"Nur Asche und der Schornstein": Vier Ex-Cuxhavener über die Brände in Los Angeles
Die verheerenden Brände in Los Angeles fordern Leben und Existenz. Vier ehemalige Cuxhavener berichten aus nächster Nähe über das Ausmaß der Katastrophe - und den Kampf gegen die Flammen.
24 Todesopfer haben die verheerenden Brände in Los Angeles bislang gefordert (Stand: 13. Januar 2025). Die Löscharbeiten dauern an, noch immer konnten nicht alle Gebäude gründlich durchsucht werden. Auch deshalb befürchten die Behörden eine weiter steigende Opferzahl. Vier ehemalige Cuxhavener, die jetzt in Los Angeles wohnen, geben Einblicke in ihr aktuelles Leben.
Der ehemalige Cuxhavener Torsten Witte lebt als einer der gefragtesten Hair- und Make-up-Designer der Film- und Werbebranche Hollywoods in Los Angeles und ist in seinem Zuhause derzeit sicher, aber sehr erschrocken: "Wir haben sehr viel Glück, dass unser Stadtteil Silverlake nicht vom Feuer betroffen ist. Los Angeles ist so groß. Wir durften im Haus bleiben und die Tiere sind sicher."

Von seinem Haus und seiner Terrasse aus kann Torsten Witte den weltberühmten Hollywood-Schriftzug sehen, in dessen Nähe das Sunset Fire im Runyon Canyon wütete. "Wir konnten die Flammen sehen und dieses Feuer ist jetzt erloschen", schrieb Torsten am Sonnabend. Auch er wohne wie so viele andere in LA in einem Holzhaus.
Im 20 Kilometer von Silverlake entfernten Pacific Palisades hätten einige seiner Freunde ihre Häuser verloren. In der beliebten Wohngegend, in der auch viele berühmte Drehorte liegen, sind viele Gebäude in Schutt und Asche gelegt. "Wie man auf den Bildern sieht, bleibt fast nichts übrig. Nur Asche und der Schornstein", sagt Torsten Witte bestürzt.

Der 35-jährige Felix Arbatschat ist in Cuxhaven geboren und aufgewachsen, hat hier sein Abitur gemacht. Nach dem Studium ist er ausgewandert, lebt seit acht Jahren mit seiner Frau in Kalifornien. Der Datenwissenschaftler ist in Santa Monica zu Hause, das gerade einmal fünf Meilen von Pacific Palisades, wo er vor wenigen Tagen noch essen war, entfernt ist. Arbatschat selbst ist laut eigener Aussage in Santa Monica in Sicherheit. Die Luftqualität sei aber weiterhin "sehr schlecht". Er habe Freunde, die ihr Haus verloren hätten. Teilweise hätten die Szenen und Warnungen an die Bevölkerung einen "apokalyptischen" Charakter. Auch der Handyempfang sei teilweise unterbrochen.

"Kalifornien muss echt umdenken", fordert Torsten Witte. In den Parks rund um die Stadt müssten dringend Präventionsmaßnahmen ergriffen werden, um eine so rasante Ausbreitung von Waldbränden künftig zu verhindern. Dazu gehört es unter anderem, trockenes Unterholz zu entfernen und Schneisen zu schaffen.
Inland Eaton Fire brennt in Altadena
15 Kilometer in der anderen Richtung von Torsten Wittes Haus entfernt brennt in Altadena das Inland Eaton Fire: "Ein sehr großer State Park, der jetzt abbrennt mit einer wunder-, wunderschönen Altstadt und ganz hübschen Villen. Sehr schade. Der Himmel ist voller Rauch und es schneit Asche, die Luftqualität ist sehr schlecht und das Licht orange verfärbt."
In der Zeit von Instagram, Facebook und Co. seien sie immerhin in der Lage, schnell mit Geld zu helfen. Online könnten zum Beispiel allen Tierheimen direkt Futter, Wasser, Decken und Zubehör geschickt werden: "Das spart viel Zeit. Viele Tiere sind im Tierheim abgegeben worden, da sie nicht in den Notunterkünften erlaubt sind - großer Fehler meiner Meinung nach", urteilt Torsten Witte.
Dreharbeiten mit Emma Stone und Matt Damon
Nach viereinhalb Monaten Dreharbeiten in London mit Emma Stone und zwei Monaten in New York mit Matt Damon habe er sich so sehr auf Los Angeles gefreut und nun diese Katastrophe. Gedreht werde in dieser Woche jedoch trotzdem, da die für die USA sehr wichtigen Superbowl-Werbespots unter der Regie von Ben Affleck fertiggestellt werden müssten.
Von einer Friseurlehre in Cuxhaven aus hat sich Torsten Witte, der in der Dorfstraße in Stickenbüttel aufgewachsen ist, zielstrebig nach Hollywood vorgearbeitet und verantwortlich in der Entstehung zahlreicher Filme wie "Little Miss Sunshine", "Der Marsianer" oder "La La Land" mitgewirkt. Das Oscar-gekrönte Musical "La La Land" ist gleichzeitig eine Hommage an Los Angeles mit imposanten Schwenks über die Metropole. Aussichten, die es jetzt so nicht mehr gibt.

