Die kurz vor Beginn des Ersten Weltkriegs fertiggestellte Doppel-Drehhalle "Nobel" in Nordholz. Die zu sehenden Nebengebäude wurden später angefügt und drehten sich mit. Foto: Sammlung Bussler
Die kurz vor Beginn des Ersten Weltkriegs fertiggestellte Doppel-Drehhalle "Nobel" in Nordholz. Die zu sehenden Nebengebäude wurden später angefügt und drehten sich mit. Foto: Sammlung Bussler
Baumaßnahme ohne Beispiel 

Bauarbeiten in Nordholz bringen Teile der Doppel-Drehhalle "Nobel" zurück ans Licht

von Maren Reese-Winne | 25.07.2026

Über 110 Jahre lang ist der Nordholzer Flugplatz vielfältig militärisch genutzt, zwischendurch wieder aufgegeben und entfestigt worden. Kampfmittelräumung und Tiefbau legen - manchmal unfreiwillig - Teile der Geschichte wieder frei. 

Was gerade an vielen Stellen des Marinefliegerstützpunkts passiert, zeigt, wie schnell historische Epochen und ihre Zeugnisse im Boden versinken und Erinnerungen mitnehmen können. So intensive Tiefbau- und Kampfmittelräumarbeiten, wie sie im Moment laufen, sind besonders spannend auf einem Gelände, das über 110 Jahre lang mehrfach militärisch genutzt, zwischendurch wieder aufgegeben und entfestigt wurde und öfter mal seine Ausdehnung verändert hat.

Kaiserlicher Luftschiffplatz, Ackerland, Besiedlung, Fliegerhorst im Zweiten Weltkrieg, Kriegsende als einer der großen Sammelpunkte der Wehrmachts-Reste, amerikanische Besatzung, Ackerland, Wiederaufrüstung, Marinefliegerstützpunkt: Bei einer solchen Geschichte ist es kaum verwunderlich, dass der Nordholzer Boden jeden Tag eine Überraschung bereithalten kann.

Fundamente alter Luftschiffhallen sind ans Licht gekommen

Bei dem Auftauchen eines Sturmgeschützes (Stug III) der Wehrmacht hat das ordentlich Wellen geschlagen, weitgehend verborgen blieb bislang, dass bei den Bauarbeiten bereits mehrfach Fundamente der alten Luftschiff-Hallen wieder aufgetaucht sind. Auch bei dem Gelände, auf dem derzeit ein 30 Hektar großes Bodenlager (inklusive Gebäuden und Infrastruktur) errichtet wird, handelt es sich um äußerst geschichtsträchtigen Boden. Bei der Erschließung des ersten Bauabschnitts traten im Frühjahr 2025 Fundamente der Doppel-Drehhalle "Nobel" sowie Bauteile und Zubehör hervor.

Modell der Doppel-Drehhalle "Nobel" im Aeronauticum. Foto: Reese-Winne
Angesichts dieses Bildes von den Abbrucharbeiten ist leicht erkennbar, was damals alles im Boden zurückgeblieben sein muss. Foto: CNV-Archiv

Diese war im August 1914, wenige Tage nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs, als erste von insgesamt sechs Hallen des neuen Luftschiffplatzes fertig geworden; ein technisches Meisterwerk, 182 Meter lang, 30 Meter hoch. Über den Sinn der kreisrunden Baugrube mit einem Durchmesser von 200 Metern sollen die Bauarbeiter damals lange spekuliert haben. Die Halle sollte drehbar sein, um die Luftschiffe bei jeder Windrichtung unfallfrei ins Innere befördern zu können.

Schnell aufgebaut, schnell abgerissen

Es folgten 1915 die Hallen "Nora" und "Norbert" im Osten, 1916 die Halle "Normann" im Norden, 1917 die Doppelhallen "Nogat" und "Nordstern" im Südosten. Der Luftschiffplatz wuchs bis Kriegsende auf rund 1000 Hektar und war damit der bedeutendste der deutschen Marine. Umso plötzlicher kam das Ende, nicht nur wegen des verlorenen Kriegs: Zuvor hatte sich schon die technische Unterlegenheit abgezeichnet.

