Entertainer Hans Rosenthal, ein Liebling der Deutschen (hier mit Jurymitglied Brigitte Xander in der Fernseh-Ratesendung "Dalli Dalli") wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden. Eine Veranstaltung in der Stadtbibliothek erinnert an ihn. Foto: Istvan Bajzat/dpa
Entertainer Hans Rosenthal, ein Liebling der Deutschen (hier mit Jurymitglied Brigitte Xander in der Fernseh-Ratesendung "Dalli Dalli") wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden. Eine Veranstaltung in der Stadtbibliothek erinnert an ihn. Foto: Istvan Bajzat/dpa
Was 2026 ansteht

Gruppe steht für ausgesprochenes Geschichts- und Demokratiebewusstsein in Cuxhaven

von Maren Reese-Winne | 03.03.2026

Der Besuch des Bundespräsidenten a. D. Joachim Gauck, Ehrenpräsident des Vereins "Gegen Vergessen - für Demokratie", war ein Höhepunkt in Cuxhaven. Die Regionalgruppe des Vereins zeichnet sich aber auch darüber hinaus durch ihr Gespür für Themen aus.

Der Besuch des Bundespräsidenten a. D. Joachim Gauck, gleichzeitig Ehrenpräsident des Vereins "Gegen Vergessen - für Demokratie", im vergangenen November war ein unbestrittener Höhepunkt. Jedoch hat sich die hiesige Regionalgruppe des Vereins auch darüber hinaus den Ruf erarbeitet, bei der Auswahl ihrer Veranstaltungen eine ausgesprochen glückliche Hand zu haben. 

Die kleine Cuxhavener Gruppe ist kein eigener Verein, sondern eine Regionalgruppe des bundesweit für Demokratie und gegen Extremismus aktiven überparteilichen Vereins. Für ihre hochkarätigen Veranstaltungen, die sie - meist gefördert durch das Bundesprogramm "Demokratie leben!" und in Kooperation mit Institutionen der Stadt Cuxhaven - auf die Beine stellen, ernten die ehrenamtlichen Akteure Anerkennung weit über die Grenzen der Stadt hinaus. Auch das Programm dieses Jahres verspricht aufzuwühlen und bislang unbekannte Fakten hervorzuholen, was sich im Gespräch mit Rüdiger Pawlowski und Gabriele Hoffmann (Sprecher und Sprecherin der Gruppe) ankündigt.

Jörg Flehnert, Gabriele Hoffmann, Rüdiger Pawlowski und Eike Braschwitz sind einige der lokalen Akteure in der Cuxhavener Regionalgruppe von "Gegen Vergessen - für Demokratie". Foto: Reese-Winne

Wie Hans Rosenthal den Holocaust überleben konnte

Anlässlich des 100. Geburtstags von Hans Rosenthal wird Spiegel-Bestsellerautor Tim Pröse ("Jahrhundertzeugen") am 23. April um 19.30 Uhr in der Stadtbibliothek Cuxhaven unter der Überschrift "Das war Spitze" über das  Überleben des jüdischen Journalisten und Quizmasters berichten. Versteckt in einer Gartenlaube in Berlin überlebte er den Holocaust. Am Tag darauf spricht Tim Pröse im Haus der Jugend vor Jugendlichen der Oberschule Cuxhaven-Mitte über die letzten Stunden der Widerstandskämpferin Sophie Scholl.

Harald Schmitt, ehemaliger Fotoreporter des "Stern", kommt mit seiner Ausstellung "Krieg - Frieden - Versöhnung" nach Cuxhaven.

Am 8. Mai (81 Jahre nach Kriegsende) wird um 16 Uhr im Rathaus die Ausstellung "Krieg - Frieden - Versöhnung" des Fotojournalisten Harald Schmitt, von 1975 bis 2020 "Stern"-Fotoreporter, eröffnet. Die Fotos bleiben bis zum 30. Mai in der Bürgerhalle.

