Da mogelte sich noch ein weiterer Bücherbus in die Meile am Alten Fischereihafen hinein: Überall waren so kleine Details zu finden. Fotos: Reese-Winne
Da mogelte sich noch ein weiterer Bücherbus in die Meile am Alten Fischereihafen hinein: Überall waren so kleine Details zu finden. Fotos: Reese-Winne
Voller neuer Inspirationen

Fahrbibliothekskongress in Cuxhaven: 25 Bücherbusse vor schönster Hafenkulisse

von Maren Reese-Winne | 10.09.2023

Eine schönere Szenerie als in der Sonne vor der Kulisse des Alten Fischreihafens hätte sich dem 2. Internationalen Fahrbibliothekskongress in Cuxhaven nicht bieten können. Aber auch die kunterbunten Busse stellten einen Blickfang dar.

Als sich die Türen der Bücherbusse am Sonnabend auf dem Nordseekai des Alten Fischereihafens öffneten, konnte sich Katrin Toetzke für einen Moment hinsetzen und sagen: "Genau so hatte ich mir das vorgestellt."

Als Mitglied der Fachkommission Fahrbibliotheken im deutschen Bibliotheksverband waren bei ihr, der Leiterin der Kreisfahrbücherei Cuxhaven, die Fäden zusammengelaufen. Bei der Eröffnung auf dem Nordsee-Kai betonte Bürgermeisterin Christine Babacé (Die Grünen) abermals die Bedeutung der Fahrbibliotheken als verbindende Elemente und Orte der Bildung auf dem Lande. SPD-Bundestagsabgeordneter Daniel Schneider stellte fest, dass die Bedeutung von Medienkompetenz und Kommunikation nicht häufig genug betont werden könne.

"Wir sehen, was passiert, wenn es auf dem Land zu dünn wird"

Da es sich auch um die Eröffnung der Interkulturellen Woche handelte, bezog er bewusst deren Organisator Jörg Flehnert mit ein, als er zum Zusammenhalt gegen antidemokratische Strömungen aufforderte. "Wir sehen, was passiert, wenn es auf dem Land zu dünn wird."

Die Erkundung der Bücherbusse entpuppte sich als regelrechte Wundertüte. Spannend war es, allein schon durch die vier Berliner Busse zu schlendern und dabei herauszufinden, wie wichtig die Fahrbibliotheken auch in einer Großstadt sind. Auch hier gebe es abgelegene Viertel, Neubaugebiete und Stadtteile, in denen es mit der kulturellen Infrastruktur nicht zum besten stehe, war zu erfahren.

Maker-Mobil mit 3D-Drucker und Nähmaschine

Für Laien war es überraschend, was sich alles in den Bussen verstecken kann. Das Maker-Mobil der Berliner Stadtbibliothek Mitte bietet Näh- und Bastelaktionen an, hat sogar einen 3-D-Drucker an Bord und berät Senioren zu digitalen Themen. Experimente für Kinder lassen niederschwellig Sprachbarrieren fallen und machen Lust auf MINT-Fächer, also Naturwissenschaften und Mathe.

Das Modell "Mobil digital" aus Flensburg leiht nicht nur digitale Alltagshelfer wie Blutdruckmessgeräte, Fitness-Tracker oder Seniorentablets aus, sondern hat als Gegenpol auch - wie viele andere - eine mobile Samenbibliothek zum Austausch von Samen heimischer Pflanzen an Bord.

In den beteiligten Bussen aus Schleswig-Holstein wird im allgemein Dänisch gesprochen, denn sie wenden sich an die dänische Minderheit im Bundesland, immerhin 50.000 Personen, und das nicht etwa nur im Grenzgebiet, sondern landesweit. Allein 38 dänische Schulen und 40 dänische Kitas gehören zu den Anlaufstellen. Einmal im Monat geht es sogar auf die Insel Föhr.

Leuchtend pink und mit Ziel Cuxhaven

Durch leuchtendes Pink fiel der Bücherbus aus Salzwedel auf, der schon bei der Fahrt nach Cuxhaven mit dem Ziel "Bücherbus on Tour. IFBK23 Cuxhaven" lobende Reaktionen erntete. Selbstgemalte Bilder über dem Ausgang bekunden die enge Verbindung der Leser mit dem Busteam, das inzwischen schon die zweite Generation als Leser begrüßen kann.

Überall fanden sich Grüppchen zum Fachsimpeln ein, bewunderten die Einrichtung und tauschten Erfahrungen aus. Die schwedischen Busse , aber auch viele andere, fielen durch besonders kreatives Außendesign  auf. In einem niederländischen Bus war auch für Deutsche leicht zu verstehen, wofür deren Bus eine EU-Förderung erhielt: "Europa investeert in zijn platteland".

"Es ist toll, wenn man mal nicht der Expot ist"

Spontan entfuhr Mattias Weyh von der Fahrbibliothek aus Bremen die Antwort auf die Frage, wie es ihm gefalle: "Es ist toll, dass man mal nicht der Exot ist. Wir haben selten Gelegenheit, so fachliche Gespräche - und das auch noch in verschiedenen Sprachen - zu führen und dabei Fragen zu stellen, auf die man sonst oft unverständliche Blicke erhält." 

Der Spaß am Austausch war bereits beim Vortragsprogramm an den regen Diskussionen zu erkennen. So werden Ideen wie die Großeltern-Box zum Ausleihen für die Zeit des Enkel-Besuchs oder die Idee, den Bus in einen Escape-Room zu verwandeln, in viele Ecken Europas mitgenommen werden. Der Sonnabend wurde abgerundet durch Musik im Rahmen der Interkulturellen Woche (die Bühne war allerdings unglücklich etwas weit vom Geschehen platziert) und die Präsentation diverser Cuxhavener Kultur-Institutionen. Ein Magnet war wie schon beim Buttfest das Quiz: "Wie gut kennen Sie Cuxhaven" bei den Cuxhavener Bildungs-"Leuchttürmen".

Vor und in den den Bussen - hier dem aus dem Kreis Cuxhaven - gab es Mitmachaktionen für Kinder und Erwachsene.
Nach langer Vorbereitung eine tolle Veranstaltung erlebt: Die Fachkommission Fahrbibliotheken im deutschen Bibliotheksverband e.V. mit v.l. Ingrid Achilles (Vorsitzende, Hamburg), Matthias Weyh, (Bremen), Melanie Fechner (Flensburg), Eröffnungsredner David McAllister, Katrin Toetzke (Landkreis Cuxhaven), Johannes von Freymann (ehem. Landkreis Celle) und Felicitas Härting (Berlin). Foto: red
Bei herrlichem Wetter wurden die Busse in der Hafenkulisse perfekt in Szene gesetzt.

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Maren Reese-Winne

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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