Cuxhavens Wohnmarkt: Herausforderungen und Chancen für die Stadtentwicklung
Um "Wohnen in Cuxhaven" ging es beim ersten "Cuxhavener Bürgerforum", ein Veranstaltungsformat, das Stadtsparkasse Cuxhaven und Cuxhaven-Niederelbe Verlagsgesellschaft gemeinschaftlich aus der Taufe gehoben haben.
Das Auftaktthema lockte am Mittwochabend mehr als einhundert Interessierte; mit einer Expertenrunde auf dem Podium diskutierten Zuhörerinnen und Zuhörer über die Marktlage, über Wohnformen oder das Preisgefüge.
Nach einer Vorstellungsrunde thematisierte Ulrich Rohde, Redaktionsleiter und Moderator des im Sparkassen-Saal anberaumten "Bürgerforums", einen Paradigmenwechsel bei der Einwohnerzahl: Während der Name Cuxhaven noch vor gar nicht so langer Zeit als Synonym für eine anderswo erst in 20 Jahren erwartete Abwärtsspirale gehandelt wurde, zeigt sich in demografischer Hinsicht inzwischen ein anderes Bild: Der Bevölkerungsrückgang scheint gestoppt, die Stadt kratzt wieder an der 50.000-Einwohner-Marke und verfügt (wie Stadtbaurat Andreas Eickmann unter Verweis auf jüngste Zensus-Zahlen berichtete) über mehr Menschen als man noch vor Jahresfrist gedacht hatte.
Hoher Anteil an Zweitwohnungen in Cuxhaven
Obschon dieser Zuwachskurs am Mittwochabend durchweg wohlwollend aufgenommen wurde, ging es auf dem Podium auch um Probleme, die in Teilen mit dieser Entwicklung zu tun haben könnten: Mathias Brand-Schönau, Prokurist der Siedlungsgesellschaft Cuxhaven, zeichnete ungeachtet relativ hoher Leerstandszahlen, die sich auf die Situation der Gesamtstadt beziehen, ein Bild von knapper werdendem Wohnraum bei steigender Nachfrage. Wobei sich eine angespanntere Marktlage aus "Siedlung"-Sicht weniger auf Bevölkerungswachstum als auf den Trend zur Singularisierung und auf das hohe Interesse an Zweitwohnungen (in Cuxhaven machen sie einen Anteil von 17 Prozent am Wohnungsbestand aus) zurückführen lässt. "Für eine Stadt unserer Größe ist das viel", hieß es; Jochen Neuber, Geschäftsführer der im Immobiliengeschäft tätigen Sparkassentochter IDB sprach davon, dass der "Run" auf Nebenwohnsitze ein Phänomen sei, in dessen Zuge inzwischen sogar Einfamilienhäuser angekauft würden.

Auch zur Ferienvermietung unter der Hand? Christiane Hottendorf, Geschäftsführerin des Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer-Vereins, äußerte den Eindruck, dass die Stadt Cuxhaven verschärft auf "illegale" Nutzung hin kontrolliere - eine Vermutung, die der Stadtbaurat zurückwies.
Hinweis: "Noch viel, viel mehr Menschen in Not"
Dass Konkurrenzen durch Ferien- und Zweitwohnungsnutzung einen Stressfaktor auf dem örtlichen Wohnungsmarkt darstellen, wurde in der "Bürgerforum"-Diskussion nicht explizit ausgeführt. Gleichwohl kam (über Wortmeldungen aus dem Saal) zur Sprache, dass es vor Ort an spezifischen Wohnmöglichkeiten fehlt. Der Vertreter einer Bürgerinitiative fragte, inwieweit das Thema Mehrgenerationenwohnen in den Köpfen verankert sei und berichtete von der vergeblichen Suche nach entsprechenden Angeboten.
