Sie sind die drei „achtertükschen“ Schwestern: (von links) Andrea Hinke
(Judith), Ingrid Ortmann (Eva) und Sarah Osterloh (Christin). Foto: Speeldeel
Sie sind die drei „achtertükschen“ Schwestern: (von links) Andrea Hinke (Judith), Ingrid Ortmann (Eva) und Sarah Osterloh (Christin). Foto: Speeldeel
Plattdeutsches Theater

Premiere bei der Döser Speeldeel mit Peter Buchholz‘ Komödie "Achtertüksche Süstern"

16.01.2026

Drei Schwestern, ein Erbe und viele Geheimnisse auf der Bühne des Cuxhavener Stadttheaters. Peter Buchholz‘ plattdeutsche Komödie "Achtertüksche Süstern" bietet nicht nur Lacher, sondern auch tiefgründige Momente und überraschende Wendungen.

Von Ilse Cordes

So manches Theaterstück kann man nur auf die Bühne bringen,

wenn man die richtige Besetzung hat. Das ist beim hochdeutschen Theater

nicht anders als beim plattdeutschen. Das neue Speeldeel-Stück, das am

Donnerstagabend, 17. Januar 2026, im Cuxhavener Stadttheater Premiere hatte, ist ein solches Stück.

In "Achtertüksche Süstern", der ins Niederdeutsche übertragenen Komödie

von Peter Buchholz, sind es Andrea Hinke, Ingrid Ortmann und Sarah

Osterloh, die den Ton angeben und das Stück einen Theaterabend lang auf

ihre Weise tragen.

Nach klassischer Komödien-Art ist Buchholz‘ Theaterstück "Die gefälschte

Wahrheit", so der Titel des hochdeutschen Originals, eben kein plattes

Lustspiel, sondern hat durchaus auch ernstere Züge. Und natürlich hat

das auch Kerstin Stölting bei ihrer plattdeutschen Übersetzung im Blick.

Ob und wie es dann auf der Bühne realisiert wird, liegt am Ende in der

Hand des Regisseurs und seines Ensembles. Gastregisseur Philip Lüsebrink

hat mit Andrea Hinke (Judith), Ingrid Ortmann (Eva) und Sarah Osterloh

(Christin) drei ganz unterschiedliche Charaktere und damit die

bestmögliche Besetzung für das Stück.

Eigentlich ist der Anlass des Zusammentreffens der drei Schwestern ein

trauriger - der Tod des Vaters. Doch mit Ausnahme der Jüngsten war der

Kontakt der beiden Älteren zum Vater mehr als spärlich, deshalb geht's

für sie jetzt vor allem ums Erben. Judith, eigentlich wohlbestallte

Ärztin, ist mit einem Ehemann gesegnet, der das Geld mit Rennpferden

verpulvert. Eva, die drei Kinder von drei verschiedenen Männern hat und

dazu noch ein offenkundiges Alkoholproblem, möchte auch unbedingt

wissen, was es denn aus Vaters Erbe noch zu holen gibt. Dass der sich,

wie die Jüngste zu berichten weiß, total geändert haben und zum

kunstsinnigen Sammler mutiert sein soll, hören die beiden anderen mit

ungläubigem Staunen.

Autor Buchholz hat in sein Stück eine Menge derzeit angesagter Themen

hineingepackt - bis hin zur viel jüngeren Galeristinnen-Geliebten, die

gleichzeitig auch die Liebe von Christin ist. Überraschungen sind also

inbegriffen - ein Gemälde rückt immer mehr ins Blickfeld, von der

Aussicht auf Millionen ist die Rede und dann doch wieder nicht. Das Ende

ist, zugegeben, ein wirklich gelungener Einfall. Nur, bis es dahin

kommt, verstreicht eine Menge Zeit. Einige Striche hätten dem nach der

Pause merklich zähflüssiger werdenden Stück schon gut getan, auch was

die Dialoge angeht. Dass das Stück mit den drei Frauen steht und fällt,

ist klar. Das weiß auch der Regisseur und lässt seinen drei Spielerinnen

daher alle Zeit der Welt, setzt zudem auf Nuancen, was der Sache als

solcher zugutekommt. Und dennoch muss sich der Griff zum Weinglas nicht

x-mal wiederholen, um dem Publikum vorzuführen, wo das Problem liegt.

Weniger wäre da sicherlich mehr gewesen.

Für Andrea Hinke, Ingrid Ortmann und Sarah Osterloh ist Peter Buchholz‘

Theaterstück ein Geschenk. Allen Dreien bietet es die Chance zu zeigen,

was sie können. Andrea Hinkes‘ Judith ist angriffslustig, hart im Nehmen

und hart gegen sich selbst. Ingrid Ortmanns Eva ist demgegenüber eher

auf Vermittlung aus. Scheinbar leichtlebig und salopp verbirgt sich

dahinter aber auch so manch Verletzliches. Was in der so verträglichen,

den Ereignissen zugewandten Christin von Sarah Osterloh wirklich steckt,

offenbart sich erst am Ende des Stücks. Ist sie die eigentlich

"Achtertüksche", die Gewiefteste unter den Dreien? Wahrscheinlich.

Bei Licht besehen sind die drei Frauenrollen in Peter Buchholz‘ Stück um

Einiges vielschichtiger als sie anfangs scheinen. Diese Rollen ganz und

gar auszufüllen, verlangt viel von den Darstellerinnen, vermutlich zu

viel. Da ist es dann schon beachtlich, wenn sie ganz nah herankommen an

dieses Ziel, so wie die Drei am Donnerstagabend bei der Premiere, wo

ihnen zu Recht der Beifall gehörte.

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