Projektleiter Jörg Flehnert, der künstlerische Leiter Niels Hertel und Pastor Hans-Christian Engler (v.l.) sind gespannt darauf, was sie in diesem Mammut-Projekt der "Kulturkirche" erwartet. Foto: Reese-Winne
Projektleiter Jörg Flehnert, der künstlerische Leiter Niels Hertel und Pastor Hans-Christian Engler (v.l.) sind gespannt darauf, was sie in diesem Mammut-Projekt der "Kulturkirche" erwartet. Foto: Reese-Winne
Professionell begleitet

Wie eine Akademie: Junge Kunst-Talente aus Cuxhaven werden ein Jahr lang gefördert

von Maren Reese-Winne | 02.02.2026

Seit Kurzem ist die Gnadenkirche in Cuxhaven auch eine offizielle Kulturkirche. Davon soll nicht nur das Publikum etwas haben: Junge Kunsttalente können sich in einem demnächst startenden Projekt sogar auf eine Hochschulbewerbung vorbereiten. 

Wie hoch der Stellenwert dieses Projekts ist, lässt sich schon daran erkennen, dass für die Teilnahme eine Bewerbung mit Motivationsschreiben und Arbeitsproben erforderlich ist: Dafür sind die Chancen, die sich aus dem Programm "Arts and Talents" ergeben können, riesig: Bis zu zwölf Jugendliche und junge Erwachsene können innerhalb eines Jahres zahlreiche Ausdrucksformen kennenlernen, unter Anleitung eine professionelle Sicht auf die Kunst gewinnen, ihre künstlerische Heimat finden oder sogar auf eine Bewerbung an einer Universität oder einer Kunsthochschule hinarbeiten.

Im vergangenen Herbst ist die Cuxhavener Gnadenkirche in das Kulturkirchen-Programm der Hanns-Lilje-Stiftung der evangelischen Landeskirche Hannovers aufgenommen worden. Der Kurs wird ein Herzstück der Aktivitäten sein, die dank der Anschubfinanzierung von 60.000 Euro (verteilt auf vier Jahre) möglich gemacht werden. Ein künstlerisches Talent zu entdecken und auszubauen, das muss nach Ansicht des Koordinators Jörg Flehnert und des künstlerischen Leiters Niels Hertel nicht mehr hinter verschlossenen Türen zu Hause stattfinden: "Das Projekt ist mit der Chance verbunden, der Vereinzelung entgegenzuwirken." 

Hafenleben auf die Wand gebracht: eine gemeinsam von Jim Albrand und Niels Hertel übernommene Auftragsarbeit für N-Ports. Fotzo: Hertel

Niels Hertel ist als freischaffender Künstler selbstständig in Cuxhaven und seine Werke begegnen Einheimischen und Gästen an vielen Stellen der Stadt: an einer Häuserwand am Schleusenpriel, an Mauern, Garagenrückwänden, Bushaltestellen. Für die großflächigen Arbeiten, die er zusammen mit dem Künstler-Kollegen Jim Albrand meist als Auftragsarbeiten anfertigt, ist er in Cuxhaven bekannt.

Auf künstlerische Weise den Raum einbeziehen: Aus der Studienzeit in Kassel. Foto: Hertel

Dabei gehöre seine Leidenschaft eigentlich raumgreifenden bildhauerischen Arbeiten, verrät er. Die Gnadenkirche biete eine "überwältigende" Umgebung für künstlerisches Schaffen. Diesen Raum möchte er mit den jungen Leuten erschließen. In der Kunstszene bewegt er sich souverän - inklusive Kunstklassen und Kunstakademien. Selbst hat er an der Kunsthochschule Kassel studiert und war dort Meisterschüler bei Prof. Norbert Radermacher; übrigens immer mit dem Ziel, danach nach Cuxhaven zurückzukehren.

