Karina Sturm (l. ) und Anne Gersdorff sind in diesem Jahr zum Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen in Cuxhaven zu Gast. Foto: Andi Weiland / Gesellschaftsbilder.de
Karina Sturm (l. ) und Anne Gersdorff sind in diesem Jahr zum Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen in Cuxhaven zu Gast. Foto: Andi Weiland / Gesellschaftsbilder.de
Sprache befeuert Vorurteile

Inklusion statt Diskriminierung: Autorinnen erklären in Cuxhaven, wie es geht

von Maren Reese-Winne | 18.04.2025

Gemeinsam haben Karina Sturm und Anne Gersdorff das Buch "Stoppt Ableismus!" geschrieben. Was das ist und wie es gestoppt werden kann, wollen sie am Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen in Cuxhaven erklären.

Ihre Namen tauchen immer wieder auf, wenn in Deutschland die Rede von einer inklusiven Gesellschaft ist. Gemeinsam haben Karina Sturm und Anne Gersdorff das Buch "Stoppt Ableismus!" geschrieben. Daraus wollen sie am Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen in Cuxhaven lesen und gleichzeitig erklären, was es mit diesem Begriff auf sich hat und wie eine veränderte Grundeinstellung das Leben aller besser machen könnte.

Zeigen, was im Verborgenen abläuft

Am Montag, 5. Mai, um 19 Uhr liest das Autorinnenduo in der Stadtbibliothek Cuxhaven, um Beispiele aus Bildung und Arbeitsleben zu schildern und typische Abwehrmechanismen offenzulegen, die denen, die sie gebrauchen, nicht einmal bewusst sind. In Gegenbeispielen wollen sie - ohne erhobenen Zeigefinger - zeigen, wie gegenseitige Unterstützung funktionieren kann.

"Sozialhelden" wollen Lösungen schaffen

Anne Gersdorff ist studierte Sozialarbeiterin und Referentin für berufliche Integration im Verein "Sozialhelden", der das Thema Inklusion lebensnah in die Gesellschaft trägt - mit Kampagnen, Schulungen und Apps wie der interaktiven Barriere(freiheits-)Karte "Wheelmap.org", die täglich um mehrere Hundert Einträge wächst - viele davon auch in Cuxhaven. Anne Gersdorff gibt freiberuflich Workshops zum Thema Inklusion und Behinderung und engagiert sich unter anderem bei AbilityWatch, einer Selbstvertretung behinderter Menschen in Deutschland. Sie selbst sitzt im Rollstuhl und erlebt in ihrem beruflichen und privaten Alltag immer wieder Diskriminierung.

Journalistin, Referentin, Podcasterin

Karina Sturm ist Journalistin, die Fachwissen mit persönlichen Erfahrungen im Bereich chronische Krankheit und Behinderung kombiniert. Sie schreibt für nationale und internationale Publikationen, darunter das Online-Magazin "Die Neue Norm" und das "Ability Magazine", über alle Themen rund um chronische Krankheit und Behinderung und ist national und international eine gefragte Referentin. Zusammen mit Jonas Karpa und Raúl Krauthausen spricht sie im Bayern2-Podcast "Die Neue Norm" über Vielfalt, Inklusion und das Leben. Über ihre eigene Krankheit - das Ehlers-Danlos-Syndrom - hat sie einen Ratgeber geschrieben.

Was hinter dem Begriff "Ableismus"steckt

Der Begriff "Ableismus" (gesprochen "Äbelismus", von engl. "to be able") beschreibt mehr als Behindertenfeindlichkeit. "Wenn jemand ableistisch handelt, schließt er oder sie von der Behinderung eines Menschen auf seine geistigen oder körperlichen Fähigkeiten, ohne die Person dazu gefragt zu haben oder Genaueres darüber zu wissen", sagt die "Aktion Mensch".

Ableismus kann sich auch in einer Sprache zeigen, die sich um eine klare Benennung einer Behinderung herumdrückt oder behinderten Menschen automatisch Leid unterstellt ("an den Rollstuhl gefesselt sein" statt: "einen Rollstuhl nutzen"). Eine andere Form von Ableismus äußert sich als "Gaslighting", eine Verhaltensweise, die  Betroffenen ihre Beschwerden permanent abspricht und ihnen keinen Glauben schenkt.     

Zeit zum Austausch ist gegeben

Für Menschen mit Hörbeeinträchtigung wird am 5. Mai eine Ringschleife im Saal der Bibliothek verlegt, außerdem werden Gebärdendolmetscherinnen die Veranstaltung begleiten. Eintrittskarten zum Preis von fünf Euro gibt es schon jetzt in der Stadtbibliothek, Kapitän-Alexander-Straße 1, Telefon (0 47 21) 700 70 800, E-Mail: stadtbibliothek@cuxhaven.de. Für kleine Erfrischungen sorgen Mitglieder der Bibliotheksgesellschaft.

Am 5. Mai wird der Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen mit zahlreichen Veranstaltungen begangen. Cuxhaven ist immer dabei. Veranstalter ist der Beirat für Menschen mit Behinderungen der Stadt in Kooperation mit der Lebenshilfe Cuxhaven. Die Lesung wird gefördert durch die Aktion Mensch.

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Maren Reese-Winne

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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