Beim Fastenbrechen kommen die Menschen zusammen, um gemeinsam zu essen. Foto: Werder
Beim Fastenbrechen kommen die Menschen zusammen, um gemeinsam zu essen. Foto: Werder
Ramadan

"Gemeinsamkeit und Freundschaft": Fastenbrechen in Cuxhavener Moschee (mit Video)

von Märthe Werder | 14.03.2026

In der islamischen Gemeinde Cuxhaven wird jeden Abend im Ramadan gemeinsam das Fasten gebrochen. Jeder ist willkommen, um an der Tradition teilzunehmen. Ein Einblick in eine herzliche Gemeinschaft.

Essen wird auf die Tische gestellt, geladene Gäste und Mitglieder der islamischen Gemeinde treffen ein, es wird sich unterhalten und begrüßt. Es herrscht reges Treiben unter den Anwesenden. In weniger als einer halben Stunde wird gemeinsam das Fasten gebrochen.

Bei meiner Ankunft an der Moschee regnet es. Draußen vor dem Gebäude befinden sich Zelte mit Sitzmöglichkeiten, in denen sich ein paar Leute aufhalten. Bereits dort werde ich freundlich in Empfang genommen und mir wird gezeigt, wo ich hin muss. Ich komme in einen Raum, in dem mehrere Tische zu Tafeln zusammengestellt sind. Menschen stehen verteilt und unterhalten sich. Ich stelle mich vor und mir wird freudig eine Hand nach der anderen gereicht. Alle Anwesenden sind mir gegenüber offen und heißen mich willkommen. 

Fastenbrechen bei Sonnenuntergang

"Um 18.27 Uhr geht es heute los", erklärt Funda Neyis. Sie ist eine der Frauenbeauftragten der Gemeinde und kümmert sich gemeinsam mit Aylin Bozdemir und Serife Akcay um die Organisation des Fastenbrechens. Auch sie packen mit an und platzieren weiteres Essen auf den Tischen. Am Mittwoch hatte der Verein einige Vertreterinnen und Vertreter der Stadt, des Landkreises, der Polizei und vom Offenen Herz Altenwalde eingeladen. 

Funda Neyis bringt weiteres Essen für das Fastenbrechen an den Tisch. Foto: Werder

Auf meinem Teller liegt in Folie verpackt eine Dattel. "Im Ramadan wird das Fasten traditionell mit einer Dattel gebrochen", steht auf der Verpackung. "Unser Prophet hat das Fasten zuerst mit einer Dattel gebrochen", erklärt Aylin Bozdemir mir und meinen Sitznachbarn. Zum Sonnenuntergang trägt ein Mann dann das Gebet vor - es klingt wie ein Gesang. Danach wird das Fasten offiziell gebrochen.

Ich esse zuerst die Dattel, trinke einen Schluck Wasser und probiere danach als Erstes die Suppe - eine Manti-Suppe. "Das sind quasi türkische Tortellini", erklärt mir Bozdemir, als ich sie danach frage. Der Teig wird von Hand gerollt und dann geformt. Normalerweise gibt es dazu einen Joghurt mit Knoblauch. "Aber wir müssen morgen ja alle wieder arbeiten, da verzichten wir lieber auf den Knoblauch", sagt sie lachend.

Traditionell wird das Fasten mit einer Dattel gebrochen. Foto: Werder

Koch extra aus der Türkei angereist

Der Koch kommt bereits jeden Tag gegen zehn Uhr morgens und beginnt mit den Vorbereitungen. Gegen 17 Uhr sei meist alles fertig, sagt Bozdemir. Die Frauen kommen dann dazu und helfen beim Eindecken der Tische. "Unser Koch ist extra für den Ramadan aus der Türkei gekommen." Wenn der Ramadan vorbei ist, fliegt er zurück zu seiner Familie, erzählt sie.

Nach der Suppe probiere ich viele verschiedene Speisen: türkischen Kartoffelsalat, Bulgursalat, Fladenbrot, gefüllte Weinblätter, gefüllte Zwiebeln, Hähnchen und Cig Köfte. Übersetzt bedeutet Cig Köfte rohes Fleisch, es wird jedoch oft vegan zubereitet. "Man muss sehr lange kneten, damit es gelingt", erzählt Bozdemir, die mir schräg gegenüber sitzt. Ich probiere das Gericht und muss feststellen, dass es für meinen Geschmack relativ scharf ist. "Manche machen das so scharf, dass man es gar nicht essen kann", sagt sie und lacht. Am gesamten Tisch herrscht eine lebhafte Stimmung: Während des Essens wird sich unterhalten und gelacht.

"Haben Sie schon die gefüllten Weinblätter probiert?", werde ich gefragt. Ich beäuge die Weinblätter etwas skeptisch, probiere sie dann aber doch - so eine Gelegenheit muss man schließlich nutzen, denke ich mir. Und tatsächlich: Sie schmecken mir sehr gut. 

Nach dem Fastenbrechen beten die Menschen - im Islam sind täglich fünf Gebete zu festen Zeiten vorgeschrieben. Frauen und Männer beten in getrennten Bereichen. Das bedeutet aber nicht, dass die Frauen weniger respektiert würden, erklärt der Imam. Die Frauen haben eher eine besondere Stellung: "Das Paradies liegt unter den Füßen der Mutter", sagt  er. Zudem betont er, dass beim Ramadan jeder - ob Moslem oder nicht - willkommen sei. 

Der Tisch war mit verschiedenen Speisen gefüllt - zu trinken gab es Wasser und Ayran. Foto: Werder

"Niemand soll alleine sein"

"Das Besondere ist, dass wir beim Fastenbrechen alle zusammen sind und gemeinsam essen", sagt Bozdemir. "Auch dass sich jeder dafür die Zeit nimmt", ergänzt Serife Akcay. "Niemand soll alleine sein - wir sind eine kleine Familie", betont Bozdemir noch. An einem Abend wollte ein Lkw-Fahrer aus der Türkei nur bei der Gemeinde parken, erzählt Akcay. "Wir haben ihn eingeladen, mit uns zu essen. Er hat uns dann Kekse aus der Türkei angeboten." 

Ramadan lasse den Zusammenhalt aufrechterhalten, beschreibt auch Ali Topuz. Hilfsbereitschaft spielt ebenfalls eine große Rolle. "Jeder muss mindestens 15 Euro an eine hilfsbedürftige Person spenden", erklärt Neyis. Ali Topuz ist jeden Tag zum Fastenbrechen da. "Gemeinsamkeit und Freundschaft", fasst er das Fastenbrechen zusammen. Später am Abend gibt es noch weitere Süßspeisen und Tee. Der Abend geht weit über das gemeinschaftliche Essen hinaus.

Für einen Abend wurde auch ich Teil dieser Gemeinschaft und fühlte die Besonderheit des gemeinsamen Essens. Obwohl mich niemand kannte, wurde ich herzlich aufgenommen und eingeladen, an den nächsten Abenden wiederzukommen. Nicht nur voll im Bauch, sondern auch voll im Herzen von der Gastfreundschaft und Herzlichkeit verließ ich die islamische Gemeinde.

Auch Süßspeisen durften nicht fehlen: Tulumba und Baklava. Foto: Werder

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Märthe Werder

Volontärin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

mwerder@no-spamcuxonline.de

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