Die Sondengänger Detlef Conrad und Ralf Braesch finden immer mehr Bestätigungen für ihre Vermutung, dass sich in Holte-Spangen ein Hafen befunden haben muss, und sind dabei, diesen zu lokalisieren. Foto: Braesch
Die Sondengänger Detlef Conrad und Ralf Braesch finden immer mehr Bestätigungen für ihre Vermutung, dass sich in Holte-Spangen ein Hafen befunden haben muss, und sind dabei, diesen zu lokalisieren. Foto: Braesch
Geschichte wiederentdecken

Cuxhavener Hobby-Archäologen kommen Spuren des Hafens in Holte-Spangen immer näher

von Maren Reese-Winne | 31.08.2026

Ein uralter Schmelztiegel, eine römische Münze, ein Siegelstempel: Wenn sie solche Zeugnisse der Vergangenheit in Händen halten, wissen die Cuxhavener Sondengänger Rald Braesch und Detlef Conrad, dass ihre Vermutungen nicht ganz falsch sein können.

Die beiden Hobby-Archäologen Detlef Conrad und Ralf Braesch sind seit einiger Zeit damit beschäftigt, den Hafen in Holte-Spangen zu lokalisieren. Inzwischen werden die Funde so konkret, dass sich allmählich ein Bild womöglich für die gesamte Region zwischen dem Galgenberg, der Altenwalder Burg und Berensch zusammenfügt.

Jetzt wird sich der eine oder andere fragen, wie denn ein Hafen nach Holte-Spangen kommt. Das ist eigentlich ganz einfach, jedenfalls beim Blick in die Vergangenheit: Bevor Deiche erfunden waren, befand sich das Hinterland unter Wasser - so wie heute Deichvorland mit seinen Prielen und Salzwiesen um Cuxhaven herum.

Das Wort Hafen ist vielleicht etwas irreführend. Es wird sich vermutlich eher um eine oder mehrere Anlegestellen handeln, die man nicht mit einer heutigen Hafenanlage oder einem Sportboothafen wie etwa in Altenbruch vergleichen kann.

Vor jedem Suchgang mit dem Metalldetektor (übrigens auch eine körperlich kräftezehrende Sache) steht eine intensive Vorarbeit mit stunden- oder sogar tagelanger Recherche. Es werden Flurnamen untersucht, dazu wird eine Vielzahl von Karten studiert: sehr alte Karten, in denen alte Fluss- oder Priel-Verläufe zu erkennen sind, aber auch aktuelle Karten und natürlich Luftbilder. Wenn sich die Freude dann auf einen Bereich festgelegt haben, erkunden sie vor Ort im Gelände, wo und wie sich alte Uferbereiche, Priele und Bäche abzeichnen.

Arbeit gibt Aufschluss über den Wasserspiegel

Die Geländehöhe liegt bei etwa einem Meter über Normalnull (NN) am Ufer des Spanger Bachs. Nach einer Bachelorarbeit durch Hannah Ruppert aus dem Jahr 2015 von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Institut für Geographie, über den Spanger Bach wurden Bohrungen durchgeführt und Bodenproben entnommen und bestimmt.

In der Arbeit wird auch zur Frage der Wasserwegigkeit im Frühmittelalter Stellung bezogen (Tz 6.2). Nach einer Meeresspiegelkurve für die südliche Nordseeküste lag der Pegel um 1000 n. Chr. bei Normalnull und stieg in den darauf folgenden 500 Jahren um einen Meter an (S. 48). Es wird davon ausgegangen, dass es im Detailgebiet "Spanger Bach" noch im Frühmittelalter bis ins 11. Jahrhundert zu Überflutungen kam. Eine Anbindung des östlichen Geestrandes an die Nordsee war also möglich.

Diese Petschaft hat Detlef Conrad aufgespürt. Hiermit wurden Siegel gestempelt - ein Hinweis auf Amtstätigkeiten oder wirtschaftliche Geschäfte. Foto: Braesch

Vor jeder Suche steht eine lange Recherche

Nach dem Abschluss der Vorarbeiten nahmen die beiden Hobby-Archäologen mit ihren Metalldetektoren die Suche auf. Neben interessanten Funden ist immer wieder viel Müll dabei, der dabei zutage kommt. Der bleibt nicht liegen, sondern wird ordnungsgemäß entsorgt, auch zur Freude der Landwirte. Die interessanten Funde werden gemeinsam begutachtet, eingeordnet und wenn möglich bestimmt; im Anschluss dann noch einmal mit dem Ansprechpartner der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Cuxhaven, dem Archäologen Dr. Jan Steffens, der den beiden stets mit Rat und Tat zur Seite steht, wie sie dankbar bemerken.

