Tobias Busch ist seit 2004 Wahlhelfer in Cuxhaven - sein Appell an die Wähler
Seit 2004 ist Tobias Busch Wahlhelfer in Cuxhaven. Für den 42-Jährigen gehört der Einsatz am Wahltag längst dazu. Warum ihm das Ehrenamt wichtig ist - und welchen Wunsch er an die Wählerinnen und Wähler hat.
Seit seinem 18. Lebensjahr ist Tobias Busch Wahlhelfer. Was 2004 begann, ist für den 42-Jährigen längst selbstverständlich. Dabei hat ihn sein Weg nach Cuxhaven über Bayern geführt - und sogar zu einer ungewöhnlichen Idee für den Tourismus.
Wenn andere am Wahlsonntag ausschlafen, den Kaffee gemütlich am Frühstückstisch trinken oder erst am Nachmittag überlegen, wann sie ihre Stimme abgeben, beginnt für Tobias Busch der Tag längst. Er ist dann dort, wo für ihn seit mehr als zwei Jahrzehnten ein fester Platz ist: im Wahllokal.
Seit der Europawahl 2004 ist Busch ehrenamtlich als Wahlhelfer dabei. Damals war er gerade 18 Jahre alt. Heute ist er 42 und noch immer ist ihm das Ehrenamt wichtig. "Ich habe jedes Mal als Wahlhelfer geholfen, nur nicht 2011, da stand ich selbst auf der Liste für den Stadtrat", erzählt er.
Um 18 Uhr beginnt der spannende Teil
In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat Busch fast alle Aufgaben kennengelernt, die ein Wahlhelfer übernehmen kann - von der Ausgabe der Wahlunterlagen bis zur Kontrolle des Personalausweises. Während seiner Zeit beim Landkreis Cuxhaven war er sogar einmal beim Auszählen einer Briefwahl dabei.
"Ich habe alle Wahlen schon mal gemacht. Nur eine Stichwahl fehlt noch", sagt er. Sein Urteil über den Aufwand fällt gelassen aus: "Es hat immer Spaß gemacht und es ist nicht kompliziert. Mir ist unsere Demokratie sehr wichtig und mit Blick auf das politische Geschehen wird es immer wichtiger, sich für sie einzusetzen", so Tobias Busch.
Am liebsten ist er bereits am Vormittag im Wahllokal. Dann sei man fit und konzentriert, wenn nach 18 Uhr der eigentlich spannende Teil beginnt: das Auszählen der Stimmen. Als Wahlhelfer trägt er dazu bei, dass eine Wahl allgemein, unmittelbar, frei, gleich und geheim stattfinden kann.
Schon damals ging es Busch um Teilhabe
Mit 19 Jahren hatte er seine mittlere Reife in der Tasche und begann anschließend eine Ausbildung zum Bürokaufmann. Geboren wurde Busch in Bremerhaven, später lebte er in Bayern. 2006 führte ihn sein Weg nach Cuxhaven. Seine Mutter ist gebürtige Cuxhavenerin und wollte im Alter zurück in den Norden. Für Busch passte der Zeitpunkt. "Ich hatte damals keinen Job und habe mich entschlossen, auch zurück in den Norden zu ziehen", erinnert er sich.
In Cuxhaven begann er zunächst eine Weiterbildung zum Tourismusassistenten. Schon damals beschäftigte ihn ein Thema, das eng mit seiner eigenen Lebensgeschichte verbunden ist: Busch ist hörgeschädigt.
Wie sehr ihn das Thema beschäftigte, zeigte sich bereits 2007. Die Cuxhavener Nachrichten berichteten seinerzeit über den 22-Jährigen, der gerade seine Weiterbildung zum Tourismusassistenten abgeschlossen hatte. Weil kein Praktikumsplatz mehr verfügbar war, entwickelte Busch stattdessen eine Projektarbeit mit dem Titel "Hörgeschädigte im Tourismus". Darin beschäftigte er sich mit der Frage, wie barrierefrei touristische Angebote für Menschen mit Behinderung - und insbesondere für Hörgeschädigte - tatsächlich sind.
"Ich bin ein Nordmensch und liebe das Meer", sagt Busch. Er wohnt nur zehn Minuten von der Bucht entfernt. "Es ist ein Luxus, im Sommer hier den Strand zu haben." Wenn er nicht am Meer unterwegs ist, sitzt Busch gerne am PC oder baut anspruchsvolle Klemmbausteinsets: "Die Vitrine zuhause ist voll." Außerdem geht er mit seiner Frau gerne in die Bucht oder zum Schwimmen ins Hallenbad. Und dann wären da noch die vier Katzen.
Ein Wunsch an die Wählerinnen und Wähler
Am Sonntag ist Tobias Busch wieder im Wahllokal anzutreffen. Dass dieses Engagement nicht selbstverständlich ist, weiß Busch. Einen Wunsch hat er deshalb an die Politik. Die Aufwandsentschädigung für Wahlhelfer liegt derzeit bei 35 Euro. "Die könnte gerne angehoben werden. Gerade für die, die mit dem Auto kommen. So könnte man vielleicht auch den ein oder anderen davon überzeugen zu helfen."
Noch wichtiger ist ihm allerdings eine kleine Geste derjenigen, für die er und die anderen Helfer am Sonntag im Wahllokal sitzen. "Man muss sich nicht bei den vielen Ehrenamtlichen am Sonntag bedanken, dass die das alles machen, aber ein Guten Morgen wäre schon toll. Das freut alle Helfer." Dass ein freundliches Wort hängen bleibt, hat Busch selbst erlebt. Ein Wähler brachte einmal einen Kuchen für die Wahlhelfer mit. "Das muss natürlich nicht sein, aber war dennoch schön", erzählt er.
Für seinen zehnten Einsatz als Wahlhelfer bekam Busch einst sogar eine Urkunde und eine Anstecknadel vom Bundesinnenministerium. Mittlerweile ist diese Auszeichnung Geschichte. Die Bereitschaft, am Wahlsonntag im Wahllokal zu sitzen, ist geblieben.
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