Reste der Luftschiffhallen "Nogat" und "Nordstern" sollen im Rahmen der laufenden Baumaßnahmen ebenfalls wiederentdeckt worden sein. Foto: Sammlung Bussler

Und so kam es dazu, dass die technischen Meisterwerke schon nach wenigen Jahren dem Boden gleichgemacht waren. Der größte Teil der Drehhallen-Reste werde im Boden verbleiben, berichtet Frank Osterhues, Projektleiter des in Regie des Staatlichen Hochbauamts Elbe-Weser durchgeführten Bauprojekts. Zuvor habe man den Rat von Experten des Aeronauticums eingeholt. Auch Überbleibsel der Hallen "Nordstern" und "Nogat" sollen im Zuge der aktuellen Baumaßnahme bereits freigelegt und entsorgt worden sein.

Was auf den ersten Blick wie ein Haufen Schrott anmutet, kann auch Militär- und Alltagsgeschichte erzählen. Vor der Entsorgung schaut deshalb regelmäßig Kreisarchäologe Dr. Andreas Hüser vorbei, um aufbewahrungswürdige Stücke zu identifizieren. Foto: Reese-Winne

Archäologinnen und Archäologen begleiten die Bodenarbeiten auf der Fläche zwischen Sportfluggruppe und Aeronauticum. Interessant sind aber auch die Kleinteile, die neben Munitionsresten beim Sieben aus dem Aushub herausgefiltert werden. Regelmäßig schaut sich deshalb auch Kreisarchäologe Dr. Andreas Hüser die vermeintlichen Schrotthaufen an, um herauszufischen, was archivierungswürdig ist, weil es Zeugnis über das Leben auf dem Platz ablegt oder Militärgeschichte erzählt.

Diese großen und kleinen Fundstücke seien Zufallsfunde, erklärt Frank Osterhues. Gezielt aufgesucht würden nur Kampfmittelverdachtsflächen. 

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

(1 Stern: Nicht gut | 5 Sterne: Sehr gut)

Feedback senden

CNV-Newsletter

Wissen, was im Cuxland los ist: Alle wichtigen Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven direkt in Ihr Postfach. Hier für den CNV-Newsletter anmelden.


Top Nachrichten



Bild von Maren Reese-Winne
Maren Reese-Winne

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

reese-winne@no-spamcnv-medien.de

Lesen Sie auch...
Was bisher bekannt ist

Das Merz-Kabinett: Cuxhavener Fritz Güntzler lehnt Ministeramt ab - die Hintergründe

von Tim Larschow

Bundeskanzler Friedrich Merz will laut Medienberichten das Verkehrsministerium neu besetzen. Auf Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder sollte der gebürtige Cuxhavener Fritz Güntzler (CDU) folgen. Doch der traf eine überraschende Entscheidung.

In der Helios-Klinik

Infusion verwechselt: Krankenhaus-Panne in Cuxhaven empört Ehefrau des Patienten

von Wiebke Kramp

Eine in der Helios-Klinik verwechselte Infusion, die eigentlich dem Bettnachbarn ihres Mannes gegolten habe, empört auch Tage danach eine Frau aus Cuxhaven-Lüdingworth. "Das hätte tödlich enden können...", mahnt sie. Das Krankenhaus bezieht Stellung.

Jüngste Projektreise

Hilfe aus Cuxhaven: Wie für Frauen in Burkina Faso aus Wunschträumen Realität wird

von Maren Reese-Winne

Was für die Cuxhavenerin Kathrin Seyfahrt eine "ganz normale Projektreise" ist, wäre für die meisten anderen eine Herausforderung, vor der sie kapitulieren würden. Bei 45 Grad schaute sie sich jetzt in ihren Projekten in Burkina Faso um.  

Austausch und Engagement 

"Türen öffnen im Viertel": Austausch an der Ape in Alt-Cuxhaven

von Märthe Werder

In Alt-Cuxhaven startet eine innovative Aktion: Die Ape von "Tante Emma" wird zum Treffpunkt im Viertel. Sie lädt die Bewohner ein, Ideen und Wünsche zu teilen und gemeinsam die Nachbarschaft zu gestalten.