Sorgte mit ihrem Klavierspiel beim Publikum für restlose Begeisterung: die Pianistin Elizaveta Don. Foto: Cordes
Sorgte mit ihrem Klavierspiel beim Publikum für restlose Begeisterung: die Pianistin Elizaveta Don. Foto: Cordes
Klaviermatinee

Eine ganz unglaubliche Pianistin: Elizaveta Don begeistert in Cuxhaven

31.08.2026

Die Pianistin Elizaveta Don verzaubert das Publikum in Cuxhaven mit atemberaubender Brillanz und tiefem Einfühlungsvermögen in die Werke von Ravel, Chopin, Händel und Brahms und hinterlässt die Zuhörer im Schloss Ritzebüttel beeindruckt.

Mit den Superlativen ist das bei Konzertbesprechungen so eine Sache - zumeist ist äußerste Vorsicht geboten. Und doch gibt es Konzerte, da kommt man einfach nicht um sie herum. So geschehen bei der Klaviermatinee von Elizaveta Don im Schloss Ritzbüttel: die Begegnung mit einer Interpretin, deren ungemein vielseitige und hochanspruchsvolle Pianistik einen fast sprachlos zurücklässt.

Seit vielen Jahren schon gehört die Klaviermatinee in den Sommermonaten zum Veranstaltungsprogramm des Vereins "Bürger für das Schloss Ritzebüttel". Mit ihr profitierte der Schlossverein sozusagen von den in Stade stattfindenden "Klaviertagen Unterelbe". Die boten dort dem pianistischen Hochschulnachwuchs eine Bühne, und da war das Schloss Ritzebüttel im nahegelegenen Cuxhaven durchaus ein willkommener Konzertort. Wenn man heute, was die Qualität der Klaviermatinee angeht, von einer ganz anderen "Hausnummer" sprechen muss, hat das auch mit der Konzertagentur zu tun, mit der der Schlossverein inzwischen zusammenarbeitet.

An der Hochschule in Hamburg ausgebildet

Die einst am berühmten Moskauer Tschaikowsky-Konservatorium und später dann bei Evgeni Koroliov an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg ausgebildete Pianistin kam mit einem Konzertprogramm nach Cuxhaven, das ihrem Publikum Klaviermusik in all ihren Facetten bot - von Maurice Ravel, Frédéric Chopin, von Georg Friedrich Händel und Johannes Brahms. All das gespielt von einer geradezu begnadeten Könnerin wie der
Russin wurde das zu einem wahren Fest. Man könnte Brahms‘ so überaus individuelles Variationenwerk über ein Thema von Händel im Grunde genommen als die Conclusio der gesamten Matinee nehmen. Denn hier zeigte Elizaveta Don am Ende ihrer Klaviermatinee noch einmal alles, was ihr so faszinierendes Klavierspiel ausmacht: atemberaubende Brillanz, ungeheuer fein austarierte Gestaltung und eine tiefe Empathie für das jeweilige Werk.

Maurice Ravels "Valses nobles et sentimentales" spielen im gewissen Sinne mit dem Begriff des Walzers. Der Komponist kennt sie alle, die Walzer von Chopin, Schubert und Johann Strauß, doch er unterzieht sie allesamt einer Verwandlung - deckt Kontraste auf und erspürt Dissonanzen. Und Elizaveta Don gelingt ganz wunderbar, all das in seiner Farbenvielfalt auf dem Klavier zu realisieren. Gemeinsam mit der "Pavane" und dem "Jeu d'eau" verweist das schon zu Beginn des Konzertes auf den so besonderen Reiz der Klaviermusik von Maurice Ravel. Chopins "Scherzo Nr. 4 E-Dur op. 54" ist so etwas wie ein Rückgriff auf Romantisches und zwar ohne die für den Komponisten sonst charakteristische slawische Wildheit. Von den Pianisten verlangt es zuallererst eine hohe Anschlagskultur und ein perlendes Passagenspiel. All das und noch viel mehr hat Elizavetas Dons Pianistik.

International vielfach ausgezeichnet

Die in Hamburg lebende, international vielfach ausgezeichnete Interpretin wird immer wieder für ihr breit angelegtes Repertoire gerühmt, das von der Barockmusik bis zur Moderne reicht. In Cuxhaven setzte sie - natürlich nicht von ungefähr - Georg Friedrich Händels "Chaconne G-Dur HWV 435" den Händel-Variationen von Johannes Brahms voran. Im Original für das Cembalo komponiert, ist die Realisierung auf einem modernen Steinway-Flügel immer auch ein Wagnis. Nicht jedoch für Elizaveta Don: Ihr gelang eine glasklare, bis ins letzte Detail durchstrukturierte Interpretation. Und dann Brahms‘ Variationen über die so wunderschöne "Aria" aus Händels B-Dur-Suite, verwandelt in so ganz andere Musik. Eine Musik, die in ihrem schier unerschöpflichen Erfindungsreichtum einem wahren Kosmos an Formen und Farben gleichkommt.

Das Werk zu spielen, ist pianistische Schwerstarbeit. Doch der Russin merkt man das nicht an, in keinem einzigen Moment. Schnelle gegenläufige Passagen auf den schwarzen und weißen Tasten der Klaviatur sind für sie ebenso wenig ein Problem wie virtuoses Figurenwerk, atemberaubende Passagen und die hochkomplexe Ausgestaltung der abschließenden Fuge.

Am Ende ist der Beifall so nachdrücklich wie andauernd. Und Elizaveta Don spielt tatsächlich noch eine Zugabe und auch die so, als hätte sie nicht gerade eben noch ein Riesenprogramm gespielt. Denn mal ehrlich: Eigentlich war mit dem Brahms doch alles gesagt.

Von Ilse Cordes

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