Das Silvesterkonzert in St. Petri Cuxhaven: Eine wirkungsvolle Mischung
Ein mitreißendes Silvesterkonzert in St. Petri Cuxhaven verzauberte mit einer harmonischen Mischung aus Harfenklängen, Orgel und beeindruckenden Vokalensemble-Darbietungen und bot den Zuhörern ein unvergessliches Musikerlebnis.
Harfe und Orgel, Sopransolo und das Vokalensemble concerto piccolo: Das versprach zum Jahresausklang eine ganz besondere musikalische Mischung. Und so war es denn auch an Silvester in St. Petri: Das diesjährige Konzert glänzte mit wirkungsvoll-mitreißenden wie mit besinnlichen Klängen und am Ende dann mit Benjamin Brittens "Christmas Carols".
"A Ceremony of Carols op. 28", komponiert 1942, ist im Original eine Zusammenstellung von neun altenglischen Weihnachtsliedern, deren Rahmen ein lateinisch gesungenes Magnificat-Antiphon bildet. Geschrieben ist das Werk für Knabenchor (oder Frauenchor) und Harfe. Mit seinem Vokalensemble concerto piccolo und der Harfenistin Eva Maria Blumschein führte Jürgen Sonnentheil an Silvester in St. Petri die erste, "7 Christmas Carols" genannte Version auf. Das Ganze, einschließlich des Harfen-"Interludiums", ist eine reizvolle Mischung aus Alter und Neuer Musik - gekonnt ineinander verwoben, filigran und kristallklar wie so häufig bei Britten und dazu von ausgesuchter Klangschönheit.
Für die acht Frauenstimmen von concerto piccolo war es an Silvester nicht mehr und nicht weniger als eine sängerische Herausforderung. Das Ergebnis: absolut beeindruckend. Klanglich fein aufeinander abgestimmt gestaltete das Vokalensemble unter Jürgen Sonnentheils Leitung die einzelnen Lieder in der ihnen eigenen Mischung aus Meditativem und Dynamischem. Dazwischen das zarte, klangschöne Sopransolo "That yonge child", gesungen von Nike Sonnentheil, und das so filigrane "Interlude" von Eva Maria Blumschein an der Harfe.
Dass Jürgen Sonnentheil nach dem "Weihnachtsoratorium" von Camille Saint-Saens die Kölner Harfenistin auch für sein jüngstes Silvesterkonzert gewinnen konnte, war ein ausgesprochener Glücksfall. Dem Zauberklang der Harfe ist die Begeisterung des Publikums bekanntlich immer sicher. Ganz besonders dann aber, wenn das Instrument so gekonnt und einfühlsam gespielt wird wie an diesem Abend von Eva Maria Blumschein. Dass die Harfenistin ihre Zuhörerinnen und Zuhörer zudem noch mit hierorts selten zu hörenden Werken bekanntmachte, sorgte für noch mehr Begeisterung. Zu nennen wäre da vor allem "Baroque Flamenco" der amerikanischen Komponistin und Harfenistin Deborah Henson-Consant. Ein mitreißend-tänzerisches Stück, in dem die Interpretin einfach alles zeigen kann, was ihr Instrument hergibt: Arpeggien, Glissandi rauf und runter, perlende Töne und klangvolle Akkorde.
Natürlich hört man die berühmten "Greensleeves" immer wieder gern, schön auch Rhett Barnwells "There is no rose" für Sopran und Harfe und sehr wirkungsvoll "A Christmas Triptych" von Samuel Milligan. "Baroque Flamenco" dürfte jedoch zu den Höhepunkten des Silvesterkonzertes in St. Petri gehören.
Allerdings: Das Zusammenspiel von Harfe und Orgel hat seinen besonderen Reiz, wie Jürgen Sonnentheil mit seiner Register-Auswahl in Samuel Milligans "Christmas Triptych" bewies. Mit "Introduction et Toccata" aus den "Trois Esquisses" des Kanadiers Denis Bédard hatte Sonnentheil zuvor eine beeindruckende Kostprobe seiner Virtuosität auf dem Pedal der symphonischen Woehl-Orgel in St. Petri gegeben. Gewissermaßen die noch um Einiges wirkungsvollere Fortsetzung des Pedalsolos zum Konzert-Auftakt mit dem "Entrée" von Gabriel Pierné.
Von Ilse Cordes