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Wie schnell wird der Leerstand in der Rohdestraße 5 behoben werden können, wenn das MVZ umzieht? Foto: Reese-Winne
Wie schnell wird der Leerstand in der Rohdestraße 5 behoben werden können, wenn das MVZ umzieht? Foto: Reese-Winne
Meinung

Kommentar zum MVZ-Umzug: Stadt Cuxhaven muss nun den Kollateralschaden allein tragen 

von Maren Reese-Winne | 06.11.2026 Zuletzt aktualisiert: 06.11.2026 19:38 Uhr

Der Drops ist gelutscht, der Zug ist abgefahren, das war es mit dem MVZ Rohdestraße. Auch wenn der Landkreis versichert, dass es keine Unterbrechung in der medizinischen Versorgung gebe, ist das eine bittere Erkenntnis, findet unsere Kommentatorin.

Deutlicher als Uwe Santjer in der Ratssitzung konnte man es nicht ausdrücken. Der Landkreis hat entschieden und hatte nie vor, die Stadt Cuxhaven in den Prozess einzubeziehen oder sich auf Kompromisse einzulassen. Die Ärzte Dr. Henrik Lüder, Dr. Yasar Aydin und Ralf Merheim werden ab dem 1. April 2027 (nur noch) in Otterndorf und Abed Aref und Dr. Elmar Burg in Nordholz anzutreffen sein.

Die Kollateralschäden verbleiben in der Stadt Cuxhaven mit einem Leerstand in ihrer zentralsten Lage, einer wahrscheinlich verlorenen Apotheke und einer empfindlich verringerten wohnortnahen Versorgung genau in dem  Moment, in dem sie attraktiv für Neubürger sein muss, um den wirtschaftlichen Aufschwung zu stemmen und dem demografischen Wandel etwas entgegenzusetzen. 

Wer die Verlagerung auf ein Komfortproblem reduzieren will, verkennt Lebensrealitäten

Wer die Verlagerung auf ein Komfortproblem reduzieren will, verkennt so einiges an Lebensrealitäten. Alte Leute können nicht mehr Auto fahren und sollen es nach dem Willen der Gesellschaft auch nicht. Das Russisch-Roulette der Bahn - welcher Zug fährt heute? - ist nahezu täglich Thema und am Bahnhof in Otterndorf angekommen befinden sich die Menschen noch lange nicht am Klinikstandort.

Ein Taxi können viele nicht locker finanzieren - und das nicht etwa wegen ihres ausufernden Konsumverhaltens, sondern das Geld schlichtweg fehlt. Und was die Hilfe von Freunden und Familie angeht: Ein Blick in die Statistik hilft, und die besagt, dass es sich bei 12.330 der insgesamt 26.586 Haushalte in der Stadt Cuxhaven um Single-Haushalte handelt, das sind 46 Prozent (Quelle: Zensus 2022, veröffentlicht 2024).

Redakteurin Maren Reese-Winne bezieht Position zum geplanten Umzug des MVZ Rohdestraße. Foto: Kramp

Der Einsatz von Krankentransportwagen auf Kassenkosten, also auf dem Rücken aller, wird ja wohl kaum ernsthaft als Alternative in Betracht gezogen.

Dem Landkreis gebührt nicht allein der Schwarze Peter

Aber dem Landkreis - der Landrat hat sich im Gespräch mit unserer Redaktion für den zögerlichen Gang in die Öffentlichkeit entschuldigt, steht aber fest zu seinen Argumenten - gebührt nicht allein der Schwarze Peter. Die jüngsten Entscheidungen in der Gesundheitspolitik, die die MVZ-Entscheidung mit befeuert haben, werden wir alle noch zu spüren bekommen - zumindest das Fußvolk der gesetzlich Versicherten. Selbst Vorsorgeuntersuchungen, ob bei Mann, Frau oder Kind, werden wieder budgetiert, freie Termine in Praxen für die Meldung an die Terminservicestellen geblockt, Hilfsmittel nicht nach Zweck, sondern nach Preis ausgewählt.

Wie viele niedergelassene Ärzte das lange mitmachen, dürfen wir gespannt erwarten; Vorhersagen verheißen nichts Gutes. Dann können Alternativen wie ein RVZ in der Stadt Cuxhaven nochmal sehr wichtig werden. Oder Gesundheitsleistungen werden gleich als Selbstzahler finanziert. 

Für die Landbevölkerung mag die Aussicht auf kürzere Fahrzeiten verlockend sein. Auch sie müssen allerdings erst mal einen Termin ergattern. Die Hausarztversorgung in Otterndorf und umzu verbessert sich durch den Umzug nicht, denn diese Leistung wandert komplett ans RVZ in Nordholz und somit sogar in einen anderen hausärztlichen Versorgungsbereich.

Großes Schweigen auch in der Lokalpolitik

In all dem müssen die Betroffenen feststellen, dass das Thema schlussendlich nicht genug Protest erzeugen konnte. Denn die Politik schwieg fast geschlossen und auch die Protest-Organisatorin Sabine Adameit blieb bis auf wenige Ausnahmen Einzelkämpferin. Ein guter Teil des öffentlichen Zorns wird sich nun womöglich ausgerechnet über die Person ergießen, die in den letzten Wochen jede Alternative ausgelotet, Gespräche geführt hat und bis zum niedersächsischen Sozialministerium gegangen ist: Oberbürgermeister Uwe Santjer. Er hat die Gesundheitsversorgung in der Ratssitzung zu Recht als eines der drängendsten Themen dieser Ratsperiode benannt

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Maren Reese-Winne

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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