Mit einem Buch zu Hause und dann auch noch die Zeit finden, es zu lesen: Inge Bühner freut sich darauf, auch wenn ihr die Ideen einfach nicht ausgehen. Der Bürgerküche bleibt sie noch erhalten und "Tee & Literatur" wird ebenfalls fortgeführt. Foto: Reese-Winne
Mit einem Buch zu Hause und dann auch noch die Zeit finden, es zu lesen: Inge Bühner freut sich darauf, auch wenn ihr die Ideen einfach nicht ausgehen. Der Bürgerküche bleibt sie noch erhalten und "Tee & Literatur" wird ebenfalls fortgeführt. Foto: Reese-Winne
Menschen in unserer Stadt 

In der Cuxhavener Seniorenarbeit ist Inge Bühner zur Institution geworden 

von Maren Reese-Winne | 17.01.2026

Es fühlt sich fast an wie ein zweiter Ruhestand: Nach 13 spannenden Jahren verabschiedet sich Inge Bühner von der VHS-Seniorenarbeit in der Stadt Cuxhaven. Weil ihr die Ideen noch lange nicht ausgehen, ist es gut, dass ein Ehrenamt verbleibt.

Kaum hatte sie sich in Cuxhaven eingerichtet, hatte sie auch schon das erste Amt inne: Ob wohl die norddeutsche Herkunft Inge Bühners mit dafür verantwortlich ist, dass sie einfach gut konnte mit den Menschen hier in Cuxhaven?

Geboren und aufgewachsen ist sie (Jahrgang 1946) nämlich im Dorf Hemdingen im Kreis Pinneberg. Von dort aus war es nicht weit in die aufregende Großstadt Hamburg, wo ihr der Beruf als Speditionskauffrau Einblicke in den Hafen verschaffte, die sie bis heute nicht vergessen hat - lange vor der Zeit der Containerriesen.

Die Vor-Containerzeit im Hamburger Hafen erlebt

Die Köhlbrandbrücke gab es noch nicht und viele Aufgaben führten sie an Bord der Schiffe, auf denen die Rückkehr von einer langen Fahrt nach Asien noch mit großen Bordfesten gefeiert wurde. Der Beruf verschaffte ihr viel Verantwortung und Gestaltungsfreiraum; ein Bedürfnis, das sich auch wie ein roter Faden durch ihr ehrenamtliches Engagement zieht.

In der Zeit von 1989 bis 2009, nach einer Familienpause, in der sie vier Mädchen großzog, arbeitete sie in Stuttgart für das Diakonische Werk der EKD, das war ihr Start in die Erwachsenenbildung, allen voran die Aussiedlerseelsorge. Die Aufgaben wuchsen; in ihren Fortbildungen saßen am Ende sogar Pfarrer. Mit dem Kennenlernen ihres späteren Ehemanns Jan Bühner, eines Cuxhaveners, zeichnete sich der nächste Lebensabschnitt ab: Vorruhestand und nach vielen Besuchen der Umzug nach Cuxhaven.

"Ich habe mich sofort willkommen gefühlt"

Als Erstes wurde ihr durch die Emmaus-Gemeinde die Leitung des Seniorenkreises angetragen - "und kaum hatte ich zugesagt, mal zu schauen, stand ich schon mit einem Blumenstrauß da und wurde im neuen Amt begrüßt", erzählt sie lachend. "Ich habe mich sofort willkommen gefühlt." Der vorher rund 20-köpfige Kreis wuchs schnell auf 60 Personen.

Dann die Anfrage der Volkshochschule der Stadt Cuxhaven, die eine Leitung für den Altenclub suchte: "Man versuchte, mir diese Aufgabe schmackhaft zu machen: Nur eine Veranstaltung im Monat. Für den wichtigen Teil des Nachmittags, Kaffee, Kuchen und Gespräch, würden mir ehrenamtliche Helferinnen des DRK zur Seite stehen. Ich müsste lediglich begrüßen und mich rechtzeitig um Referenten für den zweiten Teil des Nachmittags kümmern. Dazu würden mir bewährte Kräfte zur Verfügung stehen. Dann würde es schon laufen und Erfahrung in der Seniorenarbeit würde ich ja mitbringen", erinnert sie sich.

Enorm bedeutsam für den Zusammenhalt in der Stadt Cuxhaven

Dass daraus - zusammen mit dem bald hinzukommenden dritten Ehrenamt, der Wärmestube (heute Bürgerküche) - das Arbeitspensum einer Vollzeit-Tätigkeit erwuchs, sagt sie nicht, das übernimmt ihr Mann Jan, der das Verdienst seiner Frau genau einzuordnen weiß: "Inge hat enorm viel für den Zusammenhalt in dieser Stadt getan."

Für den Altenclub - bald sehr viel zeitgemäßer "Treffpunkt Spätlese" genannt - gewann sie zahlreiche Referentinnen und Referenten, etablierte wie schon zuvor in Stuttgart das Angebot "Tee & Literatur". Leider sei der hier durch die Pandemie entstandene Knick immer noch nicht aufgeholt, bedauert sie.

Die Umgebung völlig neu kennengelernt

Als sich die Senioren Busfahrten wünschten, überlegte sie sich ein Programm, das ihnen bislang unbekannte Orte der näheren Umgebung nahebringen sollte: Ausflüge nach Dithmarschen und auf die andere Weserseite, zur Kunsthalle nach Bremen, nach Worpswede, zu sämtlichen Mühlen der Umgebung; manchmal auch sehr viel weiter; auch bis in die Toskana. Markenzeichen dabei: Bus-Gymnastik mit Inge. "Darauf haben die Leute nachher schon bestanden, richtig lustig war das." Sie erinnert sich auch noch lebendig an die erste Begegnung mit Cuxliner-Chef Torsten Maass: "Er, ebenfalls Speditionskaufmann, hat mich sofort als Kollegin akzeptiert."

Viele ihrer Interessen und Leidenschaften spiegelten sich in den umgesetzten Fahrten und Veranstaltungen wider; erst recht aber ihr soziales Engagement, ihr Umweltbewusstsein und ihr Einsatz für die Demokratie.  

In der Corona-Zeit hat sie ihre Leute nie vergessen: Unter anderem hielt eine Postkarten-Aktion mit 130 Teilnehmenden Kontakte aufrecht. Als die VHS saniert wurde und in die Grimmershörn-Kaserne auswanderte, wich sie in den Bürgerbahnhof aus.

Nun - mit dem 80. Geburtstag voraus - ist die Zeit für einen Rückzug gekommen. Die Emmaus-Senioren weiß sie bereits in guten Händen; in den kommenden Tagen wird sie nach 13 spannenden Jahren durch die VHS verabschiedet. Die Reihe "Tee & Literatur" bietet sie weiterhin an. Die weitere Energie soll dann ganz der Arbeit in der Bürgerküche zukommen. Und Inge und Jan Bühner freuen sich auf eine Art zweiten Ruhestand - mit etwas mehr Zeit fürs Kochen, Lesen und Reisen.

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Maren Reese-Winne

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

mreese-winne@no-spamcuxonline.de

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