Frühere Abgeordnete aus Cuxhaven bleibt leidenschaftliche Kämpferin für die EU
Die gewaltigen Errungenschaften der - nicht zu vergessen - aus Trümmern entstandenen EU müssten viel stärker kommuniziert werden, findet Brigitte Langenhagen.14 Jahre lang vertrat sie sie Interessen Cuxhavens als Abgeordnete in Brüssel.
Als im Jahr 2004 für die (heute in Otterndorf wohnende) Cuxhavenerin Brigitte Langenhagen ihre aktive Zeit als Europaabgeordnete endete, war das noch lange nicht das Ende ihres Engagements für Europa. In der Former Members Association (FMA), der Vereinigung der ehemaligen Mitglieder des Europäischen Parlaments, war die CDU-Politikerin in verantwortungsvoller Position fast pausenlos für ein demokratisches Europa unterwegs. Wie lässt sie die Europawahl auf sich zukommen?
Welche Gefühle bewegen Sie beim Gedanken an diese Europawahl?
Zum einen bin ich dankbar für das, was das Europäische Parlament bisher für den Bürger und die Bürgerin in der Europäischen Union (EU) auf den Weg gebracht hat. Zum anderen aber auch neugierig, wie die kommenden Herausforderungen von den zukünftig verantwortlichen Abgeordneten gelöst werden.
Was zählt für Sie zu den größten Verdiensten der EU?
Dazu gibt es viel zu sagen! Für mich sind die wichtigsten Verdienste die Schengener Abkommen für den europäischen Binnenmarkt; damit verbunden die größtmögliche Abschaffung trennender Binnengrenzen - manchmal auch flexibel gestaltet wie in der Covid 19-Pandemie und der Flüchtlingskrise. Nicht zu vergessen ist die Währungsunion mit ihrem stabilen Euro mittlerweile uns wohl doch lieb geworden.
Das Transeuropäische Verkehrsnetz (TEN) ist unverzichtbar und insbesondere wird es Galileo, das europäische Satellitennavigationssystem, sein, das kurz vor seinem Einsatz steht.
Ich sehe die EU mit ihren 447 Millionen Bürgern und Bürgerinnen aber auch gut vorbereitet auf die akute Bedrohung unserer Demokratie durch Fake News, missbrauchte Künstliche Intelligenz, Rechtsextremismus und wachsenden Antisemitismus. Es schmerzt, wenn ich erlebe, wie wenig viele unter uns von der Geschichte der EU wissen, die aus Trümmern entstanden ist.
"Nie wieder Krieg" ist die treffende Formel - aber um daran zu erinnern, müssen wir auch etwas tun. Die EU ist einmalig! Diese Erfolge dürfen auch deutlich kommuniziert werden. Die Einigung in Frieden und Freiheit der heute 27 Mitgliedstaaten war kein Selbstläufer. Es stehen zudem weitere EU-Beitrittskandidaten vor der Tür. Das europäische Werk ist noch nicht vollendet.
Sein Erhalt bedarf unser aller Sorgfalt und Einsatz - auch und gerade gegen Rechtsextremismus oder Nationalismus. Sich der EU abzuwenden, ist wahrlich nicht das Gebot der Stunde.
Und wo kann sie noch besser werden?
Unbedingt erhöhen sollte die EU den Aufwand zur Vermeidung von Jugendarbeitslosigkeit. Der Erfolg der Förderprogramme wie ERASMUS und ERASMUS Plus rechtfertigt jeden Euro. Für die Sicherheits- und Verteidigungspolitik braucht es Taten, die unsere Wehrhaftigkeit demonstrieren. Zudem wünschte ich mir eine leichtere Verwaltung. Das Verwaltungsverständnis der EU und der Mitgliedstaaten muss sich ergänzen und nicht zusätzlich aufblähen! Diese Schwachstelle nutzen andere Weltmächte aus und rennen wirtschaftlich als erste durchs Ziel. Sicher muss auch das Feld allzu mächtiger Bürokratie gepflügt werden.
Wenn Sie an Ihre eigene Zeit zurückdenken: Wie hat sich die Arbeit im Parlament seither verändert? Wie empfinden es andere Ehemalige, mit denen Sie in Kontakt stehen?
Ich erinnere mich gerne an diese sehr anspruchsvolle und intensive Zeit. Es galt Neuland zu erobern. Der Austausch von Sprache und Kultur bereicherte und ließ das Verständnis füreinander wachsen. Das war so und ist auch heute so. Wenn nicht die neuen politischen Bewegungen das Parlament herausfordern würden. Spionage in den eigenen Reihen (wie gerade durch einen Abgeordneten der AfD erlebt) ist alarmierend. Auch die digitale Welt hinterlasse Spuren im Umgang miteinander, berichten meine Kolleginnen und Kollegen. Die Verantwortung für das Weltgeschehen ist gewachsen durch den fatalen Krieg in der Ukraine sowie durch die Fluchtbewegungen.
Warum sollten alle am Sonntag zur Europawahl gehen?
Alle Wahlberechtigten sollten ihr Wahlrecht wahrnehmen, ihre Meinung äußern und hoffentlich der Demokratie zum Sieg verhelfen. Diesmal dürfen erstmalig auch junge Menschen ab 16 Jahren ihre Stimme abgeben: Diese große Chance sollten sie nutzen. Denn jede Stimme zählt.
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