Eine Schule auf der Grünen Wiese: 74 Container werden Teilen des Lichtenberg-Gymnasiums für eineinhalb Jahre als Domizil dienen. Foto: Reese-Winne
Eine Schule auf der Grünen Wiese: 74 Container werden Teilen des Lichtenberg-Gymnasiums für eineinhalb Jahre als Domizil dienen. Foto: Reese-Winne
Hauptgebäude wird saniert

Domizil bis Herbst 2025: Cuxhavener Gymnasium bezieht Containerdorf

von Maren Reese-Winne | 22.04.2024

Schluss mit Stückwerk: Der Haupttrakt des Lichtenberg-Gymnasiums in Cuxhaven wird grundsaniert. Doch vorher mussten Ausweichquartiere geschaffen werden: Seit den Osterferien erstreckt sich der Schulbetrieb über drei Gebäude.

Das Ausmaß des Umzugs ordnet Malte Hinck, Fachgebietsleiter Schulen beim Landkreis Cuxhaven, ein: "Der größte, den ich begleitet habe." Immerhin gehe es um rund 400 bis 500 der insgesamt 683 Schülerinnen und Schüler. Bevor aber nach dem letzten Schultag das Umzugsunternehmen anrückte, war Aussortieren angesagt - Überraschungen inbegriffen. Kuriosester Fund waren sechs Geigen aus der Zeit der 50er- und 60er-Jahre samt alter Noten, die natürlich nicht entsorgt wurden.

Die Klassenräume für die Jahrgänge sieben bis neun befinden sich jetzt auf dem Jahnplatz. Zwischen den Rasenflächen bilden 74 Container Platz für zehn allgemeine Unterrichtsräume (vier Container pro Klassenzimmer), Computerraum, Büros für die Schulleitung, Verwaltung, Schulsozialarbeit und Besprechungsräume, dazu vier WC-Anlagen. Die Oberstufe samt Jahrgang zehn belegt derweil die erste Etage der alten Realschule gleich nebenan.

"Wir sind sehr froh, dass wir den Klassentrakt und das Forum als Herz der Schule erhalten konnten", sagt Schulleiter Martin Rehermann. Dort kreist nun alles um das Sekretariat, die Bibliothek und die Schulkantine. Hier und im ebenfalls unbeeinträchtigten naturwissenschaftlichen Trakt sind auch die Klassenräume der fünften und sechsten Klassen und die Fachräume konzentriert.

Angebot sollte im vollen Maß erhalten bleiben

"Es war uns wichtig, dass die Schule alle Angebote weiter fortführen kann und der Bau nicht zu einer Verschlechterung des Unterrichts führt", sagt Malte Hinck. Die Mietcontainer böten den Vorteil, dass sie immer die modernste Ausstattung mitbrächten, in diesem Fall Schallschutz, Heizkörper, Klimaanlagen und Jalousien zur Beschattung.

Außenjalousien hatten die bisherigen Klassenzimmer nicht zu bieten. Foto: Reese-Winne

Auch die neue Präsentationstechnik - bestehend aus Whiteboard und Beamer -, die der Landkreis in allen Schulen als Ersatz für die ActivBoards etablieren will, ist bereits in jedem Klassenraum vorhanden. Nicht zu vergessen: Das einheitliche WLAN, das sich über alle Schul- und Ausweichräume erstreckt.

Die Mittelstufe hat sich in den neuen Klassenräumen mit Blick auf den Sportplatz eingerichtet. Nur bei der Einrichtung ist Kreativität gefragt, denn Nägel und Metallwände vertragen sich nicht. Foto: Reese-Winne

Während sich alle im neuen Quartier einrichten und gerade versuchen, den Räumen trotz Bohr- und Schraub-Verbots ein wenig Individualität zu verleihen, richtet sich der Blick jetzt auf das Hauptgebäude. Neben der Fassade sollen am Ende Böden, Fenster, IT, Wände und Brandschutz auf dem modernsten Stand sein. "Quasi ein neues Schulgebäude", verspricht Malte Hinck, "fit für die nächsten Jahrzehnte."

Ein Leitsystem für Sehbehinderte wird gleich mitinstalliert und, wenn es nach der Schule geht, auch ein Fahrstuhl - "wenn der Denkmalschutz zustimmt." Das denkmalschutzgerechte Bauen stelle eine Herausforderung dar, so Malte Hinck. Die Fertigstellung ist für Oktober 2025 angepeilt; wegen der Förderung für die Fassadenerneuerung und die Digitalisierung sind Fristen einzuhalten. Zurzeit laufe alles nach Zeitplan, versichert Malte Hinck.

Blick auf die Ostfassade: Links der Haupttrakt, der jetzt saniert wird, rechts im Hintergrund die Containerlandschaft. Foto: Reese-Winne

Ausgesprochen anerkennend äußert sich Martin Rehermann über die Kooperation mit dem Landkreis, insbesondere Projektleiter Christian Rüther, der die Schule bei allen Schritten einbeziehe. Auch allen beteiligten Hausmeistern und Miguel Ouja Kleybor gelte ein großer Dank für das Umzugsmanagement.

Mit "Lerninseln" zum Vorreiter werden

Durch den Bau ergäben sich aber auch grundlegende pädagogische Chancen: Moderne Lernkonzepte erforderten mehr Differenzierungs- und individuelle Lernräume, etwa in Form von "Lerninseln". Solche Bereiche sollten jetzt geschaffen werden. Ein Konzept, das Malte Hinck nicht fremd ist: "Wir unterstützen dieses Prinzip und setzen es vereinzelt bereits um. Das LiG wird aber sicher Vorreiter werden."

Valerie Winter und Malte Hinck von der Schulverwaltung des Landkreises mit Schulleiter Martin Rehermann (v.l.) vor der "Wünsche-Wand" der Schülerinnen und Schüler. Foto: Reese-Winne

Um das Gemeinschaftsgefühl in der kommenden Zeit nicht zu verlieren, wurde in einer Versammlung im Forum am letzten Tag vor den Ferien ein Seil durch die Reihen gegeben, an dem alle einen Namenszettel mit Wäscheklammern befestigten. Das Seil wird demnächst - als LiG-Schriftzug geformt - im Forum angebracht. Als zweites wurden Wünsche auf bunten Zetteln festgehalten und auf ein großes Lichtenberg-Transparent geklebt. Nach den Sommerferien soll es regelmäßig kleine Pausenkonzerte, Rezitationen oder Vorführungen der Zirkus-AG als Orte der Begegnung geben. 

Der neue Schultrakt befindet sich mitten auf dem Jahnplatz - mit Blick auf die anderen Schulgebäude. Foto: Reese-Winne

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Maren Reese-Winne

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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