Cuxhavenerin hat es geschafft: Die ersten Webstühle in Burkina Faso sind in Betrieb
In weniger als einem Jahr hat die Cuxhavenerin Kathrin Seyfahrt ihr neuestes Projekt für Frauen in Burkina Faso in die Tat umgesetzt: Ein in Hamburg entwickelter leichter Webstuhl hilft ihnen, ein Handwerk aufzubauen und eigenes Geld zu verdienen.
Vor nicht mal einem Jahr hörte Kathrin Seyfahrt erstmals von der Erfindung der Weberei Hamburg: "Flying 8", ein leichter Webstuhl mit einfacher Bauanleitung, der überall auf der Welt aus Holz gebaut werden kann. Die Cuxhavenerin wusste sofort: "Das ist etwas für meine Frauenprojekte in Burkina Faso."
Sieben Webstühle in einer Woche
Im Januar 2025 berichteten wir erstmals von ihrem Plan, einen Mitarbeiter der Weberei zum Bau der ersten Webstühle und zum Anlernen der Frauen nach Burkina Faso zu bringen. Und so kam es: "Am 30. Juni ist der erste Webstuhl gebaut worden", berichtet Kathrin Seyfahrt glücklich. In einer Woche montierten Männer und Frauen zusammen mit John Baller sieben Webstühle. Für Februar ist der nächste Aufenthalt geplant. Dank der dort hinterbliebenen Bauanleitung können vor Ort weitere Webstühle entstehen.
Damit die Menschen im eigenen Land bleiben können
Für Kathrin Seyfahrt, Gründerin des Vereins "Wunschträume - Netzwerk für Mädchen- und Frauenprojekte", ist das Projekt "Flying 8-Wunschträume" einfach bestechend: "Wir helfen den Frauen, im eigenen Land bleiben, etwas produzieren zu können, ihre Familien zu unterstützen, andere zu motivieren und ein Vorbild zu sein." Gerade die Unterstützung der Frauen als Stützen der Gesellschaft liegt der Bundesverdienstkreuzträgerin am Herzen.
Frauen sind sich der Chance bewusst
Während die Männer mit dem Anbau von Mais, Hirse, Erdnüssen oder Reis die Ernährungsgrundlage sicherstellten, müssten die Frauen die Familien jeden Tag über Wasser halten (mit der ihnen obliegenden Aufgabe des Wasserholens ist das auch wörtlich zu verstehen). "Sie haben verstanden, welche Möglichkeit sie hier gerade erhalten." Die Webstühle ermöglichen die Herstellung von Stoffbahnen von bis zu 1,60 Metern Breite und die Verwendung viel leichterer Garne. Die Stoffe sollen vorwiegend im Land vermarktet werden.
Bau und Schulung finden in der Hauptstadt Ouagadougou statt. Von dem Besuch der Dörfer im Norden wird aufgrund von Terrorgefahr dringend abgeraten, auch Kathrin Seyfahrt wird bei ihrem nächsten Besuch im September nicht dorthin fahren. Stattdessen kamen Frauen aus dem durch sie betreuten Dorf Petessiro und zwei weiteren Dörfern zur Schulung in die Hauptstadt. Dass sich ausgerechnet eine Frau aus Petessiro als beste Weberin erwies, freut Kathrin Seyfahrt besonders.
Erfinder des Webstuhls persönlich kennenlernen
"Die Spenderinnen und Spender sehen, wie sinnvoll das Projekt ist und honorieren das", berichtet Kathrin Seyfahrt. Ihr Traum: "Wenn jeder Cuxhavener nur einen Euro geben könnte..." Damit könnte sie das Projekt ausbauen. Zur Information Interessierter hat sie im Rahmen der Interkulturellen Woche (IKW) Andreas Möller von der Weberei Hamburg, Erfinder des "Flying 8", eingeladen. Am Sonnabend, 20. September, wird er unter dem Motto "Weltweit Zukunft weben" von 15 bis 17 Uhr im Museum Windstärke 10 seine internationalen Projekte vorstellen. Im Eintrittsgeld von 9,50 Euro ist der Museumseintritt enthalten.
Kampf gegen weibliche Genitalverstümmelung
In der IKW ist sie noch weitere drei Male vertreten. Beim Eröffnungsfest, mit dem Tag der offenen Tür im Wunschträume-Büro in der Mühlentrift 47 in Döse am 6. September (10 bis 15 Uhr) und einem Informationsabend am Freitag, 26. September (19 Uhr) im Veranstaltungsraum "Lokschuppen" am Bahnhof. Dort wird Fadumo Korn aus München über den Kampf gegen weibliche Genitalbeschneidung informieren.
Ein Thema, über das auch hierzulande aufgeklärt werden muss, so Kathrin Seyfahrt: Zum einen wegen der seelischen und körperlichen Wunden der hierher kommenden betroffenen Frauen, zum anderen als Prävention und Warnung: "Beschneidung ist in Deutschland strafbar und die Beschneidung eines Kindes in der Heimat ein Ausweisungsgrund." Für Frauen, denen im Ursprungsland die Beschneidung droht, gelte besonderer Schutz. Der Verein "Wunschträume" engagiert sich in Afrika und Deutschland an der Seite weiterer Organisationen und Fadumo Korns für Aufklärung.
Auch kleine Institutionen können Großes leisten
Seit mittlerweile 22 Jahren engagiert sich Kathrin Seyfahrt mit ihrem Verein "Wunschträume - Netzwerk für Mädchen- und Frauenprojekte" in Burkina Faso, ein Engagement, das der deutschen Botschaft kürzlich eine Erwähnung wert war: "Wunschträume" sei ein Beispiel dafür, dass auch kleine Institutionen Großes leisten können.