Günter Wichert im Gespräch mit einem Ladenbesitzer in der Nordersteinstraße in Cuxhaven. Foto: Werder
Günter Wichert im Gespräch mit einem Ladenbesitzer in der Nordersteinstraße in Cuxhaven. Foto: Werder
Kommunalwahl 2026

"Ich bin die letzte Patrone" - Günter Wichert will Bürgermeister in Cuxhaven werden

von Märthe Werder | 10.09.2026

Günter Wichert, FDP-Kandidat für das Amt des Oberbürgermeisters in Cuxhaven, setzt auf direkte Gespräche im Einzelhandel und Social-Media-Präsenz. Im Fokus stehen die Belebung der Innenstadt und moderne Bildungsangebote.

Die Cuxhavener Innenstadt ist für einen Dienstagmittag gut gefüllt. Mitten drin ein Popupstore vom Team Wichert und den Freien Demokraten (FDP). Von hier aus startet Günter Wichert seine Tour durch die Innenstadt. Er ist Kandidat für die Oberbürgermeisterwahl.

Seit 18 Jahren ist der 59-Jährige bei der FDP. "Ich war schon immer politisch." Eingetreten ist er in Bremerhaven - dort war er aber nur Mitglied. Aktiv ist er erst in Cuxhaven geworden. Bei der ersten FDP-Sitzung, die er in Cuxhaven besucht hat, wurde er direkt als Schriftführer gewählt, erzählt Wichert.

Gebürtig kommt er aus Nordrhein-Westfalen - seit 15 Jahren lebt er in Cuxhaven. "Heimat ist für mich nie ein Ort, sondern ein Gefühl." Er fühle sich hier sehr wohl, weshalb er die Stadt als seine Heimat bezeichnet.

Leerstand in der Innenstadt bekämpfen

Nach einem kurzen Telefonat im Popupstore geht es auf die Straße. Mehrere Geschäfte steuert Wichert an und verteilt seine Karten. Er nutzt die Gelegenheit zudem, um Videos für seinen Auftritt in den sozialen Medien zu drehen. "Die Botschaft soll sein, dass ich als Bürgermeisterkandidat im Einzelhandel beliebt bin", schildert er. Auf dem Weg durch die Nordersteinstraße kommt der 59-Jährige an einem leerstehenden Geschäft vorbei. An der Scheibe hängt ein Kontakt. Kurzerhand ruft er den Besitzer an, um mit ihm zeitnah über eine Lösung zu sprechen - das Ganze wird gefilmt. "So stelle ich mir Citymanagement vor", betont er danach.

Die Innenstadt ist das zentrale Thema des Kandidaten. Bislang würde die Innenstadt von der Stadt nicht neu gedacht werden. "Das finde ich schade." Als Bürgermeister wolle er durch die Stadt gehen und versuchen, gegen den Leerstand vorzugehen. Ein weiterer Schwerpunkt ist für ihn zudem die Bildung: "Wir müssen moderne Lernangebote schaffen."

Bei der vergangenen Wahl zum Landrat gab es nur einen Kandidaten. "Für mich war da klar, wir müssen ein Angebot schaffen", sagt Wichert. Dass er von der FDP als Kandidat aufgestellt wird, war nicht von vornherein sein Ziel: "Ich bin die letzte Patrone. Wenn keiner will, mache ich es", betont der 59-Jährige.

Gespräche führt er an diesem Tag in erster Linie mit Ladenbesitzern - für sie ist er ein bekanntes Gesicht. Seit zweieinhalb Jahren führt Stefan Kaphengst sein Geschäft. "Es ging immer nur um Gebührenbescheide und Formulare", schildert er. "Sonst hat sich niemand für mich interessiert." Auf der Straße trifft Günter Wichert einen weiteren Ladenbesitzer. "Wir brauchen jemanden, der Energie hat", findet dieser. Der Oberbürgermeisterkandidat gibt jedem von ihnen ein paar seiner Karten mit und dreht kurze Sequenzen für Social Media mit.

"Kann der Wichert auch Krawatte binden?"

Einfach jemanden auf der Straße ansprechen, mache für ihn wenig Sinn. "Es sind viele Touristen unterwegs", erläutert Wichert. Dann geht es in ein Geschäft: einen Anzug anprobieren. "Ich werde oft von Leuten gefragt: Kann der Wichert auch Krawatte binden?" Für gewöhnlich trifft man den 59-Jährigen in Vans und Jeans. Also geht es für ihn in die Umkleide und er schlüpft in einen Anzug. Als es um die Entscheidung der Krawattenfarbe geht - blau oder weinrot - mischt sich ein Kunde ein: "Blau ist blöd." Dann der entscheidende Moment. Wichert versucht vor laufender Kamera, sich die Krawatte umzubinden, und scheitert. Eine Verkäuferin muss ihm behilflich sein.

Videos für die sozialen Medien gehören zu Wicherts Wahlkampf dazu. In seinen öffentlichen Auftritt ist auch seine Familie eingebunden - jedes Bild und jedes Video wird von seiner Familie freigegeben. "Wenn meine Tochter sagt: 'Papa, das ist völlig peinlich‘, dann wird es auch nicht veröffentlicht," sagt der Vater von drei Kindern.

"Und bist du aufgeregt?", erkundigt sich die Besitzerin eines Geschäftes. "Total aufgeregt", gibt Wichert zu. Sie habe heute ihre Briefwahlunterlagen bereits abgegeben. "Von unserer Seite bist du safe", sagt sie.

Den Anzug will Wichert später abholen. Es geht auf den Kaemmererplatz und dann zurück Richtung Popupstore. Besonders beim Filmen gucken einige Menschen interessiert im Vorbeigehen. Angesprochen wird er aber nicht - außer von ein paar Kindern, die auf Klassenfahrt in Cuxhaven sind: "Was machst du da?", erkundigt sich ein Junge. Die Schüler kommen aus NRW und der Oberbürgermeisterkandidat unterhält sich mit ihnen über ihre Heimat - und wünscht ihnen zum Abschluss noch eine schöne Klassenfahrt.

Der 59-Jährige hat den Blumenmarkt in Cuxhaven ins Leben gerufen. Der Erfolg beflügle ihn auch im Wahlkampf, denn er habe gemerkt: "Alles geht!" 

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