Bauprojekt in Cuxhaven: Widerspruch gegen Teilbaugenehmigung - Bagger rollen trotzdem
Ein Bauprojekt in Cuxhaven sorgt für Spannungen: Während die Bagger rollen, liegt ein Widerspruch gegen die Teilbaugenehmigung vor. Die Anwohner sind alarmiert, doch die Stadt sieht keinen Grund zur Sorge. Die Geschichte ist noch lange nicht zu Ende.
Es ist Dienstag, der 29. September 2026: Auf dem Grundstück Prinzessinnentrift 13 bis 14 im Cuxhavener Stadtteil Grimmershörn zieht ein Bagger den Mutterboden ab. Was Monate lang auf dem Papier verhandelt, bestritten und juristisch seziert wurde, bekommt dieser Tage eine neue Qualität.
Die Stadt Cuxhaven hat dem Bremerhavener Investor, der Polzin-Gezer Immobilien GmbH, am 23. September eine erste Teilbaugenehmigung erteilt. Gründung und Bodenplatte dürfen demnach ausgeführt werden. Für die Anwohnerinnen und Anwohner der Prinzessinnentrift ist das ein Schlag. Für die Interessengemeinschaft, die sich gegen das Vorhaben gegründet hat, ist es auch ein Signal: Die Zeit des Redens endet.
Widerspruch ist eingelegt
Barbara Leinwand, Sprecherin der Interessengemeinschaft und unmittelbare Anliegerin, bringt es auf den Punkt: Man könne nicht nachvollziehen, dass eine Teilbaugenehmigung erteilt wurde, obwohl zwei wesentliche Fragen noch ungeklärt seien. Erstens: die Grundflächenzahl. Das Vorhaben sieht eine Grundflächenzahl von 0,46 vor, der Bebauungsplan lässt lediglich 0,40 zu. Ob die Stadt eine Ausnahmegenehmigung für diese Überschreitung erteilt hat, sei nicht kommuniziert worden.
Zweitens: das Lärmgutachten. Noch kurz zuvor hatte Abteilungsleiter Sebastian Post schriftlich erklärt, die vorliegenden Lärmgutachten seien mangelhaft und müssten nachgebessert werden, eine positive Bescheidung sei ohne Nachbesserung nicht möglich. Dann fand ein Gespräch statt, an dem Gutachter, Investor und Stadtverwaltung teilnahmen, ohne Beteiligung der Anwohner. Danach galten die alten Gutachten plötzlich wieder als akzeptabel. Barbara Leinwand hat über ihren Anwalt Widerspruch gegen die Teilbaugenehmigung eingelegt und gleichzeitig einen Baustopp gefordert.
Die Stadt erklärt ihre Entscheidung
Sebastian Post, Leiter der Abteilung Bauen, Planen und Wohnen, hat sich auf Anfrage dieser Redaktion noch am Dienstag zu den offenen Fragen geäußert. Zur Grundflächenzahl erklärt er: Die Befreiung sei von mehreren Stellen innerhalb der Stadtverwaltung unabhängig geprüft worden, um sicherzustellen, dass sie rechtlich korrekt sei. Man habe es sich dabei nicht einfach gemacht. Die Interessengemeinschaft sei zudem vorab informiert worden, noch bevor die Teilbaugenehmigung erteilt wurde.
Zum Lärmgutachten sagt Post, aus dem anfänglichen Nachbesserungsbedarf sei im Laufe des Verfahrens ein Erläuterungsbedarf geworden. In einem fachlichen Austausch zwischen dem Gutachter, der Bauherrenseite und der Stadtverwaltung hat sich herausgestellt, dass eine anerkannte Stellplatzrichtlinie dem Lärmgutachten bereits zugrunde lag, die genau solche Situationen regelt wie den Parkplatzbetrieb neben einem Wohngebäude mit wechselnden Nutzern. Damit seien die fachlichen Nachforderungen der Verwaltung hinfällig geworden.
Sebastian Post betont: "Das ist wirklich Spezialistenwissen." Und er fügt hinzu: Wer der Meinung sei, das Gutachten enthalte dennoch Fehler, habe im Rechtsstaat die Möglichkeit, im Rahmen eines Widerspruchs- und Klageverfahrens eine unabhängige Prüfung zu erwirken. Zur von der Initiative bemängelten Feuerwehrzufahrt zur Carportanlage sagt Post knapp: Eine solche Zufahrt sei für eine Garage nicht erforderlich. Die Feuerwehr müsse dort schlicht mit dem Schlauch hineinlaufen.
Ein Thema, das bleibt
Zur Erinnerung: Was hier entstehen soll, ist kein kleines Wohnhaus. Das Projekt "Prinzessinnentrift N°13" der PG Projektgesellschaft mbH aus Bremerhaven sieht sechs Vollgeschosse zuzüglich Garagengeschoss vor, mit 27 Ferienwohneinheiten, einer fensterlosen Brandmauer entlang der Nachbargrenze über nahezu die gesamte Grundstücksbreite und einer Carportanlage auf der Rückseite des Gebäudes.
Sachbearbeiter Post hatte es öffentlich eingeräumt: Diese hohe weiße Wand ändert sich gegenüber dem alten Entwurf nicht großartig. In eine ruhige, historisch gewachsene Wohnstraße, sackgassenartig, mit Sichtachse zum Grünen Deich und der Grimmershörnbucht, soll ein Gebäudekomplex gesetzt werden, wie es ihn in dieser Straße nicht gibt. Dabei denkt Post selbst weiter als das aktuelle Verfahren.
Er habe der Initiative bereits gesagt, dass er es schade finde, wenn sich der gesamte Widerstand nur an diesem einen Bauvorhaben abarbeite. Die eigentlich wichtige Frage sei eine andere: Wie soll sich die Grimmershörnbucht künftig entwickeln? Diese Frage, so Post, sei im Rahmen des integrierten Stadtentwicklungskonzepts, das der Stadtrat am 3. September beschlossen hat, gut aufgehoben. Er wolle mit seinem zuständigen Kollegen dafür werben, die Zukunft der Grimmershörnbucht als einen der Schwerpunkte dieses Beteiligungsprozesses zu verankern.
Bis das integrierte Stadtentwicklungskonzept fertig ist, frühestens 2029, gilt ein Bebauungsplan aus dem Jahr 1998. Auf dieser Grundlage wird heute gebaut. Die Bagger laufen. Der Widerspruch ist eingelegt. Und die Frage, wie Cuxhaven mit seinen gewachsenen Quartieren umgeht, ist damit längst nicht beantwortet.
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