Richter Adam in der Zwickmühle: Heinrich von Kleists Klassiker über Korruption und Machtmissbrauch wird am 16. Februar im Stadttheater aufgeführt. Foto: Tim Müller/TfN
Richter Adam in der Zwickmühle: Heinrich von Kleists Klassiker über Korruption und Machtmissbrauch wird am 16. Februar im Stadttheater aufgeführt. Foto: Tim Müller/TfN
Stadttheater Cuxhaven

Lügen, Leichen und einen digitalen Feldzug im Stadttheater Cuxhaven entdecken

von Jens Potschka | 02.02.2026

Ein Richter, der über sein eigenes Verbrechen urteilen muss, eine Leiche im Schiebefenster eines Hotels und ein digitaler Feldzug gegen Kylie Jenner - das Stadttheater Cuxhaven präsentiert Abende voller unerwarteter Wendungen und brisanter Themen.

Das Stadttheater an der Rathausstraße 21 serviert im Februar und März drei Inszenierungen zwischen Klassik und Gegenwart. Sie reichen von Kleists meisterhafter Komödie über britische Boulevard-Turbulenz bis zur provokanten Social-Media-Satire.

Die Wahrheit? Kann warten. Jedenfalls, wenn Dorfrichter Adam am Montagabend, 16. Februar, um 20 Uhr ramponiert, verkatert und in höchster Not auf der Bühne des Stadttheaters erscheint. Denn der Mann muss über ein Verbrechen urteilen, das er selbst begangen hat. Heinrich von Kleists "Der zerbrochne Krug" gehört zu den raffiniertesten Komödien der deutschen Literatur, und das nicht ohne Grund: Selten wurde Vertuschung so grandios inszeniert, selten Korruption so entlarvend komisch.

Ein Krug, eine Nacht, viele Verdächtige

Marthe Rull klagt, ihr kostbarer Krug sei zerbrochen, und zwar im Zimmer ihrer Tochter Eve. Unter Verdacht steht deren Verlobter Ruprecht. Oder war es der Nebenbuhler Lebrecht? Gar der Teufel? Eve kennt die Wahrheit, schweigt aber beharrlich. Während Richter Adam sich in absurde Argumentationskapriolen verstrickt, entfaltet Kleist ein sprachlich virtuoses Feuerwerk, das 1808 in Goethes Regie uraufgeführt wurde und bis heute nichts von seiner Sprengkraft verloren hat. Machtmissbrauch, Korruption, die Käuflichkeit von Institutionen: All das wird in dem Klassiker brandaktuell verpackt in brillantem Wortwitz.

Die Inszenierung des Theaters für Niedersachsen wird am 17. Februar um 11.30 Uhr für Schulklassen wiederholt, denn das Thema hat an Cuxhavener Schulen nach wie vor Unterrichtsrelevanz.

Champagner, Kaviar und eine Leiche im Fenster

Vier Tage später, am Freitag, 20. Februar, wird es noch turbulenter. Ray Cooneys Komödie "Außer Kontrolle" verspricht in einer Inszenierung des Westfälischen Landestheaters Boulevard-Theater vom Feinsten. Staatsminister Richard Willey checkt in der Westminster-Suite eines Londoner Luxushotels ein, offiziell wegen der Parlamentsdebatte, tatsächlich wegen Jane. Die Sekretärin arbeitet ausgerechnet für die Opposition, was dem geplanten Stelldichein pikante Würze verleiht.

Doch statt romantischer Zweisamkeit bei Champagner und Austern hängt plötzlich ein lebloser Privatdetektiv im Schiebefenster. Der herbeigerufene Assistent George soll diskret entsorgen, produziert aber aus jedem gelösten Problem drei neue. Ein misstrauischer Hotelmanager, ein allzu hilfsbereiter Kellner und schließlich Pamela, Richards bezaubernde Gattin, die zum Überraschungsbesuch auftaucht, lassen das perfekt geplante Techtelmechtel zur Katastrophe in Zeitlupe geraten.

Social Media als Schlachtfeld

Einen radikalen Themenwechsel vollzieht das Stadttheater im März. Am Montag, 16. März, um 20 Uhr zeigt Jasmine Lee-Jones mit "Sieben Wege, Kylie Jenner zu töten" einen der kühnsten zeitgenössischen Texte der vergangenen Jahre. Die 1998 in London geborene Autorin lässt ihre Protagonistin Cleo, alias @incognegro, einen digitalen Feldzug gegen die Forbes-gekrönte Milliardärin starten.

Die Frage: Wie könnte man Kylie Jenner töten? Cleos Begründung: Schwarze Frauen wurden jahrhundertelang für ihr Aussehen diskriminiert, während Jenner genau diesen Look vermarktet und daraus Profit schlägt. Was als provokanter Tweet beginnt, entwickelt sich zum unkontrollierbaren Shitstorm. Selbst Cleos beste Freundin Kara distanziert sich. Die Grenzen zwischen Twittersphäre und Realität verschwimmen.

Lee-Jones - übersetzt von Enis Maci - verhandelt Cybermobbing, die Macht sozialer Netzwerke, kulturelle Aneignung, Rassismus, schwarze Weiblichkeit, Queerness und die ungerechte Verteilung von Privilegien. Ungeschönt, eindringlich, hochaktuell. Mit Davina Fox in der Inszenierung der Landesbühne Niedersachsen Nord.

Karten und Information

Theaterkarten für alle Vorstellungen sind in der Kulturinformation der Stadt Cuxhaven, Schlossgarten 2, erhältlich. Telefonische Reservierungen werden unter Telefon (0 47 21) 6 22 13 entgegengenommen. Karten im Netz gibt es unter www.cuxhaven.de/tickets.

Wenn der Seitensprung zur Katastrophe wird: Ray Cooneys Boulevard-Komödie "Außer Kontrolle" verspricht am 20. Februar turbulente Unterhaltung mit britischem Timing. Foto: Volker Beushausen
Davina Fox als Cleo in Jasmine Lee-Jones' provokanter Social-Media-Satire: Am 16. März wird im Stadttheater ein ungeschönter Blick auf Rassismus, kulturelle Aneignung und digitale Macht geworfen. Foto: Volker Beinhornn

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Jens Potschka

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

jpotschka@no-spamcuxonline.de

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