Garantierte Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder in Cuxhaven: Noch große Lücken
Dass es erst mal nur die Klasse 1 ist, mit der sie sich beschäftigen müssen, kommt den Verantwortlichen aus Kreis und Stadt zugute. Doch auch so wird es schwierig genug, zum 1. August den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung zu erfüllen.
Jedes Jahr werden in der Stadt Cuxhaven rund 400 Kinder eingeschult. Für die Erstklässler dieses Jahres gilt erstmals der Anspruch auf acht Stunden Betreuung an jedem Schultag. Für die Herbstferien 2026 ist außerdem erstmals eine verlässliche Ferienbetreuung auf die Beine zu stellen.
Weil der Landkreis Cuxhaven als Träger der öffentlichen Jugendhilfe die Betreuung sicherstellen muss, befinden sich die Verwaltungen in enger Abstimmung über die Versorgung der elf Grundschulstandorte in Cuxhaven. Sie teilen dabei ein Schicksal, nämlich die Ungewissheit darüber, wie Bund und Land sich die Betreuung vorstellen und was sie hierfür zu zahlen bereit sind.
Ganztagsschulen und Horte sind die wichtigsten Ressourcen
Also bilden erst mal die vorhandenen Ressourcen die wichtigste Stütze; in Cuxhaven sind das sieben Ganztagsschulen und eine Hortlandschaft, die laut Sozialdezernentin Petra Wüst mit über 660 Hortplätzen für rund 1500 Grundschulkinder weit und breit ihresgleichen sucht. Diese Hortplätze für Kinder von der ersten Klasse bis zu 14 Jahren sind für viele Eltern insbesondere wegen der Ferienbetreuung und der langen Öffnungszeiten von essenzieller Bedeutung.
Betreuung muss nicht in der Schule stattfinden
Das dem Sozialgesetzbuch VIII angegliederte Ganztagsbetreuungsgesetz legt ausdrücklich nicht fest, dass die "ganztägige Förderung" (nicht nur Betreuung) auch räumlich in der Schule stattzufinden hat; ebenso obliegt die Organisation hierfür nicht den Schulen. Im Gesetz festgeschrieben ist der Anspruch auf acht Stunden Betreuung an fünf Werktagen pro Woche - auch in den Ferien, bis auf vier Wochen im Jahr; ohne verpflichtende Teilnahme. Wieviele Eltern das Angebot in Anspruch nehmen werden, ist ungewiss.
So sieht es an den elf Grundschulen in der Stadt aus
Im Ausschuss für Jugend, Soziales und Gleichstellung beschrieb Michael Cordts, Leiter der Abteilung Bildung und Sport, am Dienstag die Lage im Stadtgebiet. Demnach wird in Altenbruch, Duhnen, Groden, Lüdingworth und Ritzebüttel der Rechtsanspruch zum 1. August 2026 durch die bestehenden Horte erfüllbar sein. Wenige Plätze könnten möglicherweise durch das Teilen von Hortplätzen gewonnen werden.
Nachlegen bei Nachmittags- und Ferienbetreuung
Für Franzenburg (noch ohne schulisches Ganztagsangebot) reiche die Kapazität der Altenwalder Horte bei weitem nicht aus; hier kündige sich eine Diskrepanz von mindestens 50 Plätzen an. Sowohl für die Nachmittags- als auch für die Ferienbetreuung bestehe somit Handlungsbedarf, so Cordts.
In der Abendrothschule (Ganztagsschule ab 2027/28) reichten die Hortplätze ebenfalls nicht. Die Nachmittags- und Ferienbetreuung für rund 30 Kinder müsse noch sichergestellt werden.
In Süderwisch sei die Betreuungszeit durch die Ganztagsschule von Montag bis Donnerstag fast abgedeckt, nicht jedoch am Freitag und in den Ferien. Die wenigen freien Hortplätze in der Nähe reichten bei weitem nicht aus, um den Bedarf zu decken. Das größte Augenmerk liege hier auf der Ferienbetreuung.
In Döse, Sahlenburg und der Gorch-Fock-Schule seien Ganztagsangebote an vier Wochentagen vorhanden. Teilweise fehlten pro Tag 25 Minuten, um den achtstündigen Anspruch zu erreichen. Eventuell könne für diese drei Schulen ein gemeinsames Ferienangebot organisiert werden.
Mittelfristig noch viel mehr erforderlich
Stadt und Landkreis wollen nun weitere Gespräche mit den Kita-Trägern führen. Michael Cordts machte deutlich, dass es zunächst nur um kurzfristige Lösungen gehe - mittelfristig brauche es weitere Strukturen, um auch die drei noch folgenden Jahrgänge abzudecken.
Träger werden in Ungewissheit gedrängt
Und das bei knappen Kassen. Wie das Land zur Fortführung der anerkannten, aber teuren Hortbetreuung steht, ist ungewiss. Bei Kreis und Stadt zählen die Kita-Kosten bekanntlich zu den größten Brocken im Haushalt. Petra Wüst schilderte den schwierigen Spagat zwischen einem hohen pädagogischen Anspruch und den Kosten.
Robert Babacé (Die Grünen) machte auf das jetzt schon entstandene Dilemma der Träger aufmerksam, die ohne jede Planungssicherheit das Personal bei der Stange halten sollten. "Was soll ich den Kollegen sagen? Wird in vier Jahren alles zugemacht?", fragte Babacé, Betriebsrat beim DRK Cuxhaven-Hadeln, der Träger zahlreicher Kitas in der Stadt ist.
Personal braucht verlässliche Aussichten
Der Ausschuss war sich einig: Ganztagsbetreuung erfordert fachliche Begleitung, allenfalls unterstützt durch Hilfskräfte oder Vereine. Vorsitzende Ulrike Hogrefe (SPD) riet zum Schulterschluss mit den Trägern, um eine Fachkraft-Abwanderung zu verhindern und keine Zerstörung verlässlicher Angebote zu riskieren. Unbeständigkeit führe allenfalls dazu, dass sich die Beschäftigten anderweitig umhörten.