Nahverkehr in Cuxhaven boomt: Doch wer bezahlt den Ticket-Erfolg?
Das CuxhavenTicket revolutioniert den Nahverkehr, doch während die Fahrgastzahlen sprunghaft ansteigen, droht die finanzielle Belastung der Stadt zu eskalieren. Kann das beliebte Angebot in seiner jetzigen Form überleben?
Busfahren in Cuxhaven, so einfach wie nie: ein Tagesticket für fünf Euro, eine Monatskarte für 25 Euro, keine komplizierten Tarifzonen, kein Tarifdschungel. Seit dem Sommer 2024 macht das Cuxhaven-Ticket den öffentlichen Nahverkehr in der Stadt so zugänglich wie selten zuvor. Die Fahrgastzahlen steigen, die Bürger loben das Angebot und die Verwaltung spricht von einer echten Erfolgsgeschichte. Doch bei der letzten Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung, Mobilität, Bau und Demografie wurde deutlich: Die Freude über den Erfolg ist nicht ungetrübt.
126.403 mehr Fahrgäste in einem Jahr: So viele Bürger und Gäste nutzten im dritten Quartal 2025 den Stadtbus, verglichen mit dem gleichen Quartal vor der Einführung des Tickets. Und auch bei den Zeitkarten ist die Entwicklung bemerkenswert: Die Zahl der Abonnenten stieg von knapp 1.000 auf fast 10.000. Stadtbaurat Andreas Eickmann sieht darin eine echte Erfolgsgeschichte und verweist auf veränderte Gewohnheiten. "Ich habe schon viele Gespräche mit Cuxhavenern geführt, die sagen, sie finden das wunderbar, weil es ihnen jetzt eine Möglichkeit gibt, ganz einfach ohne Tarif den ÖPNV im Stadtverkehr zu nutzen", betonte er in der Sitzung.
800.000 Euro aus der Stadtkasse
800.000 Euro kommunale Mittel sind es, die die Stadt Cuxhaven ab 2028 jährlich für das Cuxhaven-Ticket aufbringen soll. Hinzu kommen 200.000 Euro aus Fördermitteln des Landes, sodass insgesamt eine Million Euro im Jahr anfallen würden. Geld, das die finanziell angeschlagene Stadt aufbringen muss, während der Haushalt bereits tief im Minus steckt: Allein für 2028 weist die mittelfristige Finanzplanung ein ordentliches Ergebnis von minus 32 Millionen Euro aus. Der Vorsitzende des Bauausschusses, Enak Ferlemann (CDU), brachte es auf den Punkt: "Die 800.000 müssen wir aus dem laufenden Haushalt jedes Jahr heraussparen. Das gilt auch für die Folgejahre. Ich wüsste nicht, wo das viele Geld herkommen soll.”

Nur sechs Prozent der Bevölkerung fahren mit
Sechs Prozent der Cuxhavener Bevölkerung, so rechnete es Ferlemann vor, sind es, die den ÖPNV im besten Fall täglich nutzen. Er mahnte zur Besonnenheit: "Wir sponsern jeden Fahrgast mit zwei Euro pro Fahrt.” In den Sommerquartalen, wenn die Fahrgastzahlen besonders stark ansteigen, sind es überwiegend Touristen, die das Ticket nutzen. "Wir zahlen dann sozusagen für die Touristen, die es hier auch nett haben sollen.”
Die Gegenseite ließ das nicht gelten. "Wo die Fahrgäste herkommen, spielt erst einmal keine Rolle", hielt Cord Wichmann von der SPD dagegen. "Sie lassen das Auto stehen und es ist ein Gewinn für unsere Stadt, für die Straßen, für die Straßenentlastung.”
Fünf Jahre Bindung an einen Millionenbetrag
Fünf Jahre würden die neuen Liniengenehmigungen laufen, für die Verkehrsunternehmen bis Juli 2026 ihre Anträge stellen müssen. Damit sie kalkulieren können, brauchen sie jetzt Planungssicherheit. Die Verwaltung drängt deshalb auf einen Grundsatzbeschluss noch vor dem Sommer. Ein Gedanke, der im Ausschuss durchaus auf Zustimmung stieß, die Abstimmung wurde dennoch vertagt. Zu groß sind die offenen Fragen, zu unterschiedlich die Positionen.
Ein Vorschlag kursiert dabei in der Debatte immer wieder: die Kopplung des Tickets an die Kurkarte, um Touristen direkt an der Finanzierung zu beteiligen. Technisch sei das machbar, so die Einschätzung, die Umsetzung stehe aber noch aus.
Nun ist es also der 26. Mai, der Dienstag nach Pfingsten, an dem der Ausschuss im Rathaus erneut tagt und die Diskussion fortsetzen soll. Ob das Cuxhaven-Ticket in seiner jetzigen Form eine Zukunft hat oder ob Cuxhaven einen anderen Weg findet, bezahlbaren Nahverkehr zu sichern, wird sich dann zeigen. Die Spannung ist spürbar, und das Ergebnis wird auch die Bürgerinnen und Bürger nicht kalt lassen, die täglich auf den Bus angewiesen sind.
Google News
Wenn Sie etwas googeln, bekommen Sie neben den normalen Ergebnissen auch eine Box mit aktuellen News angezeigt. Wenn Sie CNV-Medien als bevorzugte Quelle hinterlegen, tauchen unsere Inhalte dort häufiger für Sie auf. Hier CNV-Medien als bevorzugte Quelle hinzufügen.
CNV-Newsletter
Wissen, was im Cuxland los ist: Alle wichtigen Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven direkt in Ihr Postfach. Hier für den CNV-Newsletter anmelden.