Künstlerische Freiheit: Sprechen Sie Bäcker-Deutsch?
Seit Jahren begeistert die Kolumne "Moin Cuxhaven" die Leserschaft der Cuxhavener Nachrichten und der Niederelbe-Zeitung. Inzwischen sorgt die Rubrik auch auf cnv-medien.de für Unterhaltung. Heute: Rätselraten an der Bäcker-Theke.
In welchem Fieberwahn mögen die Food-Designer und -texter manchmal dasitzen und sich neue Brötchennamen ausdenken? Und vor allem: Warum? Das fragte ich mich, als ich kürzlich in einer fremden Stadt die Frühstückskarte einer Bäckerei studierte und mein Blick an Körner-Schlingeln, "Schlawinern" und "Croissants à l‘Eu" hängenblieb. Was bitte soll das alles sein? Gäste, die nicht schon an Brötchen, Semmeln, Wecken und Schrippen gescheitert sind, tun es jetzt. Die KI fantasiert von "Croissants à l‘eau" (eau = Wasser), die angeblich in Wasser getaucht werden, dabei ist der Name schlichtweg auf die französische Partnerstadt der Gemeinde, Eu, zurückzuführen. Ich fühle mich, als hätte ich einen Clown gefrühstückt, als ich am Tresen einen Körner-Schlingel ordere (gibt es wohl auch weiße, Mohn- oder Sesamschlingel?). Der Schlawiner entpuppt sich als lässig dahingeworfenes Backwerk mit spitz zulaufenden Ecken - kein Stück wie das andere, sondern immer ein bisschen frech und durcheinander. Eigenschaften, wie sie eben laut Duden einem "Schlawiner" zugeschrieben werden. Was die Namenskreationen bei Sprachpuristen anrichten, bleibt unterdessen noch unerforscht. Dafür haben sie schon Generationen von Kolumnistinnen und Kolumnisten beschäftigt. Na bitte, ist doch auch schon was.
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