Dieser Verein wurde im Februar 1949 in Cuxhaven gegründet: Jetzt wird er aufgelöst
Die Auflösung der Ernst-Gock-Gesellschaft markiert das Ende einer kulturellen Institution in Cuxhaven. Jahrzehntelang förderte sie das Werk des Malers Ernst Gock und organisierte Kunstreisen und Vorträge. Wie es jetzt weitergeht.
Über Jahrzehnte war die Ernst-Gock-Gesellschaft mit ihrem anspruchsvollen kunsthistorischem Vortragsprogramm, ihren Exkursionen zu Ausstellungen und Reisen in die Kunstmetropolen Europas ein fester Bestandteil des kulturellen Lebens dieser Stadt. Das ist nun zu Ende: Der Verein sich aufgelöst. Viel Lob gab es im Schloss zurecht für Helga Sellmer, die langjährige 1. Vorsitzende der Gock-Gesellschaft.
Gesundheitliche und persönliche Gründe haben, wie der 2. Vorsitzende Dr. Manfred Kuhr zu Beginn der außerordentlichen Mitgliederversammlung betonte, den Vorstand bewogen, nicht wieder anzutreten. Nachfolgerinnen oder Nachfolger für die Vorstandsarbeit hätten sich nicht gefunden. So votierten die Mitglieder bei der Versammlung einstimmig für die Auflösung der Gock-Gesellschaft.

Liquidierung des Vereins wird wohl etwa ein Jahr dauern
Als Liquidatoren wurden gemäß Satzung des Vereins die bisherige 1. Vorsitzende Helga Sellmer und der bisherige 2. Vorsitzende Dr. Manfred Kuhr bestimmt. Auch hier fiel das Votum einstimmig aus. Kuhr zufolge wird die von einem Notar begleitete Liquidierung des Vereins insgesamt etwa ein Jahr dauern. Die Vereinsunterlagen der Ernst-Gock-Gesellschaft gehen zur Aufbewahrung an den Verein "Bürger für das Schloss Ritzebüttel", der künftig mit zwei bis drei Abenden einen kleinen Teil der kunsthistorischen Vorträge der Gock-Gesellschaft in sein Veranstaltungsprogramm übernimmt.
Die Gock-Gesellschaft hat eine bekanntlich wechselvolle Geschichte. Im Februar 1949 erstmals gegründet mit dem Ziel, das Werk des damals noch lebenden Malers Ernst Gock in den Blick der Öffentlichkeit zu rücken und den in kümmerlichen Verhältnissen lebenden Künstler zu unterstützen, entstand in späteren Jahren eine lange Pause. Ein neuer Anfang wurde dann im Dezember 1977 mit einer zweiten Gründung der Gesellschaft gemacht. Erster Vorsitzender wurde Hans-Joachim Steffens, damals einer der beiden Direktoren der Vereins- und Westbank Cuxhaven. Sie wurde für viele Jahre Ort der kunsthistorischen Vortragsreihe wie der Ausstellungen mit Werken von Ernst Gock und anderer Künstler.

Als nach Jahren unter den Vorsitzenden Dr. Wolfgang Schultze und Reinhart Kühn 2002 Helga Sellmer den Vorsitz der Ernst-Gock-Gesellschaft übernahm, lag der Fokus neben dem anspruchsvollen Vortragsprogramm verstärkt auch auf den Tagesexkursionen zu wichtigen Kunstausstellungen in der näheren Umgebung und auf den mehrtägigen Kunstreisen. "Unwahrscheinlichen Spaß" habe es ihr gemacht, die Vorträge und die Reisen zu organisieren, sagte Helga Sellmer im Schloss, und man glaubt ihr das aufs Wort. Gleiches gilt für die Ausstellungen in der Kassenhalle der Vereinsbank und später dann im Gebäude der Siedlung am Feldweg. Mit allen habe sie während all der Jahre "wunderbar zusammengearbeitet", wobei ihr ausdrücklicher Dank auch ihrem Vorstand galt.
Möglicherweise Ausstellungen im Marstall
Der Ernst-Gock-Gesellschaft ging es immer auch um das Werk Ernst Gocks. Einen Raum zu finden, in dem das Werk des Malers und Biografisches über ihn präsentiert werden können, ist Helga Sellmer trotz wiederholt vehement vorgetragener neuer Vorstöße bislang nicht gelungen. Nun äußerte sie die Hoffnung, dass wenn demnächst der Marstall des Schlossensembles in Angriff genommen werde, möglicherweise dort Ausstellungen mit Bildern von Ernst Gock stattfinden könnten.

Als das "Ende einer Ära im kulturellen Leben Cuxhavens" bezeichnete Dezernentin Petra Wüst die Auflösung der Gock-Gesellschaft. Über Jahrzehnte habe sie die Kultur in der Stadt bereichert und das Werk Gocks bewahrt. An Helga Sellmer gewandt meinte Wüst: "Man muss Menschen mitziehen können und das haben Sie getan." Der Dank der Dezernentin galt dem so großen Engagement der Ersten Vorsitzenden.
Dass Helga Sellmer andere für "ihre" Sache zu begeistern und mit ins Boot zu holen verstand, hat auch Melanie Eitzen-Fischer, die 1. Vorsitzende des Schlossvereins, in der Zusammenarbeit mit ihr wiederholt erfahren, wie sie in ihrer Würdigung betonte. Einen musikalischen Gruß gab es an diesem Abend von Jennifer Franckenstein-Magiera (Gesang), die von Svetlana Tempus am Flügel begleitet wurde.
Von Ilse Cordes
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