Jetzt wollen die "Omas gegen Rechts" auch in Cuxhaven durchstarten
"Ihr seid das Fundament", diesen Ausspruch empfinden die "Omas gegen Rechts" auch als Auftrag, aktiv zu werden gegen Rechtsextremismus. Ein erstes Treffen zum Aufruf einer lokalen Gruppe in Cuxhaven stieß auf hohe Resonanz; nun geht es weiter.
Von Maren Reese-Winne
Cuxhaven. Über 40 Interessierte kamen zum ersten Informationstreffen zur Gründung einer Cuxhavener "Omas gegen Rechts"-Gruppe am Donnerstag ins Begegnungszentrum Süderwisch, darunter auch eine Handvoll "Opas".
Eine überwältigende Resonanz in den Augen einiger aktiver Cuxhavenerinnen um Initiatorin Karin Ottens-Spargel. Grundlegendes sollte bei diesem Treffen geklärt werden: Wie groß ist das Interesse? Was machen die "Omas gegen Rechts" überhaupt? Auf welchem Weg kommunizieren wir? Wann und wo treffen wir uns?
Bei der Einführung entpuppten sich Marion Meyer und Christiane Rosenthal-Leslie aus der Gruppe in Stade als charismatische und ermutigende Begleiterinnen. Vorweg geschickt: Die "Omas gegen Rechts" verstehen sich als Bündnis (wenn es auch gleichwohl eingetragene Vereine gibt). Eine Vereinsgründung lehnten die Abwesenden wegen der rechtlichen Verpflichtungen übereinstimmend ab.
Der Begriff "Rechts" beschreibe Rechtsextremismus, machte Marion Meyer deutlich; die "Omas" verstünden sich als überparteiliches zivilgesellschaftliches Bündnis, offen für alle, denen die Werte einer demokratischen und rechtsstaatlich organisierten Gesellschaft wichtig seien: "Wir wollen die Angriffe darauf mit geeigneten Mitteln sichtbar machen."
Das war auch der Gedanke der Österreicherin Monika Salzer (geboren 1948), als sie im November 2017 eine Facebook-Gruppe dieses Namens gründete; ein Protest gegen die Beteiligung Rechtsextremer in der Regierung Kurz. 2018 erreichte die Bewegung Deutschland, wo inzwischen rund 150 Gruppen existieren.
"Alles ganz locker, jede, wie sie kann", das wurde beim Auftakttreffen als Leitwort ausgegeben; mit Rücksicht auf Befinden, Zeit und Geld (Kosten entstehen vor allem durch Fahrtkosten). Spenden flössen in Plakate, Standausstattung und Flyer, jedoch nicht an die Mitglieder oder gar in die Kaffeekasse.
Einig sei allen "Oma"-Gruppen der Einsatz für die Erinnerungskultur, zum Beispiel mit Aktionen an Jahres- und Gedenktagen. "Hütet Euch dabei aber bloß davor, in etablierte Angebote einfach so hineinzuplatzen; sucht Kontakt zu bestehenden Gruppen und lokalen Ansprechpartnern", rieten die Gäste aus Stade eindringlich.
Einmal im Monat (vor der Europawahl häufiger) stehen die "Omas gegen Rechts" in Stade in der Innenstadt, sprechen mit Bürgerinnen und Bürgern, ergründen, woher rechtes Gedankengut in die Köpfe kommt. "Das sind gute Gespräche, auch mit Touristen. Seit dem aufgedeckten Geheimtreffen Rechtsextremer in Potsdam sind die Menschen noch viel ansprechbarer und kommen von selber auf uns zu."
Die "Omas" zeigen darüber hinaus bei Demonstrationen und Veranstaltungen in der gesamten Region und darüber hinaus Präsenz, immer mit den Schildern und Transparenten von "Omas gegen Rechts"; in schwarzer Schrift auf weißem Grund. Ob das nicht zu düster sei, wurde aus dem Publikum gefragt. Jedoch sei dies zu einem Markenzeichen geworden, hieß es: Die Schrift sei gut zu lesen und durch den Verzicht auf Farbe würden parteipolitische Statements vermieden.
"Man weiß, dass dieses
Engagement gut ist"
Die Aktionen seien vielfältig und auch beglückend, verrieten die Gäste. Nach einer Gegendemonstration zum AfD-Landesparteitag in Unterlüß/Landkreis Celle (einst Außenstelle des Konzentrationslagers Bergen-Belsen) ausgerechnet am 20. April (Hitlers Geburtstag) spürte Christiane Rosenthal-Leslie: "Man weiß, dass es richtig gut war, was man da gemacht hat. Das gibt wieder neue Kraft."
Bezeichnend blieb auch ein anderes Erlebnis im Gedächtnis: Eine Gruppe junger Leute; voll des Lobes über das Engagement der "Omas". Auf den Hinweis hin, dass dies eigentlich die Aufgabe der Jugend sei, entfuhr es einem Mädchen: "Ja, aber Ihr seid das Fundament!" "Ihr habt das Wissen und die Erfahrung", sagten die Staderinnen zu den Anwesenden. "Wir alte Leute müssen etwas tun, um die Jüngeren zu aktivieren."
Sie rieten, den Gruppenaufbau behutsam anzugehen, mit einem Treffen im Monat, Kennenlernen, Entdecken der Talente. Interessierte konnten sich in eine Liste eintragen; der nächste Termin wird schnellstmöglich bekanntgegeben. Kontakt zur Gruppe kann per E-Mail aufgenommen werden: omasgegenrechts-cuxhaven@gmx.de. Eine Gruppe im Messengerdienst Signal soll die Kommunikation erleichtern.
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