Eine Ära endet in Cuxhaven: Förderverein Kriminalprävention hat sich aufgelöst
Sein Markenzeichen war der Cuxhavener Zivilcouragepreis: 26 Jahre lang wollte der Förderverein Kriminalprävention in Cuxhaven Bewusstsein schaffen, Mut spenden und Präventionsprojekte fördern. Nun hat er sich innerhalb kürzester Zeit aufgelöst.
Der Anlass dafür war eigentlich ein erfreulicher: Das Vereinsziel sei erreicht, hatten zuvor die Verantwortlichen aus dem Vorstand festgestellt, die den Anwesenden auf der jüngsten und letzten Hauptversammlung die Frage aller Fragen stellten.
Insbesondere habe der Ratsbeschluss zur Bereitstellung eines jährlich mit 200.000 Euro ausgestatteten Sozialfonds die Finanzierung vorbildlicher Präventionsprojekte gesichert, resümiert der Vorsitzende Uwe Sandrock. Zuletzt seien so gut wie keine Anträge mehr an den Verein herangetragen worden. Eins der letzten geförderten Projekte war ein Rap-Workshop der Oberschule Cuxhaven-Mitte.
Eine feste Größe im Sozialwesen der Stadt
Die Förderung derartiger Angebote ("damals fehlte es an anderen Möglichkeiten") sei im Jahr 2000 der Hintergrund für die Vereinsgründung gewesen. Der Verein wuchs zu einer festen Größe im Sozialwesen Cuxhavens heran, war Mitglied im Kommunalen Präventionsrat, dem Begleitausschuss für das Bundesprogramm "Demokratie leben" und - über eine ehemalige Kriminalbeamtin aus Hannover - im Landespräventionsrat.
2023 löste Uwe Sandrock seinen Vorgänger Rüdiger Kurmann (beide inzwischen als Polizeibeamte im Ruhestand) ab. Frühere Vorsitzende waren Edebohl Tietje und Rudolf Robbert gewesen. Der Vorstand mit Uwe Sandrock, Stellvertreterin Christina Haas, Beisitzerin Gabriele Hoffmann, Kassenwart Volker Kosch und Schriftführerin Daniela Sandrock wollte vor allem mit Blick auf das 25-jährige Vereinsjubiläum im Jahr 2025 durchstarten und nochmals eine große Preisverleihung organisieren.

Hinsehen statt weglaufen: Engagement geehrt
Im April 2025 wurden auf einer bewegenden Feier in Duhnen stille Heldinnen und Helden mit dem Zivilcouragepreis geehrt. Sie hatten sich bei Katastrophen und Gewalttaten an die Seite der Opfer gestellt oder sich - wie der Cuxhavener Jugendbeirat - vorbildlich um den sozialen Zusammenhalt gekümmert. Es war eine Veranstaltung mit Strahlkraft: "Wir haben nach der Veranstaltung gemerkt, dass sich Menschen häufiger bereitgefunden haben, der Polizei zu helfen", berichtet Uwe Sandrock.
Auf der Hauptversammlung hatten nun die Mitglieder das Wort: auflösen oder weitermachen? Die rechtlichen Vorgaben stimmten, es waren ausreichend Mitglieder anwesend und die Versammlung war beschlussfähig. Am Ende sei der Beschluss einstimmig ausgefallen, so Uwe Sandrock.
So lange sich sonst die meisten Amtsvorgänge in Deutschland hinziehen, so schnell ging plötzlich die Abwicklung: Mit dem Protokoll zum Notar, Nachricht ans Vereinsregister, Veröffentlichung im Bundesanzeiger des Bundesjustizministeriums - und schon war der Verein aufgelöst. Das zurzeit laufende Sperrjahr dient der Abwicklung etwaiger (in diesem Fall nicht vorhandenet) Verbindlichkeiten. Als Liquidatoren wurden Sandrock, Christina Haas und Volker Kosch bestimmt.
Schmerzliche Nebenwirkung kam überraschend
Die Geschwindigkeit dieses Vorgangs habe überrascht, räumt Uwe Sandrock ein. Denn der neue rechtliche Status bringt eine schmerzliche Folge mit sich. Von jetzt auf gleich erlosch auch seine Mitgliedschaft im Kommunalen Präventionsrat (KPR), eines durch den Rat einberufenen Gremiums, in dem er Stellvertreter der Vorsitzenden Ulrike Hogrefe war. Auch in den durch die Verwaltung einberufenen Expertenrunden zur Gewalt und zur Betrachtung des Stadtteils Süderwisch darf er nicht mehr mitwirken, da dies als Einzelperson nicht zulässig ist.
Ein Effekt, den er außerordentlich bedauert und der durch eine Auflösungsversammlung wenige Monate später hätte abgewendet werden können. Der in diesen Gremien sehr aktive Uwe Sandrock hofft, dass er bald in anderer Funktion zurückkehren kann. Der KPR wird voraussichtlich in der neuen Legislaturperiode neu gebildet.
Grundsätzlich aber überwiege die positive Bilanz angesichts des erreichten Ziels. Einen besonderen Dank richtet er an Volker Kosch für die Kassenführung und den gesamten Vorstand für die Zusammenarbeit in den zurückliegenden Jahren.
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