Cuxhaven: Viele Fragen zum Fährhafen - Antworten lassen auf sich warten
Im Ausschuss für Häfen und Wirtschaft präsentierte das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Pläne für den neuen Versorgungshafen. Die Vorbereitungen für den Ringtausch laufen. Doch Visualisierungen fehlen noch und das Baurecht wirft Fragen auf.
Gut drei Wochen sind seit der großen Ratssitzung in der Kugelbake-Halle vergangen. Damals verfolgten rund 200 Bürgerinnen und Bürger gespannt, was Oberbürgermeister Uwe Santjer und Marcel Thies vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Elbe-Nordsee unter anderem über den geplanten Flächentausch im Hafen zu berichten hatten. Dieser Tage nun war der Ringtausch zum ersten Mal Gegenstand des Fachausschusses für Häfen und Wirtschaft. Thies und sein Kollege Kai Evers waren diesmal per Teams-Schaltung ins Rathaus zugeschaltet und hatten im Wesentlichen Bekanntes im Gepäck.
300 Meter Länge, 80 Meter Breite - die Pläne nehmen Form an
Thies nutzte den Fachausschuss, um die Pläne des Bundes noch einmal systematisch darzulegen. Zentrales Vorhaben: Im Fährhafen soll eine neue Landfläche entstehen, rund 300 Meter lang und 80 Meter breit. Dort sollen nicht nur Liegeplätze für das neue Mehrzweckschiff "Neuwerk", den DGzRS-Rettungskreuzer, das Helgoland-Schiff und weitere Behördenschiffe entstehen, sondern auch ein Bauhof mit Werkstätten und ein Tonnenlager.
Die Dimensionen erklärte Thies mit dem Platzbedarf der neuen Schiffsflotte. Hinzu kommt, dass alle Flächen hochwassersicher sein müssen, damit das Schiff auch im Sturmfall auslaufen und versorgt werden kann. Eine technisch heikle Frage ist dabei die Bauhöhe. Einfach eine riesige Halle an den Fährhafen zu stellen, das will das WSA ausdrücklich vermeiden.
Marcel Thies stellte einen anderen Ansatz vor: "Man muss ein Gebäude nicht zwingend außen beistellen. Man kann Gebäude und Deich ineinander integrieren." Konkret bedeutet das: Die bestehende Deichlinie würde in Richtung der Molenspitze verlängert, die befestigte Fläche auf etwa 4,60 Meter Höhe angelegt. Ein Gebäude würde gewissermaßen in den Deich hineingebaut und spart damit optisch gut vier Meter Aufbauhöhe. "Das führt dazu, dass ich nicht nur eine riesige Oberfläche habe und obendrauf noch mal ein großes Gebäude", so Thies.

"Können wir nicht zeigen" - Visualisierungen fehlen
Für den Ausschuss war das zu abstrakt. Der Vorsitzende Cord Wichmann (SPD) brachte es auf den Punkt: "Ich glaube, ich spreche auch für den Ausschuss, dass wir sehr interessiert daran sind, mal eine Visualisierung zu bekommen." Thies zeigte Verständnis und musste dennoch bremsen, obwohl er andeutete, dass es eine interne Vorabskizze gebe.
Der Ausschuss verzichtete geschlossen darauf, diese zu sehen. Ehe die Machbarkeitsstudie nicht vollständig finalisiert und die Absichtserklärung unterzeichnet ist, will das WSA keine konkreten Pläne präsentieren, die später wieder einkassiert werden müssten. Das Zeitfenster dafür: anderthalb bis zwei Monate.
Baurecht liegt beim Bund - Stadt hat keinen Einfluss
Eine der brisantesten Fragen der Sitzung betraf das Baurecht. Marcel Thies gab eine klare Antwort: Das Planfeststellungsverfahren liegt beim Bund. "Die Planungshoheit geht mit dem Eigentumswechsel auf den Bund über." Sobald der Fährhafen Bundeswasserstraße wird, entscheidet Berlin, nicht das Cuxhavener Rathaus.
Ein Ausschussmitglied griff die Chance beim Schopf, öffentliche Interessen zu markieren: Ist die Molenspitze künftig noch zugänglich? Wird der Elberadweg unterbrochen? Gibt es einen direkten Zugang zum Nordstrand? Thies antwortete offen und vage zugleich: "Machbar ist das alles. Das haben wir überprüft. Doch wie die Pläne nachher konkret aussehen, das müssen wir gemeinsam entscheiden."
Wie geht es weiter?
Ziel des WSA ist es, die Absichtserklärung in Kürze zu unterzeichnen, die Machbarkeitsstudie zu finalisieren und noch vor der Sommerpause einen Kaufvertrag zu schließen. Erst dann können Planungsgelder freigegeben werden und erst dann beginnt das eigentliche Planfeststellungsverfahren, in dem auch die Öffentlichkeit Stellung nehmen kann.
Thies machte deutlich, dass das WSA den Dialog sucht: "Wir würden gerne noch mal über die Machbarkeitsstudie sprechen, Pflöcke einschlagen zu den einzelnen Themen und dann möglichst vor der Sommerpause auch einen Vertrag zeichnen."
Cuxhaven bleibt also im Prozess. Aber wer konkrete Antworten und belastbare Bilder erwartet hatte, verließ den Ausschuss an diesem Abend noch mit leeren Händen.