Neuer Geschäftsführer der Helios-Klinik Cuxhaven wünscht sich eine Stroke Unit
Eine Stroke Unit - das ist die Spezialabteilung, in der Schlaganfallpatienten versorgt werden. Ein wichtiges Feld in einer Region, in der viel ältere Menschen leben. Findet auch Stefan Scharnetzki, neuer Klinikchef bei Helios in Cuxhaven.
Der erste Besuch in der der Helios-Klinik Cuxhaven war direkt mit einer Überraschung verbunden. Stefan Scharnetzki erblickte zunächst die typische Klinikfassade und war höchst erstaunt, dass er auf der Rückseite plötzlich einen großen gelb geklinkerten Klinikbau erblickte. "Für Helios so gar nicht typisch", sagt er. Nun zählt die Zukunft des alten Cuxhavener Stadtkrankenhauses zu einer seiner wesentlichen Aufgaben.
Standort voranbringen - aber nicht allein
Am 1. Juni ist Stefan Scharnetzki als Geschäftsführer in der Helios-Klinik Cuxhaven und der Helios-Klinik Wesermarsch in Nordenham angetreten. Seine Rolle hier sehe er nicht darin, anderen Personen Patentrezepte überzustülpen. Zumal er die gar nicht mitgebracht habe, sondern großes Vertrauen in die Selbstverantwortung der Beteiligten setze. "Natürlich möchte ich den Standort voranbringen", sagt er.
1980 in Schwerin geboren, ging Stefan Scharnetzki als 22-Jähriger für das Betriebswirtschafts-Studium nach Freiburg und Offenburg. Von Krankenhaus war noch nicht die Rede, als er sich danach unter anderem in Bielefeld bei Dr. Oetker im Supply Chain Management (Logistik/Beschaffung) etablierte. Dem europaweiten Aktionsradius stand allerdings irgendwann die Familienplanung entgegen. Schwerin rief, und so wechselte Scharnetzki 2019 als Regionalleiter Einkauf und Logistik zu Helios Nord.
Wechsel in das Klinikgeschäftsführer-Programm
2021 begann er das Ausbildungsprogramm für die Klinikgeschäftsführerlaufbahn und war seither in Stralsund und Schwerin tätig. "Es ist mein erstes Haus, aber nicht meine erste Leitungsverantwortung", so der Familienvater. Ihm sei nun erstmal daran gelegen, Station für Station kennenzulernen und die lokalen Besonderheiten auszumachen.
Abriss des Bettenhauses ist vom Tisch
Einige zentrale Aufgaben stehen natürlich bereits; zum einen sind das die lange angekündigten Bauprojekte mit der Verbesserung des Funktionstrakts (Mittelbau) und der Restrukturierung des alten Bettenhauses. Der viele Jahre angekündigte Abriss ist vom Tisch. Stattdessen steht seit einem Jahr die Idee eines "Gesundheitscampus" im Raum - ein Ausbildungszentrum mit Platz für viele medizinische Bereiche.
Von der Schule als Pflegefachkraft direkt in den Dienst
Wie die eigene Ausbildung ein Haus stärken kann, hat Stefan Scharnetzki gerade beim aktuellen Lehrgang des Helios-Bildungszentrums erlebt: Alle zehn neuen Pflegefachkräfte hätten das Angebot zur Übernahme angenommen. "Ich freue mich unheimlich über diese gute Quote", strahlt Scharnetzki.
Rückenwind für Pädiatrie und Geburtshilfe
Beim Blick auf aktuelle und künftige medizinische Versorgungsbereiche stellte er sich als Vater zweier kleiner Kinder (zwei und vier Jahre alt) klar hinter die Gynäkologie/Geburtshilfe sowie die Pädiatrie (Kinderheilkunde), die unabdingbar zum Repertoire eines Hauses der Grund- und Regelversorgung gehörten.
Mit der Bettenaufstockung in der Geriatrie (Altersmedizin) sei ebenfalls auf lokale Bedürfnisse reagiert worden.
Suche nach Neurologen für neues Versorgungsgebiet
Eines der drängendsten Anliegen ist Stefan Scharnetzki die Etablierung einer Stroke Unit. Eine solche Einheit zur Akutversorgung bei Schlaganfällen hätte für ihn schon längst hierher gehört. Aber die Klinik brauche hierfür Verstärkung: "Wir sind weiterhin auf der Suche nach Neurologen." Ein Facharzt für Neurologie /in Ausbildung zum Geriater) gehöre bereits zum Team.
Das Leistungsportfolio liege insgesamt weit über dem eines Grund- und Regelversorgers. Die gut eingeführten Disziplinen (Chirurgie/Innere/Urologie) stellten ebenso wie die früheren Sahlenburger Abteilungen (Wirbelsäulenchirurgie und Rheumatologie) und die neuen Versorgungsgebiete Gefäßchirurgie und Endoprothetik die Medizin am Bedarf der Menschen sicher.
Pflegedirektion muss noch neu besetzt werden
Personalsuche bleibt auch für ihn eines der drängendsten Themen; heutzutage sei dabei die Beobachtung und Bespielung der sozialen Medien und Karriereportale unabdingbar. Die noch vakante Pflegedirektion hätte er gerne schneller besetzen wollen, räumt Scharnetzki ein, zumal die größte Gruppe im Haus dringend eine feste Ansprechperson brauche.
Die Hoffnung bei der Personalgewinnung richte außerdem auf den Wirtschaftsboom in Cuxhaven, durch die Ehepartner mit hierher gezogen werden könnten, und auf die leichtere Anerkennung ausländischer Abschlüsse. "Das Helios-Netzwerk ist weltweit unterwegs", so Scharnetzki. Sieben philippinische Pflegefachkräfte durchliefen allein in Cuxhaven gerade ihre Anerkennung im Rahmen der ZAV (Zentrale Auslands- und Fachvermittlung) der Arbeitsagentur.
Besserer Blick auf Wartebereich der Notaufnahme
Engpässe in der Versorgung - Stichwort Notaufnahme oder Anästhesie - streitet der Geschäftsführer nicht ab. "Wir sind dran und die Verstärkung ist angestrebt", versichert er. In der Notaufnahme sei er zusammen mit Dr. Lüder Herzog, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme, auf Ursachensuche, warum es manchmal so hakt: "Denn ich kenne das auch anders." Inzwischen ist ins Triage-Zimmer eine Glasscheibe mit Blick in den Wartebereich eingebaut worden, damit Notfälle dort sofort wahrgenommen werden können.
Stefan Scharnetzki macht keinen Hehl daraus, dass er an den Wochenenden zur Familie in Schwerin fährt. Dennoch gefalle ihm die Stadt und er freue sich auf eine lange Zeit in Cuxhaven und darauf, hier gestalterisch tätig zu sein. Das Haus biete sich dafür an, es habe Leuchtturmcharakter.
Beschaffung soll dank engen Netzwerks kein Problem sein
statt Bei einem Thema, das im Gesundheitswesen Wellen schlägt , bleibt Scharnetzki ganz ruhig: Engpässe bei der Beschaffung seien beim Konzern dank zentralen Einkaufs, guter Verhandlungen und eines "super Netzwerks" kein Thema. Da kommt bei ihm der Logistiker wieder durch: "Ich war selber Leiter des Einkaufs in der Corona-Zeit. Wir haben uns gut durch diese Zeit gerettet."

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