Angetreten zu einem offiziellen Anlass in der Altenwalder Kaserne. Foto: Archiv Thome
Angetreten zu einem offiziellen Anlass in der Altenwalder Kaserne. Foto: Archiv Thome
Geschichte

Ihr Auftrag lautete: Frieden sichern - Was die Bundeswehr in Altenwalde bedeutete   

von Maren Reese-Winne | 17.02.2026

Das Verteidigungsministerium hält sich mit einer konkreten Aussage zur Zukunft der einstigen Altenwalder Kaserne noch zurück. Bevor etwas Neues kommt, werfen wir also erst mal einen Blick zurück auf die Zeit, in der Bundeswehr im Ort ganz normal war.

Ganz Nordholz ist überzeugt von der Reaktivierung der früheren Altenwalder Kaserne und im Februar-Heft 2026 der Zeitschrift "Die Bundeswehr" wird bereits getitelt: "Eine ganze Stadt freut sich auf die Rückkehr der Bundeswehr." Nur das Verteidigungsministerium und die Bundeswehr halten sich mit einer offiziellen Bestätigung noch zurück.

Auf einen Fragenkatalog unseres Medienhauses ließ sich ein Sprecher des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr lediglich Altbekanntes entlocken, nämlich, dass weiter geprüft werde. Die Bundeswehr stehe in einem engen Austausch mit den Ländern und Kommunen, um neben den militärischen Belangen auch deren Interessen möglichst gerecht zu werden - damit wurde unsere Frage beantwortet, ob die Stadt Cuxhaven angesichts der Bedürfnisse der Bundeswehr überhaupt ein Mitspracherecht über die Gestaltung der Reaktivierung hätte. Denn diese würde schließlich ziemlich wahrscheinlich nicht nur das Kasernengelände, sondern auch Teile des früheren Truppenübungsplatzes betreffen. Von dieser Ausgestaltung dürfte abhängig sein, wie sehr die Reaktivierung wirklich durch die ganze Bevölkerung getragen wird.

Solche Fragen dürften im einst sehr aktiven Bundeswehrstandort Altenwalde die Ausnahme gewesen sein (Ausnahme: die Diskussion um die Platzrandstraße). Die Existenz der Bundeswehr war unstrittig: "So wie Küstenbewohner auch bei ruhigen Wetterperioden ihre Deiche nicht vernachlässigen dürfen, müssen Soldaten selbst bei politischen Schönwetterlagen einsatzbereit bleiben", konstatierte Oberst Rolf Halama, Kommandeur der Panzergrenadierbrigade 7, zu der die Altenwalder Panzerverbände gehörten, im Jahr 1989.

Spazierengehen auf dem Truppenübungsplatz war nicht so einfach möglich

Die Streitkräfte bestimmten das Leben im Ort mit und Teile des Truppenübungsplatzes waren allenfalls am Wochenende zum Spazierengehen freigegeben. Stadt und Kreisgemeinden wussten, was sie an der Bundeswehr hatten. Wie intensiv die Verbindung war, zeigt sich in den Archivmaterialien, die sich seit einem ersten Treffen ehemaliger Soldaten in unserer Redaktion bei uns türmen. 

Übungsbetrieb auf dem Truppenübungsplatz Altenwalde (hier eine Fotomontage). Foto: Wendt

Wir starten mit Schlaglichtern auf das Panzerbataillon 74. Es wurde am 1. April 1959 in Seedorf aufgestellt und am 30. Juli 1963 gleichzeitig mit dem Panzergrenadierbataillon 71 (später Panzergrenadierbataillon 73) in die damalige "Panzerkaserne" nach Altenwalde verlegt, die erst 1971 den Namen des ersten niedersächsischen Ministerpräsidenten Hinrich Wilhelm Kopf erhielt. 

Zum 40-jährigen Jubiläum des Panzerbataillons erinnerten der damalige Oberbürgermeister Dr. Hans-Heinrich Eilers und Oberstadtdirektor Nis Lindschau im März 1999 an die Militärgeschichte Cuxhavens: "Man kann durchaus sagen, dass sich Cuxhaven erst durch die Marine zu einer Stadt entwickelt hat", schrieben sie.

Der Bau von Militäreinrichtungen wie Kasernen und Hafenanlagen sowie der ständige Nachschubbedarf an Ausrüstung und Verpflegung habe Handel und Gewerbe gefördert. Die tiefe Verbundenheit zwischen der Bevölkerung und den Einheiten sei nie abgerissen. Die Stadt Cuxhaven förderte dies unter anderem durch einen Freizeitpass, der jungen Soldaten kostenlos oder für wenig Geld Zutritt zu städtischen Einrichtungen verschaffte. Neue Rekruten wurden feierlich durch die Stadt empfangen.

Wappen des Panzerbataillons 74 mit dem Ur als Symboltier.

Bei seiner Aufstellung war das Bataillon mit amerikanischen Kampfpanzern des Typs M 47 ausgerüstet worden; ein gutes Jahr später erfolgte die Umrüstung auf den M68 und im März 1966 die auf den Leopard 1A1, der dann 1989 durch den kampfwertgesteigerten Leopard 1A5 ersetzt wurde.  

Auf verschiedenen Truppenübungsplätzen (Altenwalde war der kleinste) sollten die Panzersoldaten möglichst vielseitig ausgebildet werden. Foto: Archiv Thome

Als Stärken wurden dem Panzerbataillon hohe Beweglichkeit, Feuerkraft und Panzerschutz zugeschrieben. Übungsaufenthalte auf Truppenübungsplätzen zum Beispiel in Shilo/Kanada, Castlemartin/Wales, auf Sardinien, in Bergen/Niedersachsen oder im heimischen Altenwalde (auf dem kleinsten Übungsplatz des Heeres) boten den Soldaten unterschiedliche Übungs- und Ausbildungsbedingungen.