Bei einer der jüngsten Suchen fand Detlef Conrad eine sehr alte Petschaft - einen metallenen Siegelstempel. Neben der Petschaft förderte Ralf Braesch einen vermutlich aus Eisen bestehenden Schmelztiegel zutage. Brandnarben an diesem unterstreichen seine Vermutung, dass in diesem Behältnis einst Metalle geschmolzen wurden.

Die in diesem Schmelztiegel noch vorhandenen Metallreste sollen jetzt wissenschaftlich untersucht werden. Foto: Braesch

Sollten Münze und Messerzwinge eingeschmolzen werden?

In unmittelbarer Nähe zum Schmelztiegel stieß Braesch dann auf eine alte römische Münze und eine Messerzwinge aus Bronze. Eine Messerzwinge ist der Teil zwischen Klinge und Holzgriff, der beide Teile eines Messers zusammenhält. Wie passen die Teile nun zusammen? Braesch und Conrad vermuten, dass es sich bei der Messerzwinge und der römischen Münze um Rohmaterial handeln könnte, welches eingeschmolzen werden und einem neuen Verwendungszweck zugeführt werden sollte.

Da sich in dem Schmelztiegel noch Reste befinden, werden diese im Nachgang wissenschaftlich analysiert, was die Sache noch spannender machen wird. Neben den Metallfunden kommen oft auch Keramikscherben zutage, die als Oberflächenfunde eingesammelt werden. Sie können Informationen über das Alter der Funde und womöglich einer Siedlung geben, die sich hier einmal befunden hat. 

Weitere interessante Funde stellen neue Aufgaben

Wie bei einem Kriminalfall werden alle Indizien zusammengefügt, um so hoffentlich abschließend zu einem Ergebnis zu führen. Bei weiteren Suchen haben Detlef Conrad und Ralf Braesch noch einige sehr interessante Entdeckungen gemacht, die ein weiteres Stück Geschichte erzählen und über die in einem weiteren Artikel in unseren Medien zu lesen sein wird. 

Ralf Braesch und Detlef Conrad bei der Arbeit im Gelände. Foto: Reese-Winne

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

(1 Stern: Nicht gut | 5 Sterne: Sehr gut)

Feedback senden

CNV-Newsletter

Wissen, was im Cuxland los ist: Alle wichtigen Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven direkt in Ihr Postfach. Hier für den CNV-Newsletter anmelden.


Top Nachrichten



Bild von Maren Reese-Winne
Maren Reese-Winne

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

reese-winne@no-spamcnv-medien.de

Lesen Sie auch...
Podiumsveranstaltung

OB-Wahl in Cuxhaven: Kandidaten diskutierten ein breitesThemenspektrum

von Kai Koppe

Fünf lokale Wirtschaftsverbände fühlten kürzlich den Bewerbern für das Amt an der Verwaltungsspitze auf den Zahn.

Klaviermatinee

Eine ganz unglaubliche Pianistin: Elizaveta Don begeistert in Cuxhaven

Die Pianistin Elizaveta Don verzaubert das Publikum in Cuxhaven mit atemberaubender Brillanz und tiefem Einfühlungsvermögen in die Werke von Ravel, Chopin, Händel und Brahms und hinterlässt die Zuhörer im Schloss Ritzebüttel beeindruckt.

Auftaktveranstaltung

Cuxhavener "Fest der Kulturen": Weltreise im Kleinformat

von Kai Koppe

Vielfalt als Standortfaktor: Mit dem "Fest der Kulturen" ist am Sonntag (30. August 2026) in Cuxhaven die Interkulturelle Woche 2026 gestartet.

Restaurierungsende jährt sich

30 Jahre nach Sanierung: Schloss Ritzebüttel ist heute ein "Ort der Begegnung"

von Kai Koppe

Am 29. August 1996 endeten umfangreiche Sanierungsarbeiten am und im Cuxhavener Schloss. An dieses Ereignis erinnerte der Verein "Bürger für das Schloss Ritzebüttel" am vergangenen Sonnabend mit einem Festakt.