Die "Engagement-Bank" machte in Cuxhaven Furore. Beate Haas-Heinrich (3.v.l.) führte darauf Interviews mit Ehrenamtlichen und per QR-Code gab es Informationen zu Angeboten.
Die "Engagement-Bank" machte in Cuxhaven Furore. Beate Haas-Heinrich (3.v.l.) führte darauf Interviews mit Ehrenamtlichen und per QR-Code gab es Informationen zu Angeboten.
Förderfrist nicht verpassen

Freiwilligenarbeit in Cuxhaven: "Wir haben einen Schatz gehoben"

von Maren Reese-Winne | 23.10.2023

Soll die Stadt Cuxhaven im neuen Jahr ohne Freiwilligenagentur dastehen und damit das durch den Verein "Engagierte Stadt Cuxhaven" aufgebaute Netzwerk für das Ehrenamt einfach so davon sickern? Auf keinen Fall, findet die Stadtverwaltung.

Und mit ihr große Teile der Politik,  Oberbürgermeister und Stadtverwaltung. Sie wollen die Arbeit in die Regie der Stadt übertragen. Kürzlich war das Thema im Rat.

In Niedersachsen sind der Stadt Cuxhaven bereits zahlreiche Kommunen vorausgeeilt. Mehr als die Hälfte der rund 110 Freiwilligenagenturen im Land sind inzwischen in die kommunale Trägerschaft übergegangen, weiß Beate Haas-Heinrich, Vorstandssprecherin des Vereins "Engagierte Stadt Cuxhaven". Sie hat schon vor langer Zeit ihr Ausscheiden zum Ende des Jahres angekündigt; eine Nachfolge ist nicht in Sicht, sodass sich die Vorstandsmitglieder Gedanken über die Auflösung des Vereins machen. Das wäre auch das Ende des Freiwilligenzentrums mit seinem Standort in der Volkshochschule der Stadt.

Was das für das Ehrenamt bedeutet, mag sich Beate Haas-Heinrich nicht ausmalen. "Wir haben vor allem in der Flüchtlingskrise 2015 und in den Corona-Jahren gemerkt, dass es sehr gut ist, wenn es Koordinatoren gibt", erinnert sie sich. Es brauche eine zentrale Stelle, die wisse, wer die Ressourcen habe, wer welche Aktivität übernehme, wer sich womit am besten auskenne.

Engagement bedeutet auch gelebte Demokratie

"Das bedeutet nicht, dass alle miteinander in Konkurrenz stehen", betont sie. Vielmehr werde der Effekt der Arbeit verstärkt und viele könnten von der Zusammenarbeit profitieren. Die Stadt könnte die Verbindung vom Ehrenamt zu den Behörden noch verstärken und damit weitere Netzwerke schaffen, hofft sie. Mal ganz abgesehen von der ganz praktischen Arbeit der Ehrenamtlichen fördere der lebendige Austausch auch die Demokratie. Die Stadt müsste dabei kein Neuland betreten, sondern könne auf die Erfahrungen und Kontakte der Freiwilligenagentur zurückgreifen.

In der Verwaltung stieß der Verein auf offene Ohren, denn auch dort wird das bürgerschaftliche Engagement als wichtige, aktuelle und bedeutsame Aufgabe für die Zukunft gesehen. Der Staat lebe davon, dass sich Menschen für die Daseinsvorsorge und das Gemeinwesen mit verantwortlich fühlten und die Gesellschaft aktiv gestalteten. Nicht umsonst habe die Stadt Cuxhaven kürzlich die Ehrenamtskarte eingeführt.

In der Oktober-Ratssitzung unterstrich Oberbürgermeister Uwe Santjer: "Wir müssen unseren Fokus auf die Ehrenamtlichen legen. Fast 20.000 Menschen sind bei uns ehrenamtlich aktiv. Die müssen koordiniert werden." Die Akteure bräuchten eine Anlaufstation. Doch eine Aufgabe  derartigen Ausmaßes sei ehrenamtlich nicht mehr zu bewältigen. Daher könne er die Übertragung unter das Dach der Stadt nur empfehlen. Großes Dank richtete das Stadtoberhaupt an Beate Haas-Heinrich und ihre Crew.

