"Döser Speeldeel" startet mit viel Applaus in die neue Spielzeit
Beifall am Premierenabend: Die Mundart-Komödie "Single, 66, söcht..." überzeugte - nicht zuletzt dank der Spielfreude des Ensembles.
Lustig, turbulent, in Teilen aber auch durchaus nachdenklich ist das jüngste Stück im Repertoire der "Döser Speeldeel". Es geht um ein Speeddating-Event, das drei Freundinnen auf die Beine stellen: Vordergründig, um ein bisschen Spaß zu haben. In Wahrheit in der Hoffnung, dem Alleinsein im Alter entfliehen zu können. "Single, 66, söcht..." feierte am Donnerstagabend Premiere.
Dass neben den lauten Tönen auch noch Raum für die leisen bleibt, ist eine Besonderheit der Komödie aus der Feder von Michael Wempner: Da spricht Lisbeth (Dagmar Hille spielt diese an und für sich sehr resolute Seniorin) von Einsamkeit inmitten von Gesellschaft). Und Christa (Andrea Hinke), die sich nach der Scheidung einen Traum vom eigenen Café verwirklicht hat, bekennt, wie sehr sie in Wahrheit in der Vergangenheit lebt: In Erinnerung an gemeinsame, bessere Tage mit ihrem "Ex" Jochen (Sigi Koperschmidt), der ausgerechnet am Tag der Speeddating-Party unverhofft wieder in ihr Leben tritt.
Balanceakt in Doppelrollen
Wohin das führt, kann der theaterkundige Besucher erahnen; der Begeisterung des "Speeldeel"-Publikums tat diese Absehbarkeit am Donnerstag allerdings keinen Abbruch. Nicht nur, dass die Handlung im Laufe von gut zwei Stunden durchaus die eine oder andere unerwartete Wendung bereithielt: Die Spielfreude des Ensembles war es, die das Stück trug und am Ende anhaltend beklatscht wurde. Der Beifall galt nicht zuletzt auch den teils in Doppelrollen auftretenden Darstellern, die einen schauspielerischen Balanceakt meisterten: Denn selbstredend spielt "Single, 66, söcht..." auf der humoristischen Schiene mit allen erdenklichen (Männer)-Klischees, gleichzeitig sollten die drei Sieger des Speeddating-Contest, nicht allzu hölzern, sondern als lebensechte und ihren Damen "gewachsene" Charaktere gezeichnet werden. Das dies gelang, ist ein Verdienst der Gast-Regie von Ulf Goerges, der in der Probenphase zahllose Nachtfahrten durch den Wesertunnel in Kauf genommen hatte.
Kompliment an das Cuxhavener Publikum
Dass sich der Aufwand gelohnt haben, würde, stand für ihn streng genommen schon vor der Premiere außer Frage, so etwas wie eine zusätzliche Bestätigung bildeten die Reaktionen aus dem Zuschauerraum - schon während der ersten halben Stunde: "Dass die Zuschauer in dieser Form mitgehen würden, hätte ich gar nicht gedacht", bekannte der Oldenburger während der Pause. Zuvor hatte es wiederholt Szenenapplaus gegeben, unter anderem für eine A-Capella-Version von "Zwei kleine Italiener". Apropos Musik: Dass ein weiterer Klassiker aus dem Schlager-Bereich ("Mit 66 Jahren") bei dieser mit viel Liebe zum Detail realisierten Inszenierung nicht fehlen durfte, versteht sich fast von selbst.

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