Ein Postbote der Deutschen Post fährt auf einem Lastenrad. Symboilfoto: dpa/Robert Michael
Ein Postbote der Deutschen Post fährt auf einem Lastenrad. Symboilfoto: dpa/Robert Michael
Versorgungslücke

Bürger warten in Cuxhaven wochenlang auf ihre Post: "Das hat uns kalt erwischt"

von Wiebke Kramp | 18.07.2025

In Cuxhaven sorgt die Post für Frust: Briefe bleiben liegen, Rechnungen und andere Terminunterlagen kommen verspätet an. Zahlreiche Cuxhavener sind von der Zustellmisere betroffen. Ein Sprecher der DHL-Group verrät, woran es aktuell hapert.

In Cuxhaven gibt es offenkundig ein Problem mit der Postzustellung. Früher galt die Deutsche Post als Garant für Zuverlässigkeit, doch jetzt hat sie in Cuxhaven mit dem schlechten Ruf der Bahn gleichgezogen. Zahlreiche Einwohner sammeln aktuell schlechte Erfahrungen und müssen vor allem lange auf ihre Briefpost warten.

Dirk Herbert (64) aus Cuxhaven-Oxstedt mochte es zunächst gar nicht glauben, als er vom Postboten erfuhr, dass Briefe liegen bleiben und vorrangig Pakete und Zeitschriften zugestellt werden. Tatsächlich wartete der Rentner auf wichtige Briefe - aber die kamen lange nicht an. Erst am Mittwoch dieser Woche verkündete er: "Ich habe zwei Rechnungen bekommen, die waren auf den 3. Juli datiert." Zwei Wochen lang war diese Briefpost aus Cuxhaven und aus Nordholz unterwegs, bis sie es in seinen Kasten geschafft hat. Dirk Herbert jedenfalls findet: "Das ist doch kein Dauerzustand." Seinem Zusteller macht er keine Vorhaltungen, aber dem System, und er hofft auf zügige Abhilfe. Bezüglich der verzögert angekommenen Rechnungen wurde er selbst aktiv, griff zum Hörer und rief bei dem Unternehmen entschuldigend an. Von einer Mitarbeiterin bekam er zu hören: "Machen Sie sich darüber bloß keinen Kopf, wir wissen doch, dass die Post so lange dauert."

"Hohe Sendungsmengen im Paketbereich"

Jens-Uwe Hogardt, bei der DHL-Group für regionale Kommunikation im Norden zuständig, teilt auf CN/NEZ-Nachfrage schriftlich mit: "Momentan haben wir in Cuxhaven einige Herausforderungen zu meistern. Für die Jahreszeit hohe Sendungsmengen im Paketbereich, Neueinstellungen, die ausgebildet werden, Urlaubsansprüche von Mitarbeitern, die fest stehen und andere Unregelmäßigkeiten führen punktuell in einigen Bereichen zu Verzögerungen, meist im Briefbereich. Mit Engagement unserer Mitarbeiter sind wir zuversichtlich, die gewohnte Qualität wieder zu erreichen."

Warum bleiben aber Briefe liegen, nicht aber Paketpost? Dazu sagt Hogardt am Telefon, dass Briefe kleiner seien und in der Regel nicht so wie Pakete nachverfolgt werden können. Aber die Priorität der Zustellungen sei gleich, betonte er. "Das hat uns kalt erwischt", räumte er jedoch ebenfalls ein. Ob auch in anderen Bereichen über Cuxhaven hinaus ähnliche Erfahrungen zurzeit gemacht werden, konnte der DHL-Sprecher nicht sagen. Darüber liegen ihm keine detaillierten Berichte vor.

Briefe stapeln sich, während Cuxhavener lange auf ihre Post warten müssen. Foto: dpa/Oliver Berg

Ein Aufruf unseres Medienhauses über Social Media belegt, dass die Zustellqualität von Postsendungen gegenwärtig in Cuxhaven - unabhängig vom Stadtteil - kein Einzelfall ist und insgesamt schlecht aussieht. Britta Huthsfeld aus dem Cuxhavener Rosenhof in Döse schreibt unter anderem, dass es bereits seit zwei bis drei Jahren immer schlimmer werde: "Wir sind als letzte Straße auf der Tour eingetragen und es passiert sehr oft, dass man dann eine E-Mail bekommt, aufgrund Überschreitung der Arbeitszeit, Stau oder sonstiges, wurde die Tour abgebrochen. Das bedeutet, dass die Zulieferer die Masse an Paketen nicht mehr geschafft haben und um die Arbeitszeit nicht zu überschreiben, die Tour abbrechen müssen. Die Leidtragenden sind wir! Nun wurde die Route noch vergrößert und es ist für die Mitarbeiter gar nicht zu schaffen." Schon seit geraumer Zeit benötigten die ,Briefe "unfassbar lange".  Vor etwa zwei Monaten, so die Cuxhavenerin, hätten sie drei Wochen gar keine Post erhalten: "Es sind Briefe von Apotheken, Krankenkassen und Rechnungen einfach verschwunden. Dieses sind vertrauliche Unterlagen, und es hinterlässt wirklich einen unangenehmen Beigeschmack ...."

