Cuxhavener Sigi Koperschmidt und das Meer: Nur das Leben schreibt solche Geschichten
Durch den Job des Vaters als Personenschützer beim Bundespräsidenten wird der Sohn aus Cuxhaven ins Rheinland verschlagen: eine entscheidende Wendung im Leben Sigi Koperschmidts. Aus dem, was folgte, hat er nun seinen Erstlingsroman gemacht.
Das Leben schreibt Geschichten, die man sich auch mit viel Fantasie nicht hätte ausmalen können. Denn wer hätte sich ausgedacht, dass ein in den 60er-Jahren unfreiwillig ins Rheinland "verschleppter" Cuxhavener trotz eines Wohnorts 400 Kilometern Entfernung Jahrzehnte später regelmäßig mit der Döser Speeldeel auf der Bühne stehen würde? Die Sehnsucht nach Cuxhaven ist in Sigi Koperschmidt immer geblieben, auch wenn er mit seiner Zweitheimat längst seinen Frieden machen konnte. Und deshalb zog es ihn auch immer wieder hierher. Jetzt bildet Cuxhaven einen der Hauptschauplätze seines Debüt-Romans mit dem Titel "Das Meer-Verlangen".
Es ist sein zweites Buch nach dem Gedichtband "Sigiriertes & Sigifiziertes" (2021). Das Werk mit der typischen Cuxhavener Strandkulisse auf dem Titel ist - wohlgemerkt - "ein Roman und kein Cuxhaven-Krimi". Spannung und Überraschungen verspricht Koperschmidt trotzdem. Das Buch ist im Cuxhavener Buchhandel sowie online erhältlich. Und alle aus seinem Bekanntenkreis, die es bisher gelesen haben, machen schnell die Feststellung: "Jan Jannsen - das bist ja Du."
Dass es sich um einen autofiktionalen Roman handelt (sich also Realität und Fiktion vermischen), liegt auf der Hand angesichts der Parallelen im Leben des Protagonisten und seines eigenen bewegten Lebens. Das Schreiben habe ihm wahnsinnig viel Freude gemacht, bekennt Sigi Koperschmidt: Er habe sich dafür bewusst Ruhe genommen. Dasselbe Vergnügen erhofft er sich auch für die Leserschaft.

"Das Meer-Verlangen" (Untertitel "Der letzte Sommer kommt erst noch") ist ein zeitgeschichtlicher Roman, der sich unter anderem zwischen Nordsee-Idylle und dramatischer Panik im Meer abspielt, aber auch mit Kölner Lokalkolorit versehen ist. Immer geht es um die Figur Jan Jannsen und seinen Weg zu sich selbst zwischen Schicksalsschlägen, Sehnsucht, Entfremdung und Zuversicht. Wie für Jan endete auch für den 1947 in Cuxhaven geborenen Sigi Koperschmidt als 18-Jähriger das Strandleben jäh, als sein Vater, ein Polizeibeamter, sich 1966 zur Sicherungsgruppe des Bundeskriminalamts nach Bonn versetzen ließ, um fortan als Personenschützer für den damaligen Bundespräsidenten Heinrich Lübke zu arbeiten. Die Familie musste mit.

Begeisterter Laienschauspieler schon als Handelsschüler
Siegfried "Sigi" Koperschmidt war damals als Handelsschüler begeistertes Mitglied der Laienspielgruppe der Cuxhavener Berufsschule, die damals im Haus der Jugend und auf der Bühne der Nordheim-Stiftung auftrat. Eine herausragende Persönlichkeit war er auch wegen seiner stattlichen Länge von 2,04 Metern. Volljährig war er damals mit 18 Jahren aber noch nicht, und so fand die geplante Lehre zum Groß- und Außenhandelskaufmann auf Geheiß des Vaters nicht in Cuxhaven statt, sondern im Rheinland.
In Köln wirkte er beim Aufbau eines technischen Betriebs mit, bis sich für ihn mit 27 Jahren die Gelegenheit zum Studium ergab. Als frisch graduierter Betriebswirt hängte er prompt ein zweites Studium in Wirtschaftskunde und Pädagogik an und wurde Lehrer. Bis zu seiner Pensionierung nutzte Sigi Koperschmidt die Ferien mit seiner Familie bevorzugt für lange Reisen nach Skandinavien und immer wieder nach Cuxhaven.
Heute lebt er in Wermelskirchen, ist aber ebenso häufig in Cuxhaven anzutreffen, wo er auch gerade mit seiner Frau wieder zu Gast ist. "Wir genießen es, hier zu sein", berichtet er. Tochter Jil hat in Cuxhaven Wurzeln geschlagen und betreibt hier ein Maklerbüro.
Mit der Döser Speeldeel auf der Bühne

Im Ensemble der über 100-jährigen plattdeutschen Traditionsbühne Döser Speeldeel übernahm Sigi Koperschmidt zahlreiche Rollen und wirkte auch bei der Veranstaltung "Weltliteratur op Platt" mit.
So locker und leicht, aber auch intensiv, wie er Jan Jannsen im Roman begleitet, berichtet er über sein Leben, ohne Verbitterung, mit Realismus, Herzlichkeit, Humor und Zuversicht - obwohl im Roman durchklingt, dass der Umzug nach Bonn mehr war als nur ein Wohnungswechsel. Die Konfrontation mit einer anderen Gesellschaft und einem besonderen Dialekt, das isolierte Leben im Promiviertel, die familiäre Belastung, die Auswirkungen der Kriegsjahre und der NS-Zeit waren nicht einfach wegzustecken. Koperschmidt greift in dem Roman auch zeitgeschichtliche Elemente wie die Sturmflut von 1962, aber auch weiter zurückliegende geschichtliche Ereignisse auf und macht deutlich, dass scheinbar abstrakte Eintragungen im Geschichtsbuch Lebensgeschichten noch Generationen später beeinflussen können.
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