Filmpreisträger Torsten Witte aus Cuxhaven: Leben auf Du und Du mit den Weltstars
Heute Los Angeles, morgen New York, und das alles privilegiert an der Seite der Weltstars: Über all das erzählt der Cuxhavener Torsten Witte - seit Neuestem europäischer Filmpreisträger - unaufgeregt, ohne Arroganz und mit viel Dankbarkeit.
Es klingelt, im Telefondisplay steht "California" und schon ist Torsten Witte am Telefon, gerade zurück aus New York City, wo er vier Tage die Premiere der Netflix-Produktion "The Rip" mit Matt Damon und Ben Affleck begleitet hat. Namen, die ihm wie selbstverständlich über die Lippen gehen; kein Wunder, denn als gefragter Make-up- und Hair-Artist ist der frühere Cuxhavener seit Jahren in Hollywood im Geschäft.
Gesamte Filmbranche wird globaler
Wobei die Filmbranche gerade einen großen Wandel durchmacht und sich das Geschehen schon lange nicht mehr auf diesen Hotspot beschränkt. Dreieinhalb Monate lang lebte Torsten Witte während der Dreharbeiten für den Thriller "The Rip" in New York; die Science-Fiction-Komödie "Bugonia", eine britisch-US-amerikanisch-südkoreanische Co-Produktion, wurde in London gedreht.
Für ihn war das eine besonders glückliche Fügung, denn für seine Leistung als persönlicher Stylist der Hauptdarstellerin Emma Stone in "Bugonia" wurde er am vergangenen Sonnabend in Berlin mit dem renommierten Europäischen Filmpreis, dem europäischen Oscar, ausgezeichnet. In vier Kategorien war der Film "Bugonia" nominiert - den einzigen Preis staubte er ab.

Beste Ausgangsposition für weitere Preise
Eine Riesenauszeichnung, die noch nicht die letzte gewesen sein muss, sondern ihm gute Voraussetzungen für mehrere noch ausstehende Entscheidungen verschafft, unter anderem für den britischen Filmpreis und die Guild Awards (Preis der US-amerikanischen Gewerkschaft für Maskenbildner und Hairstylisten in Film, Fernsehen und Theater).

Im Nachhinein bedauert er es schon, dass er bei der Bekanntgabe der Jury-Entscheidung nicht persönlich auf der Bühne stand. Angesichts der riesigen Konkurrenz sei die Auszeichnung eine Überraschung und umso größere Ehre gewesen. Schon mehrfach wurde sein Name im Vorfeld der großen Filmpreise wie der Academy Awards (Oscars) und der Golden Globes genannt, nun hat es endlich mit einem ganz großen Titel geklappt.
Die Weltstars klopfen immer wieder an
In der immer wieder krisengeschüttelten Branche sitzt er fest im Sattel. Gerade packt er für den neuesten Auftrag seine Sachen. Für einen Kurzfilm der renommierten Schauspielerin und Regisseurin Maggie Gyllenhall geht es wieder nach New York. Eine der Mitwirkenden ist Dakota Johnson, die Tochter von Don Johnson und Melanie Griffith.

"Eine tolle Bestätigung und ein Beweis, dass das Alter nicht alles bestimmt", sagt Torsten Witte. 60 Jahre alt wird er in diesem Jahr. In einem Umfeld, das gnadenlos aussortiert, kann das unter Umständen schon das Karriereende bedeuten. Dass das bei ihm nicht passiert, hat neben Talent und Renommee mit Sicherheit auch mit seiner bescheidenen, bodenständigen Art und seinem gesunden Mutterwitz zu tun, den er tatsächlich von seiner Mutter in Cuxhaven geerbt hat.
Bei jedem Wort schwingt Dankbarkeit mit
Bei jedem Wort schwingt Dankbarkeit mit, wenn er - übrigens um 9 Uhr Ortszeit - am Telefon über sein Leben inmitten der Weltstars plaudert. Seinen Mut möchte er jedem anderen, auch den Kindern in Cuxhaven, vermitteln: "Jeder kann es schaffen. Wer in Cuxhaven groß geworden ist, dem steht die Welt offen. Als ich hier ankam, kannte ich niemanden, ich hatte kein Vitamin B, und trotzdem hat mir die Branche diese Chance gegeben." Wie wichtig für ihn dabei seine Wurzeln sind, vergisst er nie zu betonen.
Zwei Entführungsfilme nacheinander

Allerdings ist diese Welt aus vielerlei Gründen - Naturkatastrophen ebenso wie politischen Verhältnissen - zerbrechlich geworden. Schauspieler und Medienschaffende ziehen weg, "gerade verschiebt sich alles." Umso dankbarer ist Torsten Witte, dass das Telefon immer noch zuverlässig klingelt. Kommenden August soll der Film "Animals" (Regisseur und Hauptdarsteller: Ben Affleck) beim Filmfestival in Toronto/Kanada vorgestellt werden. Genauso wie in "Bugonia" geht es darin um eine Entführung; mit "Animals" sind die Entführer gemeint.
Griechischen Regisseur sehr geschätzt
Zwei Entführungsfilme nacheinander, das ist auch ein Kuriosum für Torsten Witte, für den der Film "Bugonia" aber noch viel mehr aussagt. Da ist er ganz beim griechischen Regisseur Yorgos Lanthimos: Dieser habe nämlich das skurrile Werk auch als eine Einladung verstanden, sich mit der Frage zu beschäftigen, wie wir mit unserer Erde umgehen. "Wir haben nur diesen einen Planeten", sagt auch Torsten, für den nun eine spannende Zeit des Wartens auf die Verkündigung der nächsten Filmpreis-Gewinner beginnt.