptanz bei den Einheimischen zu sorgen und ihnen zu zeigen, dass sämtliche Angebote und Einrichtungen auch für sie da seien, unterstrich Thielebeule.

Der Otterndorfer Unternehmer Ole Fredebohm stellte dem Politiker sein Vier-Sterne-Strandhotel vor, das er Mitte November eröffnen möchte. Fredebohm ist jemand, der sich auf den Weg gemacht hat, weiter in den Tourismus zu investieren - und zwar erheblich. Zehn Millionen Euro kostet sein Hotelneubau im Feriengebiet. Dafür erhält er 2,3 Millionen Euro Fördermittel aus verschiedenen Töpfen.

Fredebohm: "Der ÖPNV bei uns ist katastrophal."

Die 26 Apartments sollen kein Duhnen 2.0 werden, erläuterte er, sondern der Gast in Otterndorf möge es familiärer, ruhiger und nicht so überlaufen. Als Zielgruppe im Auge hat Fredebohm für sein Großprojekt die Best Ager und Baby-Boomer und setzt im gesamten Neubau auf Barrierefreiheit. Seiner Erfahrung nach kommen die meisten Gäste mit dem Auto, sind dadurch auch im Urlaub mobil und fahren nach Cuxhaven oder Bremerhaven. Die Anreise mit eigenen Fahrzeugen hat laut Fredebohm einen weiteren Grund: "Der ÖPNV bei uns ist katastrophal."

Weiterer Programmpunkt des Ploß-Besuches in Land Hadeln war der Besuch des Waldzoos Wingst, wo sich der Politiker von dem aktuellen Bauvorhaben der begehbaren Lemuren-Anlage ein eigenes Bild machte und sich von Zoo-Chef Pierre Grothmann und Bürgermeister Patrick Pawlowski (CDU) in die Taiga mit Wolfs- und Bärenwald führen ließ. 

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Wiebke Kramp

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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