Niels Hertel schätzt den Kirchenraum mit seinen besonderen Elementen als besonders einladenden Ort für eigene künstlerische Interpretation. Foto: Reese-Winne

Kirche bietet Raum, um Talente auszuleben

Der Kurs "Arts and Talents" - ein Workshop-Format mit zwei mindestens dreistündigen Treffen pro Monat (jeden 2. und 4. Donnerstag im Monat von 17 bis 20 Uhr) - soll im März 2026 beginnen und bis einschließlich Januar 2027 dauern. Es gibt Platz für drei bis zwölf Interessierte im Alter zwischen 15 und 20 Jahren. Unter enger Begleitung des Bildenden Künstlers und Pädagogen (Lehramtsstudium Kunst/Philosophie) Niels Hertel soll sich die Gruppe gemeinsam mit künstlerischen Ausdrucksformen der Vergangenheit und Gegenwart auseinandersetzen und parallel dazu eigene Positionen erarbeiten, die von ihren individuellen Interessen abhängen. "Die kritische Diskussion in der Gruppe gehört dazu", kündigt Niels Hertel an. Das Feedback der anderen Gruppenmitglieder fließe in den Prozess der persönlichen Auseinandersetzung ein - ein Vorgeschmack auf das Vorgehen an vielen deutschen Kunsthochschulen. Der Kurs kann auch als Mappenvorbereitung zur Bewerbung an einer Kunsthochschule genutzt werden. 

Kunst im Raum, die auf andere Art neugierig macht: ein Projekt von Niels Hertel in Kassel.

"Wir wollen junge Menschen außerhalb der Schule in ihrer Entwicklung fördern", kündigt Jörg Flehnert an. Diese Entdeckungsreise lade die Teilnehmenden auch dazu ein, sich mit anderen Themen zu beschäftigen, die für sie in dieser Lebensphase wichtig sind - dies sei gleichzeitig Ausdruck einer modernen und neuer Art von Kirchenarbeit mit dem Ziel, Jugendlichen etwas Handfestes für ihre Zukunft mitzugeben. Ein Weg, den Pastor Hans-Christian Engler gerne mitgeht - auch wenn er noch nicht weiß, ob er die Kirche in den nächsten Monaten jedes Mal wiedererkennen wird. Gegen Ende der gemeinsamen Zeit soll der Innenraum (wahrscheinlich?) zu einem Ausstellungsraum werden; die Vorbereitung darauf darf gleich als weitere praktische Lerneinheit verstanden werden.

Im Konzept heißt es weiterhin:  "Es geht in dem Kurs auch darum, eine Selbstverpflichtung zu erproben, die im späteren Verlauf einer ernsthaften künstlerischen Auseinandersetzung und entsprechender Ausbildung von Bedeutung sein wird."

Die Teilnahme ist kostenfrei und der Großteil der Materialien wird gestellt - außer eine individuelle Idee erfordert den Einsatz eigener Materialien und Werkzeuge.

So funktioniert die Bewerbung

Die Bewerbungsunterlagen setzen sich aus einem Motivationsschreiben mit maximal 1200 Zeichen (inklusive Leerzeichen), einem kurzen  tabellarischen Lebenslauf (Din A4, ein Blatt  sowie einer Arbeitsprobe mit kurzer Erklärung (maximal 800 Zeichen) zusammen. Alles zusammen bitte beim Kulturbüro der KulturYard gUG, Scheidemühlplatz 7, 27474 Cuxhaven, einreichen und die Kontaktdaten inklusive E-Mail-Adresse nicht vergessen.

Bei der Arbeitsprobe kann es sich um jegliches selbst geschaffene künstlerische Werk handeln, das das DIN-A1-Format nicht übersteigt. Skulpturale Arbeiten bitte als fotografische Dokumentation einreichen und digitale Arbeiten auf USB-Stick. Arbeitsproben, die größer als Din-A4 sind, mögen bitte persönlich im Kulturbüro abgegeben werden.  Die Bewerbungsfrist endet am 28. Februar und bis zum 8. März erfolgen die Zu- oder Absagen per E-Mail.

"Alles für den Frieden" drückte die "Säule für Demokratie" am Bürgerzentrum Lehfeld aus. Das Projekt begleiteten Niels Hertel und Jim Albrand. Foto: Hertel
Die Gnadenkirche wird zu einer Kultur- und Lernstätte. Foto: Reese-Winne

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Maren Reese-Winne

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

reese-winne@no-spamcnv-medien.de

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