Die Ausbildung der Wehrpflichtigen - sie kamen vorwiegend aus dem Elbe-Weser-Dreieck oder dem Ruhrgebiet - nahm einen großen Anteil der Arbeit des Panzerbataillons 74 ein. Nach der zweimonatigen Grundausbildung durchliefen sie in sechs Monaten die Vollausbildung zu Panzersoldaten auf dem Kampfpanzer Leopard 1A1 (ab 1988 Leopard 1A5). Die gute Ausbildung sollte die "Feldverwendungsfähigkeit" gewährleisten, sodass nach der Wehrdienstzeit gut ausgebildetes Personal in die Reserve entlassen werden konnte. 

Bataillonsappell in Altenwalde anlässlich des 35-jährigen Bestehens.

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wurden Soldaten aus Altenwalde (3./74) für einen Einsatz in Ex-Jugoslawien zur Sicherung der dort eingesetzten SFOR-Kräfte (UNO-Friedenstruppe unter militärischer Leitung der Nato) ausgebildet.

Patenschaften zwischen Gemeinden und Kompanien stellten über Jahrzehnte die Verwurzelung im Elbe-Weser-Dreieck sicher. Altenwalde pflegte ab 1967 bis zum Abzug der Panzergrenadiere eine intensive Patenschaft mit der 3./71. Die Patenschaft ging dann über auf den Stab des Panzerbataillons 74.

Die 1. Kompanie des Panzerbataillons (Stabs- und Versorgungskompanie, 1./74) begründete 1968 die Patenschaft mit Wanna. Bei gemeinsamen Aktionen wie Feldmarksäuberung, Leistungsmärschen, Hofabenden, Baumpflanzaktionen oder  Blutspendeterminen entstanden enge Verbindungen. Zum 30-jährigen Bestehen der Patenschaft gab es ein  Straßenfest.

Zu verschiedenen Anlässen wurde die Bevölkerung in die Kaserne eingeladen. Foto: Archiv Thome

Die 2./74, mit ihren 13 Kampfpanzern Leopard 1A5 und 60 Soldaten eine der vier  Kampfkompanien des Bataillons, war ab 1967 mit Lamstedt verbunden. Auch die lokalen Vereine stützten die Freundschaft. Die Soldaten waren im Schneewinter 1969 als Katastrophenhelfer zur Stelle und halfen bei Bauprojekten im Ort mit (Springbrunnen, Außenanlagen Kindergarten u.v.m.). 

Eine weitere Patenschaft verband ab 1967 die 3./74 und die Gemeinde Sievern, auch diese begleitet durch Feste, Übungen, Bau- und Aufräumaktionen. Die 4./74 war ab dem 10. November 1973 mit der Gemeinde Wingst verbunden und machte sich dort unter anderem mit ihrem alljährlichen Mitwirken beim großen Dobrock-Reit- und Springturnier einen Namen.

Die 5./74 war 1980 zunächst als 4. Kompanie des teilgekaderten Panzergrenadierbataillons 71 (4./71) aufgestellt worden; von Anfang an war sie dem Panzerbataillon 74 unterstellt. Am 20. Oktober 1984 wurde die Patenschaft mit Wremen begründet. Fußballspiele, Schlauchbootrennen, Vergleichsschießen und eine Feuerlöschübung wurden Hand in Hand vorbereitet und durchgeführt, sogar eine Ehe ging daraus hervor. Umso überraschender traten im März 1987 Misstöne auf, weil die Gemeinde Wremen die Durchführung eines Feierlichen Gelöbnisses in ihren Mauern ablehnte. Die Gemeinde Hemmoor sprang ein.

Getarnte Panzer auf dem Truppenübungsplatz. Foto: Archiv Thome

Im August 1997 rückte die 5./74 im Rahmen der Katastrophenhilfe der Bundeswehr ins überflutete Oderbruch aus. Zusammen mit zivilen Hilfskräften und der Bevölkerung sicherten die Soldaten die durchweichten Deiche mit Sandsäcken. Bis zur Auflösung des Bataillons Ende 2003 blieb die 5. Kompanie außerdem der letzte Leopard 1A5-Verband der Bundeswehr. 

Dankschreiben der Stadt Cuxhaven nach dem Sturmfluteinsatz im Jahr 1976.

Sein 40-jähriges Bestehen feierte das Bataillon am 28. Mai 1999 mit einem rustikalen "Altenwalder Heerlager" (einer Traditionsveranstaltung mit mittelalterlichen Anlehnungen) und einer dynamischen Waffenschau. Zu diesem Zeitpunkt hatten allein hier bislang 14.000 Soldaten ihren Grundwehrdienst geleistet. Dem Bataillon galt der Dank für die Sicherstellung von 40 Jahren Frieden und Sicherheit in Westeuropa, aber auch für die Nothilfe während der Schneekatastrophen in den Jahren 1969 und 1979 sowie der Flutkatastrophen 1962, 1973, 1976 sowie 1997.

Die Reform der Bundeswehr war zu dem Zeitpunkt im vollen Gang. Bereits zum 1. April 1992 war in Altenwalde das Panzergrenadierbataillon 73 aufgelöst und in ein nichtaktives Panzerbataillon umgegliedert worden. Ende August 2003 wurde bereits der letzte Kommandeur des ältesten Panzerverbands der Bundeswehr, Oberstleutnant Bernd Schütt, verabschiedet; kurz vor Weihnachten 2003 wurde dann die Bataillonsflagge vor dem Stabsgebäude vor den letzten verbliebenen 130 Soldaten und zivilen Mitarbeitern für immer eingeholt.

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Maren Reese-Winne

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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