Erika Geerdes muss sich beim Überqueren des Gehweges vor ihrer Haustür sehr konzentrieren. Foto: Grell
Erika Geerdes muss sich beim Überqueren des Gehweges vor ihrer Haustür sehr konzentrieren. Foto: Grell
Nur kurze Strecken sind möglich

"Mit Rollator lebensgefährlich": Seniorin (83) ärgert sich über Gehwege in Cuxhaven

von Vanessa Grell | 29.02.2024

Für die 83-jährige Erike Geerdes sind kurze Spaziergänge zur Herausforderung geworden. Seit einem halben Jahr hat sie ihren Rollator und damit etwas mehr Sicherheit. Trotzdem geht sie nur unter bestimmten Bedingungen vor die Tür.

Auf den ersten Blick macht Erika Geerdes einen fitten Eindruck. Der Weg vom Sessel zur Tür ist kein Problem. Auch das Treppensteigen fällt der 83-jährigen Cuxhavenerin noch leicht. Immer mit der Hand am Geländer bahnt sie sich ihren Weg zum Hintereingang - dort wartet auch der klappbare Rollator auf die Rentnerin.

Kaum ist sie aus der Tür, beschleicht die Cuxhavenerin ein mulmiges Gefühl. Ihr Gesicht wird ernst, sie muss sich sichtlich konzentrieren. "Hier beim Haus ist der Bürgersteig noch in Ordnung. Fast schon Luxus im Vergleich zu dem, was noch kommt", so Geerdes. Vorsichtig schiebt sie ihren Rollator Meter für Meter vor sich her. "Solange ich mich irgendwo festhalten kann, fühle ich mich sicher." Der Rollator gibt ihr nicht nur ein gutes Gefühl, sondern auch die Möglichkeit, sich jederzeit kurz hinzusetzen. "Ich leide unter starkem Schwindel. Da ist es gut, wenn ich eine Verschnaufpause einlegen kann", freut sich Erika Geerdes über ihr vierrädriges Gefährt.

Stolperfallen vor der Haustür

Die Einkäufe für das Ehepaar erledigt Erika Geerdes Mann. "Er kann und darf noch Auto fahren. Ich habe mich schon lange nicht mehr hinters Steuer gesetzt", erzählt die Rentnerin. Sie ist dankbar, dass ihr Mann noch so fit ist. Wenn die 83-Jährige vor die Tür will, muss sie auf das Wetter achten. Bei Wind fällt es ihr schwer, den Rollator festzuhalten und gegen den Luftzug anzukämpfen. Auch Regen wird schnell zum Problem: "Ich kann keinen Schirm halten, wenn ich beide Hände am Rollator habe." Wenn das Wetter aber schön ist und sie einen Spaziergang machen möchte, wird ihr meist der Gehsteig zum Verhängnis.

Das fängt schon beim Weg vor ihrer Haustür in der Cuxhavener Balsenstraße an. Er wird für die Rentnerin zur Stolperfalle. Dort parken Autos halb auf dem Bürgersteig. "Die machen das, weil sie hier kostenlos parken können", weiß Geerdes. Weiter als bis vor die Haustür kommt die Rentnerin nicht. Ihr Rücken macht ihr an manchen Tagen einen Strich durch die Rechnung. Da ist der Bürgersteig vor ihrer Haustür fast noch das kleinste Übel. Denn wenn die 83-Jährige spazieren gehen will, kommen für sie nur kurze Strecken infrage. Schuld daran sind marode, abgesackte und sanierungsbedürftige Gehwege.

"Mit dem Rollator spazieren wird lebensgefährlich"

Vor allem der Gehweg an der Altenwalder Chaussee zwischen Theodor-Storm-Straße und Drangstweg bereitet der Cuxhavenerin Sorgen. Entdeckt hat sie den Zustand des Weges durch Zufall: "Meine Fußpflegerin ist umgezogen. Da habe ich mir gedacht, dass ich meinen nächsten Termin zu Fuß wahrnehmen kann." Doch die Rentnerin merkte schnell, dass das keine gute Idee war. Denn der Gehweg ist eine "Katastrophe". Schon die Schräglagen durch abgesackte Steine machen Erika Geerdes zu schaffen: "Ich muss dann die ganze Zeit gegenhalten, damit der Rollator nicht auch noch schräg runterrollt." Kaputte Platten und geflickter Asphalt erschweren das Vorankommen. Dafür hat die 83-Jährige kein Verständnis: "An dem Gehweg liegt nicht nur die Helios-Klinik, sondern auch mehrere Seniorenheime." Entsprechend häufig seien dort Menschen mit Rollatoren unterwegs.

Auf dem Gehweg sind täglich ältere Menschen mit Rollatoren unterwegs. Foto: Grell

Regelmäßige Kontrollen der Stadt

Für den Gehweg an der Altenwalder-Chaussee ist die Stadt Cuxhaven zuständig. "Durch das Land Niedersachsen und die Stadt Cuxhaven finden regelmäßig Kontrollen statt. Notwendige Unterhaltungsmaßnahmen werden demnach im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht entsprechend vorgenommen", versichert Cora Strate, Sprecherin der Stadt Cuxhaven. 

Erika Geerdes kennt den Zustand der Gehwege: "Ich bin jedenfalls immer froh, wenn ich heil nach Hause komme." 

Kanten wie diese, können schnell zur Stolperfalle werden. Foto: Grell

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Vanessa Grell

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

vgrell@no-spamcuxonline.de

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