Gefällte Rosskastanien in Cuxhaven: Initiative zweifelt Rechtfertigung der Stadt an
Etwa 40 Cuxhavenerinnen und Cuxhavener haben am vergangenen Wochenende gegen die Fällung zweier Rosskastanien im Stadtzentrum protestiert. Bei einer Mahnwache in der Deichstraße kritisierten sie die offizielle Darstellung aus dem Rathaus scharf.
"Du fielst heut früh, ich kam zu spät. Du wirst dich nie im Wind mehr wiegen": Zeilen aus einem beinahe sechs Jahrzehnte alten Schlager könnten kaum passender sein: Das fanden eine Reihe von Bürgerinnen und Bürgern, die sich am Sonnabend in der Deichstraße versammelt hatten. Mit Holzkreuzen markierten sie die Standorte zweier Kastanien. Die Bäume waren nicht am selben Morgen, sondern auf den Tag genau eine Woche zuvor gefällt worden.
Zur Mahnwache aufgerufen hatte die örtliche Initiative Stadtgrün, deren Mitglieder die Fällaktion zuvor bereits scharf kritisiert hatten. Die beiden Bäume - geschätzt 170 Jahre alt seien vollkommen intakt gewesen, bekräftigten die Stadtgrün-Sprecherinnen Gabriele Grubel und Elke Schröder-Roßbach erneut. Wenig plausibel erschien den Veranstaltungsteilnehmern deshalb die Rechtfertigung aus dem Rathaus.

Spekulationen um geplante Wärmeleitung
Womöglich sei es gar nicht um das Deichband-Projekt gegangen: Unter Baumschützern wurden am Wochenende Spekulationen laut, dass die gefällten Rosskastanien mit ihren ausladenden Wurzeln stattdessen beim Bau der von der Forte Energie GmbH geplanten Fernwärmeleitung im Weg gewesen wären. Wie berichtet hatte sich die Betreibergesellschaft des örtlichen Holzheizkraftwerks dazu entschlossen, die Leitung auf NPorts-Gebiet, nämlich unter der rechts vom ehemaligen Seedeich verlaufenden Straße am Schleusenpriel zu verlegen.

Belege, dass die an der entgegengesetzten Böschung wachsenden Kastanien solch ein Vorhaben erschwert hätten, gibt es aktuell wohlgemerkt nicht. Die Stadtverwaltung hatte mit einer aus Gründen der Barrierefreiheit zu errichtenden Rampe argumentiert. Besagte Rampe soll Rollstuhlfahrern den Weg auf die künftige Promenade ebnen. Dass sie gebaut wird, ist Bedingung, um in den Genuss einer Fördersumme zu kommen, mit welcher das Städtebauprojekt steht oder fällt.
Umstürzen könnten auch die beiden Kastanien, hieß es zuletzt in einer Pressemitteilung aus dem Rathaus: Ein für den Rampenbau nötiger Wurzelabtrag gefährde die Stabilität der nach offizieller Darstellung in ihrer Vitalität beeinträchtigten Bäume.

Im "Deichband"-Exposé grafisch darsgestellt
Deren Schlag erfolgte demnach auch aus Gründen der Verkehrssicherheit - beziehungsweise unter Verweis auf die hohen Kosten, die anfallen würden, um die zwei Rosskastanien zu erhalten. Stadtgrün und Unterstützer zweifeln die genannte Summe (100.000 Euro) an. Sie sehen in der Erklärung einen Versuch, die wahren Gründe für die vor einer Woche erfolgte Entnahme der Bäume zu verschleiern. In der Vergangenheit, das kam bei der Mahnwache am Wochenende zur Sprache, hätten die nie zur Disposition gestanden. Im Gegenteil: In einer Visualisierung des künftigen Deichbands (das Blatt wurde am Sonnabend gezeigt) nehmen sie einen prominenten Platz ein. Und beschatten nicht nur die Deichstraße und Rampe mit ihren großen, sattgrün dargestellten Kronen.
"Ich fühlte mich bei dir geborgen und aller Kummer flog davon", sang Alexandra anno 1968. Der Liedtext war übrigens nicht der einzige künstlerische Beitrag, der in die Stadtgrün-Aktion eingebunden wurde. In einem aus eigener Feder stammenden Vers erinnerte eine Teilnehmerin daran, wie schnell es gehe, einen Baum zu kappen - in Relation zur der Zeit, die es braucht, bis ein Exemplar stattliche Größe erreicht.