Wie schnell sich die Feuer ausbreiten, hat auch der ehemalige Cuxhavener und regelmäßige Grußbrückenteilnehmer Mathew Kundinger vor einer Woche live miterlebt. "Etwa acht Kilometer von uns entfernt haben wir ein kleines Feuer gesehen und zehn Minuten später stand der ganze Berghang in Flammen", erzählt er. In Santa Monica, wo er sich mit seinem Sohn Brian aufhalte, seien sie etwa 1000 bis 1500 Meter von der Evakuierungszone entfernt, jedoch scheine dort das Schlimmste vorbei zu sein: "Hier bei uns ist alles okay."
Ex-Basketball-Profi aus Cuxhaven lebt in LA
Ein früherer Cuxhavener Basketball-Profi ist indirekt von der Feuerbrunst in den USA betroffen. Evan Harris, in den Jahren von 2011 bis 2013 Publikumsliebling in der Rundturnhalle und Kapitän des Zweitligateams Cuxhaven BasCats, ist in Los Angeles geboren und vor einigen Jahren mit seiner Ehefrau Amanda wieder zurückgezogen.
Zusammen mit ihren beiden Kindern wohnen sie in LA, etwas südlich des Feuers. "Die Situation für meine Familie war schon beängstigend, ist aber aktuell sicher", berichtet Evan Harris unserem Medienhaus gegenüber. Für die Familie gab es bisher nur eine indirekte Auswirkung: "Die Schule meines Sohnes ist seit Mittwoch wegen der Luftqualität geschlossen und liegt zwischen zwei der Brände."

Für ihr Eigenheim gibt es keine Evakuierungswarnung, auch wenn von dort aus der Rauch eines Feuers zu sehen ist. Die Familie Harris lebt auch nur etwa fünf Meilen von dem großen Brand entfernt. Aber etwas mulmig ist allen Menschen dort, zumal man auch an einigen Orten schon war, die jetzt kaum so aussehen wie vor wenigen Wochen. So blickt Evan Harris nachdenklich auf ein Foto, das er unserer Redaktion zugeschickt hat. Es zeigt die vierköpfige Familie vor nicht allzu langer Zeit - ganz fröhlich in Pacific Palisades am Strand, wo das größte Feuer ausbrach.
Harris ist Absolvent der Elite-Uni Harvard
Der 38-jährige Evan Harris freut sich über aufmunternde Worte, die ihn über die sozialen Medien aus seinen früheren Wirkungsstätten aus aller Welt erreichen. Der Absolvent der Elite-Universität Harvard war ja auch als Basketballer ein Globetrotter. Vor seinem zweijährigen Engagement bei den Cuxhaven BasCats spielte der 2,06 Meter große und 104 Kilogramm schwere Center schon in Rumänien, Deutschland und Portugal. Nach der Cuxhavener Zeit folgten Vereine in Polen, Frankreich, Slowakei, Deutschland (Gotha), Japan und Norwegen. Seine letzte Station als Profi war in der 1. kanadischen Liga.
Von Maren Reese-Winne, Frank Lütt und Joscha Kuczorra