Nach fast zehn Jahren Planung: Großes Wohnquartier darf in Cuxhaven gebaut werden
Das Areal der Grimmershörnkaserne erwacht zu neuem Leben: Ein Jahrzehnt der Planung mündet in ein Wohnquartier, das nicht nur Wohnraum bietet, sondern auch auf innovative Lösungen setzt. Welche Überraschungen der Admiralspark birgt, bleibt spannend.
Wer an diesem letzten Februarwochenende 2026 über das Gelände der ehemaligen Grimmershörnkaserne streift, braucht etwas Fantasie. Der feuchte Winterboden gibt unter jedem Schritt nach, das Gras auf den aufgeweichten Freiflächen wirkt müde und glanzlos. Entlang der Deichseite stehen Gebäude, deren Fassaden von verblasstem Putz und rostenden Fensterrahmen erzählen. Zeugnisse einer anderen Epoche, die längst vergangen ist. In den alten Garagen brennt vereinzelt noch Licht: Mieter nutzen die kahlen Räume als Lagerschuppen, ein letzter pragmatischer Lebenshauch in einer Anlage, die schon lange auf ihre Transformation wartet. Das Areal - in bester Lage, keine zweihundert Meter von der Grimmershörnbucht entfernt - trägt seinen Dornröschenschlaf mit stiller Würde. Doch das dürfte sich bald ändern.

Denn just in diesen Tagen mehren sich die Zeichen, dass das ambitionierte Vorhaben "Admiralspark Grimmershörn" nun ernsthaft in die Umsetzungsphase eintritt. Der Rat der Stadt Cuxhaven hat in seiner jüngsten Sitzung mit der 55. Änderung des Flächennutzungsplans einen entscheidenden planungsrechtlichen Meilenstein gesetzt. Die Ratsdamen und Ratsherren stimmten dem Beschlussvorschlag der Verwaltung mehrheitlich zu, ebenso wie zuvor schon der Bauausschuss. Damit ist der Weg frei für die formale Feststellung der geänderten Planung.
Fast ein Jahrzehnt Planung, Beteiligung und Abwägung
Wer die Geschichte dieses Areals kennt, weiß: Das war kein einfacher Weg. Seit vielen Jahren verfolgt die Marhold Immobilien GmbH aus Steyerberg das Ziel, auf der rund 1,6 Hektar großen Brachfläche des ehemaligen Exerzierplatzes ein hochwertiges Wohnquartier zu realisieren. Die Geschäftsführer Hans-Joachim Marhold und Johannes Harries haben das Projekt in zahllosen Gesprächen, Ausschusssitzungen und Abstimmungsrunden mit der Stadtverwaltung vorangetrieben.

Im November 2022 wurde das Konzept "Admiralspark Grimmershörn" erstmals öffentlich im Bürgersaal des Rathauses vorgestellt. Die seinerzeitigen Pläne: neun Gebäude, rund 125 Wohneinheiten, eine große Tiefgarage mit 168 Stellplätzen, parkähnliche Grünflächen, ein Mehrgenerationenplatz, Praxen und kleine Gewerbebetriebe. Ferienwohnungen und Zweitwohnsitze ausdrücklich ausgeschlossen. Und: 15 Prozent des Wohnraums sollen zu preisgedämpften Mieten angeboten werden. Die Zahlen haben sich verändert: Jetzt sollen 60 Prozent der Wohnungen mit reduzierten Mieten angeboten werden. Weitere, konkrete Daten folgen in Kürze.
Im Frühjahr 2024 folgte eine öffentliche Beteiligung, bei der rund 30 Cuxhavener und Anwohner ihre Fragen und Sorgen einbrachten. Themen waren unter anderem der Baumbestand entlang der Döser Wettern, die Verkehrsbelastung in der Kasernenstraße und die Entwässerungssituation in einem Stadtteil, dessen Gräben an Regentagen bereits heute an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen.

Diese Einwände wurden im förmlichen Verfahren gehört. Die öffentliche Auslegung fand zwischen Juni und Juli 2025 statt, parallel dazu lief die Beteiligung der Fachbehörden. Im Ergebnis konnten nach Angaben der Stadtverwaltung wesentliche Fragen - zur Raumordnung, zu Altlasten und Baugrund, zum Hochwasserschutz, zum Waldersatz und zum Immissionsschutz - einer abschließenden Lösung zugeführt werden. Insbesondere die Frage des Lärmschutzes zwischen der geplanten Wohnnutzung und der benachbarten Polizeieinrichtung stand dabei im Fokus.
Bäume, Naturschutz und erste Arbeiten auf dem Gelände
Wer das Gelände an der Kasernenstraße in diesen Tagen aufmerksam beobachtet, hat möglicherweise bereits erste Veränderungen bemerkt. Hans-Joachim Marhold bestätigt auf CN/NEZ-Anfrage: "Das sind vorbereitende, naturschutzgerechte Maßnahmen im Rahmen der naturschutzbehördlichen Auflagen." Konkret: Einige der Bäume auf dem Gelände, die krank waren, wurden entfernt. "Diese Arbeiten mussten zum Februar durchgeführt werden. Das ist jetzt gemacht worden."

Dass es kranke Bäume auf dem Areal gibt, ist kein Geheimnis. Ein Baumgutachten, das der Vorhabenträger bereits im Januar 2022 in Auftrag gegeben hatte, hatte einen teils erheblich vorgeschädigten Baumbestand dokumentiert. Besonders die alten Rosskastanien entlang der Döser Wettern zeigten demnach fortgeschrittene Anzeichen eines Befalls mit Phytophthora. Dabei handelt es sich um eine Pilzerkrankung des Kambiums, die den Baum von innen heraus aushöhlt und in der Regel nicht aufzuhalten ist. Mehrere Bäume wurden als nicht mehr verkehrssicher eingestuft. Die Sachverständige wies in ihrem Gutachten zugleich ausdrücklich darauf hin, dass bei der Entnahme einzelner Bäume die veränderte Windlast auf den verbleibenden Bestand zu beachten sei - eine Freistellung von Bäumen werde nicht empfohlen. Artenschutzrechtliche Belange müssten im Zuge aller weiteren Maßnahmen berücksichtigt werden.
Ein Projekt, das sich verändert hat - und reifer geworden ist
Die Entwicklung des Projekts war auch von äußeren Umständen geprägt, die niemand vorhersehen konnte. Marhold spricht im Gespräch mit cnv-medien.de offen darüber: "In den zurückliegenden neun Jahren, in denen wir uns mit den Plänen zum Admiralspark beschäftigt haben, haben wir jetzt eine gute Lösung gefunden. Mussten aber aufgrund der energetischen und der geopolitischen Entwicklung das Projekt noch einmal umändern."
Diese Anpassungen seien in enger Abstimmung mit Verwaltung und Politik vorgenommen worden. "Das haben wir im Verbund mit Verwaltung und Politik ausgezeichnet hinbekommen", ziehen Marhold und Harries Bilanz. Das Ergebnis bezeichnen sie als "hochinteressante Lösung". Wie genau das überarbeitete Konzept aussieht, soll in Kürze en détail vorgestellt werden.