Verzögerung "ist nervig"

Christina Kirschstein teilt mit, dass es auch ihnen ähnliche Zustände herrschen: "Wir wohnen in Groden und haben den letzten Brief der Schule erst zwei Tage vor dem darin stehenden Termin bekommen, los geschickt wurde er aber 2,5 Wochen vorher. Auch eine Rechnung kam mit zwei Wochen Verzögerung. Es ist wirklich nervig. Es kommt dann wochenweise keine Post, und dann ein ganzer Schwung auf einmal. Pakete werden ganz normal zugestellt."

Dass ein Postbote Briefe zustellt, kann in manchen Teilen Cuxhavens aktuell mehrere Wochen dauern. Symbolfoto: Arne Dedert/dpa

Diese Negativerfahrung teilt Maren Küchler aus der Dorotheenstraße in der Innenstadt: "Nachdem ich zum letzten Mal am Samstag in einen leeren Briefkasten geschaut habe, hat es am Montag [14. Juli 2025; d. Red.] am Vormittag geklingelt. Weil ich ein Päckchen erwartet habe, habe ich in den Briefkasten geschaut und da waren sechs Briefe auf einmal drin. Der Erste datiert auf den 1. Juli, der Letzte vom 7. Juli. Dadurch habe ich eine Rücksendefrist verpasst und auch Rechnungen konnten nur auf den letzten Nenner bezahlt werden."

"Paket seit drei Tagen auf dem Zustellfahrzeug"

Khoder Harb schreibt aus Cuxhaven-Altenbruch: "Zurzeit kommen Pakete sowie auch Briefpost nur einmal die Woche an. Schon mehrfach mit dem Auslieferer gesprochen, aber keiner kann mir genauere Informationen dazu geben." Er habe zum Beispiel ein Kleinpaket bestellt, das als Briefpost zugestellt werden sollte. Daher konnte er den Weg dank einer Sendungsnummer nachverfolgen: "Das Paket habe ich am 7. Juli bestellt und musste am 17. Juli dem Zusteller hinterherrufen, sonst würde ich das heute auch nicht bekommen. Ich habe über die Sendungsnummer gesehen, dass mein Paket seit drei Tagen auf dem Zustellfahrzeug war, aber immer wieder nicht zugestellt wurde. Früher war das so, wenn wir Paket vor 12 Uhr Mittag bestellt hatten, ist dieses meistens sogar am nächsten Tag bei uns gewesen."

Achim Wulff aus Oxstedt ärgert sich ebenfalls: "Ich bekomme vorab immer eine E-Mail, wenn Briefe im Zulauf von der Post sind. Normalerweise waren die Briefe immer am gleichen, spätestens am nächsten Tag hier. Mittlerweile warte ich Wochen, bis die Briefe mal da sind. Absolut inakzeptabel!" Amina Abdullahi Osman aus der Schillerstraße kennt das Ärgernis ebenso: "Wir sind auch betroffen und bekommen seit ein paar Wochen fast gar keine Post mehr."

Die DHL-Filiale an der Ecke Holstenstraße/Bahnhofstraße gibt es inzwischen nicht mehr. Mit der Schließung der Filiale soll die Verzögerung bei der Briefpost aber nichts zu tun haben. Archivfoto: Keck

Vanessa Gomez wohnt im Matthias-Claudius-Weg in Süderwisch: "Hier wird seit Monaten Post nur an den Donnerstagen geliefert. Heute hatte ich endlich mal den DHL-Paketlieferanten abfangen können, und bei der Nachfrage, ob heute noch Post kommt, verneinte mir der junge Mann die Frage und meinte eventuell morgen, da es der Kollege heute nicht mehr schafft."

Dem Postboten hinterhergefahren

Familie Antons ärgert sich ebenfalls über die Deutsche Post/DHL: "Seit April dieses Jahres erhalten wir im Gebiet Matthias-Claudius-Weg nur sporadisch Briefe und Pakete. Einmal warteten wir 2,5 Wochen auf Briefe und Tage auf zwei sich bereits im Zustellfahrzeug befindliche Pakete." Durch die Live-Sendungsverfolgung sei die ungefähre Zustellzeit ersichtlich. Diese liege bei der Familie meistens zwischen 12 Uhr und 14 Uhr. "Sobald es auf 15.30 Uhr zuging, fuhren wir dem Postboten mehrere Male hinterher. Zunächst sprachen wir den Boten freundlich an, uns unsere Pakete und Briefe auszuhändigen. Der Bote erklärte, dass er für unser Zustellgebiet nur die Vertretung mache und sich nicht auskenne. Händigte uns aber unsere Pakete aus. An die Briefe käme er leider nicht ran, obwohl diese auf dem Beifahrersitz in einer Kiste standen." Mehrfach habe man Briefe erhalten, die vor mehr als zwei Wochen versendet wurden. "Da wir neben privater auch Geschäftspost erhalten, sind wichtige Fristen einzuhalten." Mehrere Gespräche habe man persönlich geführt sowie sich bei der Hotline telefonisch beschwert, kritisieren die Antons.

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Wiebke Kramp

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

wkramp@no-spamcuxonline.de

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