Bauarbeiten in Nordholz bringen Teile der Doppel-Drehhalle "Nobel" zurück ans Licht
Über 110 Jahre lang ist der Nordholzer Flugplatz vielfältig militärisch genutzt, zwischendurch wieder aufgegeben und entfestigt worden. Kampfmittelräumung und Tiefbau legen - manchmal unfreiwillig - Teile der Geschichte wieder frei.
Was gerade an vielen Stellen des Marinefliegerstützpunkts passiert, zeigt, wie schnell historische Epochen und ihre Zeugnisse im Boden versinken und Erinnerungen mitnehmen können. So intensive Tiefbau- und Kampfmittelräumarbeiten, wie sie im Moment laufen, sind besonders spannend auf einem Gelände, das über 110 Jahre lang mehrfach militärisch genutzt, zwischendurch wieder aufgegeben und entfestigt wurde und öfter mal seine Ausdehnung verändert hat.
Kaiserlicher Luftschiffplatz, Ackerland, Besiedlung, Fliegerhorst im Zweiten Weltkrieg, Kriegsende als einer der großen Sammelpunkte der Wehrmachts-Reste, amerikanische Besatzung, Ackerland, Wiederaufrüstung, Marinefliegerstützpunkt: Bei einer solchen Geschichte ist es kaum verwunderlich, dass der Nordholzer Boden jeden Tag eine Überraschung bereithalten kann.
Fundamente alter Luftschiffhallen sind ans Licht gekommen
Bei dem Auftauchen eines Sturmgeschützes (Stug III) der Wehrmacht hat das ordentlich Wellen geschlagen, weitgehend verborgen blieb bislang, dass bei den Bauarbeiten bereits mehrfach Fundamente der alten Luftschiff-Hallen wieder aufgetaucht sind. Auch bei dem Gelände, auf dem derzeit ein 30 Hektar großes Bodenlager (inklusive Gebäuden und Infrastruktur) errichtet wird, handelt es sich um äußerst geschichtsträchtigen Boden. Bei der Erschließung des ersten Bauabschnitts traten im Frühjahr 2025 Fundamente der Doppel-Drehhalle "Nobel" sowie Bauteile und Zubehör hervor.


Diese war im August 1914, wenige Tage nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs, als erste von insgesamt sechs Hallen des neuen Luftschiffplatzes fertig geworden; ein technisches Meisterwerk, 182 Meter lang, 30 Meter hoch. Über den Sinn der kreisrunden Baugrube mit einem Durchmesser von 200 Metern sollen die Bauarbeiter damals lange spekuliert haben. Die Halle sollte drehbar sein, um die Luftschiffe bei jeder Windrichtung unfallfrei ins Innere befördern zu können.
Schnell aufgebaut, schnell abgerissen
Es folgten 1915 die Hallen "Nora" und "Norbert" im Osten, 1916 die Halle "Normann" im Norden, 1917 die Doppelhallen "Nogat" und "Nordstern" im Südosten. Der Luftschiffplatz wuchs bis Kriegsende auf rund 1000 Hektar und war damit der bedeutendste der deutschen Marine. Umso plötzlicher kam das Ende, nicht nur wegen des verlorenen Kriegs: Zuvor hatte sich schon die technische Unterlegenheit abgezeichnet.

Und so kam es dazu, dass die technischen Meisterwerke schon nach wenigen Jahren dem Boden gleichgemacht waren. Der größte Teil der Drehhallen-Reste werde im Boden verbleiben, berichtet Frank Osterhues, Projektleiter des in Regie des Staatlichen Hochbauamts Elbe-Weser durchgeführten Bauprojekts. Zuvor habe man den Rat von Experten des Aeronauticums eingeholt. Auch Überbleibsel der Hallen "Nordstern" und "Nogat" sollen im Zuge der aktuellen Baumaßnahme bereits freigelegt und entsorgt worden sein.

Archäologinnen und Archäologen begleiten die Bodenarbeiten auf der Fläche zwischen Sportfluggruppe und Aeronauticum. Interessant sind aber auch die Kleinteile, die neben Munitionsresten beim Sieben aus dem Aushub herausgefiltert werden. Regelmäßig schaut sich deshalb auch Kreisarchäologe Dr. Andreas Hüser die vermeintlichen Schrotthaufen an, um herauszufischen, was archivierungswürdig ist, weil es Zeugnis über das Leben auf dem Platz ablegt oder Militärgeschichte erzählt.
Diese großen und kleinen Fundstücke seien Zufallsfunde, erklärt Frank Osterhues. Gezielt aufgesucht würden nur Kampfmittelverdachtsflächen.
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