"Wir haben in Cuxhaven einen Schatz gehoben", sagt diese mit Blick auf die vergangenen 15 Jahre: Die Ansprache der Neubürger, die, oft frisch in Rente oder noch jünger, in ihrer neuen Heimat ankommen wollen, könne sich der Verein getrost auf die Fahnen schreiben: "Die haben eine unheimliche Kraft, sind im Aufbruch, wollen sich einbringen", erzählt sie. Sie seien es auch, die im Freiwilligenzentrum am häufigsten beraten würden. Angebote wie die "Formularfüchse" und die "Sporadis" (wenn man nur ohne feste Bindung für gelegentliche Einsätze "gebucht" werden möchte) sind in der Ära des Freiwilligenzentrums zu festen Begriffen geworden; auch das Projekt "Cuxhaven blüht auf" nahm hier seinen Anfang. 

Anlaufstelle soll im Haus der Jugend angesiedelt werden

Orientierung für Ehrenamt-Suchende (in der persönlichen Beratung oder auf einer digitalen Plattform), Beratung von Vereinen, Austausch, Beratung zur Vereinsgründung, Koordination von Angeboten, Präsenz in sozialen Medien und Presse, Fortbildungen, Kontakte zu Behörden und vieles mehr gehören zu den Aufgaben einer Freiwilligenagentur, die jetzt im Haus der Jugend/Mehrgenerationenhaus eingerichtet werden soll. In einer neu zu schaffenden Stelle sollen all diese Aufgaben und der Arbeit rund um die Ehrenamtskarte vereinigt werden. Dafür wirken Fördermittel des Landes Niedersachsen in Höhe von insgesamt 50.000 Euro für Personal- und Sachkosten.

Mittel, auf die die Stadt Cuxhaven nicht verzichten will. Der notwendige Ratsbeschluss, der rechtzeitig genug gefasst werden sollte, um den Förderantrag fristgerecht zum 30. November stellen zu können, war jedoch kein Selbstgänger. Zehn Gegenstimmen aus den Reihen der CDU/Die Demokraten-Gruppe, die sich mit dem Sachverhalt überfahren sah, verhinderten die notwendige Sofortabstimmung. Eine Entscheidung soll dennoch rechtzeitig genug im Verwaltungsausschuss oder in einer Sondersitzung des Rats erfolgen, um die Frist nicht zu verpassen.

Legendär: Das durch das Freiwilligenzentrum organisierte Neubürgerfest im Schlossgarten, das Zugezogene und Einheimische zusammenbrachte. Fotos: Reese-Winne

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

(1 Stern: Nicht gut | 5 Sterne: Sehr gut)

Feedback senden

CNV-Nachrichten-Newsletter

Hier können Sie sich für unseren CNV-Newsletter mit den aktuellen und wichtigsten Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven anmelden.

Die wichtigsten Meldungen aktuell


Bild von Maren Reese-Winne
Maren Reese-Winne

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

reese-winne@no-spamcnv-medien.de

Lesen Sie auch...
Für schönere Pausen

Cuxhaven: Eltern initiieren Gartentag an der Schule am Meer

von Redaktion

Engagement ist keine Selbstverständlichkeit, umso schöner, wenn Eltern es selbst initiieren, findet Thomas Frauns, Leiter der Schule am Meer. Am vergangenen Sonnabend wurde richtig viel geschafft, damit die Kinder es draußen schöner haben.

Malgruppe ARTenreich in Netzhalle

Kunst erwacht im Alten Fischereihafen

von Jens Potschka

Die alte Netzhalle wird zur Bühne für die Kunst der Perspektiven. Neun Künstlerinnen und ein Künstler zeigen in der Ausstellung "Ansichtssache" ihre Werke und stellen die Frage: Was sehen wir wirklich? Ein Hafen als Tor zu neuen Blickwinkeln.

Menschen in unserer Stadt 

Wie ein Arzt aus Cuxhaven zum Retter der seltenen Obstsorten wurde

von Maren Reese-Winne

Als Facharzt für Innere Medizin und  Hausarzt hatte Jens Dreyßig eigentlich genug zu tun. Aber da war dieser Wunsch, noch einmal etwas Neues zu machen. Das hieraus entstandene Werk von europäischer Dimension kann an diesem Sonntag besichtigt werden.

Engagement 

"Wortstart"-Aktion in Cuxhaven: Endlich richtig lesen und schreiben  

von Redaktion

Der Serviceclub Agora Club Tangent 73 Cuxhaven unterstützt die Initiative "Wortstart", die jetzt in Cuxhaven begonnen hat. In Zusammenarbeit mit der VHS begleiten Ehrenamtliche Erwachsene mit Schwierigkeiten beim Lesen und Schreben.