Die Trauerbank steht am Holstenplatz in Cuxhaven. Foto: Larschow
Die Trauerbank steht am Holstenplatz in Cuxhaven. Foto: Larschow
Neues Angebot

Einzigartig in Cuxhaven: Am Holstenplatz steht jetzt eine Trauerbank

von Tim Larschow | 17.04.2025

Auf einer unscheinbaren Bank mitten in Cuxhaven geschehen besondere Begegnungen: Hier finden Menschen Trost und offene Ohren in schweren Zeiten. Eine Initiative, die Raum für stille Gespräche schafft und Herzen öffnet.

Die Sonne fällt in Streifen durch das Geäst der Bäume am Holstenplatz. Auf einer hölzernen Bank sitzt eine Frau, ihre Stimme ruhig, ihre Aufmerksamkeit ganz bei einer anderen Frau neben ihr. Kein Kaffee, kein Smalltalk - es geht um etwas Tieferes.

Was von weitem wie eine gewöhnliche Sitzbank wirkt, ist in Wahrheit ein besonderer Ort: die neue Trauerbank, die die Hospizgruppe Cuxhaven seit April 2025 in der Innenstadt aufgestellt hat. Die Idee dahinter ist ebenso einfach wie berührend: Ein niederschwelliges Angebot für Menschen, die sich in schwierigen Lebensphasen befinden. Für Trauernde, pflegende Angehörige, für Menschen, die jemanden verloren haben oder einfach das Bedürfnis nach einem offenen Ohr haben.

Die Trauerbank am Holstenplatz in Cuxhaven bietet mitten in der Stadt einen geschützten Raum für Gespräche, Erinnerungen und stille Begegnungen. Foto: Larschow

Ab sofort wird die Bank regelmäßig an jedem 1. und 3. Dienstag im Monat von 14 bis 15.30 Uhr von ausgebildeten Ehrenamtlichen aus der Sterbe- und Trauerbegleitung besetzt sein. Die Aktion läuft über die Monate April bis Oktober. Am vergangenen Dienstag saß Christine Piedziak von der Hospizgruppe auf der Trauerbank. Sie befindet sich derzeit in der Hospizvorbereitungsausbildung und wird ab Mai als Sterbebegleiterin tätig sein. Im vergangenen Jahr ist sie nach Cuxhaven gezogen. Zu ihrer Motivation sagt sie: "Ich bin gelernte Altenpflegerin und habe oft erlebt, dass beim Sterben alles sehr schnell geht und kaum Zeit bleibt. Ich habe mir gesagt: Wenn ich nicht mehr arbeite und in Cuxhaven lebe, möchte ich ein Stück meiner Zeit zurückgeben."

Raum für Begegnung in der Stadt schaffen

Christine Piedziak nahm am Dienstag zum ersten Mal selbst auf der Trauerbank Platz. Ihren ersten Tag auf der Bank beschreibt sie als sehr positiv: "Ich hatte zunächst ein Gespräch mit einem Herrn im Rollstuhl und später mit zwei jungen Frauen mit Kinderwagen. Sie erzählten mir, dass das Angebot noch wenig bekannt ist", berichtet Piedziak und ergänzt: "Aber wenn man erst einmal mit den Menschen ins Gespräch kommt, sind sie sehr dankbar für die Möglichkeit, sich mitzuteilen." Viele Menschen hätten nach wie vor Schwierigkeiten, über Themen wie Trauer zu sprechen. "Umso wichtiger ist es, ihnen mit diesem Angebot entgegenzukommen", sagt Christine Piedziak.

"Trauer leben - Trost geben" ist auf der Rückenlehne der großen Holzbank zu lesen. Foto: Hospizgruppe Cuxhaven

Die Bank steht öffentlich zugänglich auf dem Holstenplatz - ein zentraler Ort in der Stadt, gut erreichbar und dennoch ruhig genug für vertrauliche Gespräche. Ziel ist es, Raum für Begegnung zu schaffen - ganz ohne Termin und ohne Verpflichtung. "Der Ort ist gut gewählt. Bei einem vertrauten Gespräch nimmt man das Umfeld kaum wahr", sagt Piedziak.

Das Konzept ist nicht neu, aber bisher einzigartig in Cuxhaven. In anderen Städten haben die sogenannten Trauerbänke aber bereits ihren Platz im öffentlichen Raum gefunden - so auch in Otterndorf, durch die Hospizgruppe Land Hadeln. Besucherinnen und Besucher des Otterndorfer Friedhofs haben seit Mai 2022 die Möglichkeit, auf der aufgestellten Trost- und Trauerbank zu verweilen. In den Monaten Mai bis September steht dort jeweils am ersten Mittwoch des Monats um 15 Uhr ein Trauerbegleiter oder eine Trauerbegleiterin für Gespräche zur Verfügung.

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Tim Larschow

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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