Deicharbeiten in der Cuxhavener Grimmershörnbucht: Spaziergänger müssen Umwege nehmen
Wenn die Silbermöwen über der Grimmershörnbucht kreisen, hat das seinen Grund. Was sie im feuchten Erdreich wittern, könnte den Fortgang der Deicharbeiten beeinflussen - und die Spaziergänger müssen sich auf Veränderungen einstellen.
Sie kamen ohne Einladung und nahmen dennoch die besten Plätze ein. Kaum hatte das Raupenfahrzeug am Mittwochmorgen in der Grimmershörnbucht seinen ersten Schwung feuchten Erdreichs zur Seite geschoben, landeten die ersten Silbermöwen auf dem freigelegten Boden. Pickend, stakend, zufrieden. Fuhr die Raupe wieder an, stiegen sie schimpfend auf, um Sekunden später erneut einzufallen, sobald das Fahrzeug seinen nächsten Abschnitt freigegeben hatte. Dieses Schauspiel wiederholte sich den gesamten Donnerstagvormittag und Mittag. Die Möwen ahnten offenbar, was der Boden verrät: Hier steckt reichlich Feuchtigkeit drin.

Und tatsächlich: Was Bagger und Raupe in diesen Tagen an der Deichbasis beim Bojenbad zutage fördern, ist kein gewöhnliches Erdreich. Der Boden ist an vielen Stellen richtig schlammig, die Raupe schiebt eine zähe, dunkelbraune Schicht vor sich her, als pflüge sie durch einen nassen Acker. Es braucht keine Erklärung eines Ingenieurs, um zu verstehen, was das bedeutet: Dieser Deichabschnitt hat in den zurückliegenden Monaten Feuchtigkeit gezogen wie ein Schwamm. Wasser stand, Senken haben sich gebildet, die Grasnarbe hat gelitten. Und genau deshalb stehen die Maschinen jetzt hier.

Grasnarbe ab, Boden bloßgelegt
Die Arbeiten sind in vollem Gange. Ein Bagger und ein Raupenfahrzeug haben begonnen, die Grasnarbe des Deichvorlands im Bereich zwischen Deichtrift und Jänischstraße abzutragen. Das Erdreich wird zur Seite des Baufelds geschoben, zwischengelagert und später gehäckselt, um als lebendige Beimischung zur neuen Ansaat wiederverwendet zu werden. Die Fläche, auf der sonst Spaziergänger spazieren und im Sommer Strandkörbe stehen, sieht derzeit aus wie eine Baustelle im Rohzustand. Das ist sie auch.

Dieser Bereich des Deichvorlands ist gesperrt, Zäune und Absperrungen sichern das Baufeld. Auch die zentrale Treppenanlage in Höhe der Straßen Deichtrift und Jänischstraße - jene weitläufige, vielgenutzte Verbindung zwischen Promenade und Vorland - ist nicht passierbar. Umleitungen sind ausgeschildert. Fußgänger und Radfahrer werden gebeten, die markierten Alternativwege zu nutzen.
Ein enger Fahrplan bis Ostern
Hinter der Kulisse aus Schlamm, Raupe und Möwengeschrei steckt ein präziser Zeitplan, den Schultheiß Jürgen Schubel vom Cuxhavener Deichverband jüngst unserer Redaktion erläutert hat. Die laufende elfte Kalenderwoche dient der Vorbereitung. In der zwölften Kalenderwoche folgt der Kernakt: Rund 2000 Kubikmeter Kleiboden, der aus dem Hafenbereich nahe Liegeplatz 8 stammt, werden über den Fährhafen angeliefert, auf der befestigten Fläche abgekippt und sofort von einem Bagger in Richtung Baufeld verteilt. Die Anlieferungen bedeuten: volle Sperrung für Fußgänger und Radfahrer während der Transportphasen. Schubel geht davon aus, dass die Anlieferung in dieser einen Woche abgeschlossen sein kann, "vorausgesetzt, das Wetter schlägt keine Kapriolen".

In der dreizehnten Kalenderwoche sollen die Profilierungsarbeiten abgeschlossen sein. Das neue Gelände erhält ein Gefälle von rund drei Prozent vom Deichfuß in Richtung Wasser, damit Niederschlag künftig schnell abfließen kann. Zusätzlich wird eine neue Drainage verlegt. Die alte funktioniere "nicht mehr vernünftig", so Schubel. Gelingt alles planmäßig, könnte ab dem 26. März mit dem Aufbau der Container begonnen werden: Buchtbude, DLRG, Duschen. Das Ostergeschäft wäre damit gesichert.
Nach Abschluss der Erdarbeiten braucht die neu angesäte Fläche mindestens drei Monate Ruhe. Sie darf nicht betreten werden. Die Möwen werden es ohnehin als Erste wissen, wenn die Raupe ihre Arbeit getan hat.
