Der Genitiv hat doch noch eine Lobby
Seit Jahren begeistert die Kolumne "Moin Cuxhaven" die Leserschaft der Cuxhavener Nachrichten und der Niederelbe-Zeitung. Inzwischen sorgt die Rubrik auch auf cnv-medien.de für Unterhaltung. Heute geht es um Fragen des Falls.
Obwohl ihr so etwas wie eine Wächterfunktion zukommt, hat sich die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) vor ein paar Monaten auf ein Experiment eingelassen: Weil im Dialektbereich und in der gesprochenen Sprache die Präposition "wegen" immer wieder mit einem im Dativ stehenden Hauptwort verbunden wird, wollten die Wissenschaftler aus Wiesbaden abklopfen, inwieweit diese grammatikalisch schiefe Konstruktion gesellschaftlich auif Akzeptanz trifft. Sprache wandelt sich halt, und insofern ist es tatsächlich denkbar, dass Wendungen ins Standarddeutsche herüberschwappen, die zu Zeiten als Sie und ich noch die Schulbank drückten unweigerlich als falsch angestrichen worden wären.
Aber werden wir in Zukunft wirklich "wegen dem Regen" eine Jacke überziehen oder "wegen einem Missverständnis" einen wichtigen Termin verpassen?
Keine Sorge, denn eine GfdS-Umfrage erbrachte ein sehr deutliches Bild: Der Anteil derjenigen, die solch eine Reform gut fänden oder gar nachdrücklich bergrüßen würden, fällt mit einem Anteil von weniger als 20 Prozent an den Befragten relativ überschaubar aus. 34,6 Prozent lehnten eine Liberalisierung ab; mit 38,5 Prozent bezeichnete eine satte Mehrheit solche Verballhornungen als schlicht "unerträglich". Der Genitiv, der auf das Wörtchen "wegen" folgen muss, wird uns folglich zumindest in der Schriftsprache erhalten bleiben. Wegen des großen Zuspruchs, den er offenbar nicht nur unter Deutschlehrern genießt.
CNV-Newsletter
Wissen, was im Cuxland los ist: Alle wichtigen Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven direkt in Ihr Postfach. Hier für den CNV-Newsletter anmelden.