Ähnliche Erfahrungen machen Bürgerinnen und Bürger, die eine behindertengerechte Wohnung benötigen. An solchen Domizilen fehle es in der Stadt, hieß es aus dem Publikum; eine Betroffene berichtete, seit zwei Jahren in einem Pflegeheim leben zu müssen, nachdem die eigenen vier Wände (weil nicht rollstuhltauglich) sich nicht mehr bewohnt werden konnten. Die Siedlungsgesellschaft (beim Thema Mehrgenerationenwohnen gescholten) agiere vorbildlich, hieß es nun, vermöge den Bedarf an Wohnungen für Menschen mit Handicap allerdings nur zu einem geringen Prozentsatz zu decken: "Es sind noch viel, viel mehr Menschen in Not."
Mietwohnungen bildeten ein beherrschendes Thema: Zum Auftakt der Gespräche hatte Mietrechtsanwalt Ulf Grabow von leidvollen Erfahrungen berichtet, die örtliche Kunden von Alpha Real Estate oder der Nord Wohnen Portfolio GmbH gemacht haben. Einen neuen Trend hin zur Mietwohnung vermögen negative Einzelbeispiele allerdings nicht zu bremsen. Neuber sprach von verstärktem Kundeninteresse in diesem Segment, das sich auch in steigender Nachfrage nach Investorengrundstücken niederschlägt.
Zu viel Staat beim Thema Wohnungsbau?
Aus Eickmanns Sicht ist es unter den Vorzeichen der allgemeinen wirtschaftlichen Lage allerdings nicht eben ein Kinderspiel, Projektierer für den Bau von Mietwohnungen zur Dauerwohnnutzung zu gewinnen. Gleichwohl gebe es Pläne, dieses Thema an verschiedenen Standorten im Stadtgebiet zu forcieren. Vor dem Hintergrund entsprechender Initiativen auf Landesebene und der Debatte um eine (umstrittene) Mietpreisbremse meldete sich ein Zuhörer zu Wort: Er finde es bedenklich, dass beim Wohnungsbau immer wieder nach dem Staat gerufen werde. Und: Gesetzliche Auflagen (ein anderes Thema) seien hierzulande so hoch, dass Baupreise dadurch durch die Decke schnellten. Ob es nicht an der Zeit sei, "Druck auf die Bundesregierung auszuüben", um staatlicher Regulierungswut Einhalt zu gebieten, wollte der Frager wissen. Andreas Eickmann wollte keineswegs in allen Punkten widersprechen, wies aber darauf hin, dass viele Regelungen gerade deswegen erlassen worden seien, um die Interessen der Akteure auf dem Markt zu schützen. Ob und inwieweit die Stadt Cuxhaven einen qualifizierten Mietpreisspiegel aufstelle, sei derzeit noch offen, erklärte der Baudezernent außerdem. Relativ groß sei der Aufwand dafür, die Entscheidung liege in den Händen der Politik.
Baugebiete: IDB hat noch etwas im Köcher
"Viele Bauwillige gehen ins Umland", wechselte der Moderator das Thema. Rohde wollte wissen, ob es Aussicht auf weitere Baugebiete innerhalb der Stadtgrenzen gebe. Die IDB hat nach Aussage ihres Geschäftsführers Neuber noch das eine oder andere Projekt im Köcher. "Wir sind da am Ball", versicherte er.
Im Publikum regte sich schließlich die Sorge, dass die Eigenheim-Idylle im Gebiet "Westlich Meierhof" durch die Entwicklung von Flächen im Bereich des Fernsehturms gestört werden könnte. Bei den sich an den Bestand anschließenden Grundstücken werde man in puncto Bauhöhe auf die Nachbarschaft Rücksicht nehmen, so hieß es. Gleichwohl sei im angesprochenen Bereich auch Geschosswohnungsbau vorgesehen. Und was vermehrten Verkehrslärm angehe: Klar müsse sein, so der Vertreter der Stadt, dass die Leute in "Westlich Meierhof" in städtisch geprägtem Umfeld und nicht etwa auf einer Hallig zu Hause seien.
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