Was Jahrzehnte später zutage kommt

Am 26. September lesen Leslie Malton und Felix von Manteuffel im Schloss Ritzebüttel aus dem Buch "Ich will lieber schweigen". Es beleuchtet 104 Tage im Leben des Schauspielers Will Quadflieg, die seine Tochter Roswitha aus seinem viel später entdeckten Tagebuch rekonstruiert hat. In den Notizen ihres Vaters aus der Zeit von März 1945 und September 1946 stieß sie auf eine Mischung von Flucht, Angst, Liebe, Lüge und Selbstlüge. 

Ibrahim Aslan verlor beim Brandanschlag in Mölln Oma, Schwester und Cousine und überlebte verletzt, ohne zu ahnen, dass Tausende von Menschen in ganz Deutschland an der Seite seiner Familie standen. Erst Jahrzehnte später wurden die Solidaritätsbekundungen wiederentdeckt. Der Dokumentarfilm "Die Möllner Briefe" geht diesem Ereignis nach. Foto: Pressematerial "Die Möllner Briefe"

Ende Oktober wird der Dokumentarfilm "Die Möllner Briefe" im Bali-Kino zu sehen sein. Ibrahim Aslan, Überlebender des rassistischen Brandanschlags auf zwei Wohnhäuser in Mölln im November 1992, engagiert sich seit Jahren gegen Rassismus. 27 Jahre nach dem Anschlag, bei dem seine Oma, seine Schwester und eine Cousine starben, erfuhr er zufällig, dass über 1000 Briefe und von Kindern gemalte Bilder aus ganz Deutschland als Solidaritätsbekundung an die Überlebenden geschickt worden waren. Sie wurden nie an die Familie weitergeleitet, sondern stillschweigend im Möllner Stadtarchiv wegsortiert. Der hieraus entstandene Dokumentarfilm von Martina Priessner hatte 2025 bei der Berlinale Premiere.

Der Schauspieler Roman Knižka und die Musiker des Ensembles OPUS 45 bei ihrem Gastspiel im Jahr 2025 in Cuxhaven. In diesem Jahr kommen sie zurück.

"Es war Mord" lautet der Titel eines Literaturkonzertes von "Opus 45" und Roman Knižka am 16. November im Stadttheater. Es geht um vier politisch motivierte Morde im 20. Jahrhundert, zu denen auch der bis heute nicht aufgeklärte Tod der Grünen-Politikerin Petra Kelly im Jahr 1992 gehört. Am folgenden Tag zeigt dieselbe Truppe in Cuxhaven eine Schulvorstellung zum Untergang der Weimarer Republik; verknüpft mit einer Recherche in lokalen Archiven.

"Es passierte auch hier und nicht nur im fernen Berlin"

Gabriele Hoffmann: "So wird greifbar, dass Geschichte, Gewalt und Radikalisierung eben nicht nur im fernen Berlin stattgefunden haben, sondern auch genau hier." Der aus dem Tucholsky-Gedicht "Deutschland, erwache!" (1930) entnommene Titel könnte heute nicht aktueller sein: "Deutschland, siehst Du das nicht?"

In den lokalen Netzwerken zeigt die Regionalgruppe regelmäßig Präsenz, so bereits zweimal in den BBS Cuxhaven und bei Festen, Aktionstagen und dem Tag des Grundgesetzes (23. Mai). Exemplare des Grundgesetzes wollen sie auf dem Wochenmarkt am 20. Mai verteilen. Weitere Termine des Jahres sind unter anderem das Demokratiefest des Landkreises Cuxhaven am 31. Mai in Loxstedt und ein Projekt mit dem Jugendbeirat.

All dies zum größten Teil gefördert mit Mitteln aus dem Bundesprogramm "Demokratie leben!". Rund 1.277.000 Euro sind hierdurch insgesamt bereits nach Cuxhaven geflossen. Viele so ermöglichte Projekte hätten anderweitig nicht realisiert oder langfristig gesichert werden können. Auch die Verlegung weiterer Stolpersteine im Gedenken an Opfer des Nazi-Regimes in Cuxhaven wird derzeit geprüft.

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Maren Reese-Winne

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

mreese-winne@no-spamcuxonline.de

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