MVZ-Schließung in Cuxhaven: Bestrebungen für Lösung in letzter Minute laufen an
In nichtöffentlicher Sitzung des Kreistags sollen die Pläne für die beabsichtigte Verlagerung des Medizinischen Versorgungszentrums Rohdestraße bereits im September bekannt gemacht worden sein. Nach langer Funkstille starten nun Rettungsversuche.
Die Diskussion über die Zukunft des MVZ Cuxhaven in der Rohdestraße nimmt Fahrt auf. Wie berichtet, geht es um das Medizinische Vorsorgungszentrum in Trägerschaft der Krankenhaus Land Hadeln Otterndorf gGmbH mit den Ärzten Dr. Henrik Lüder (Facharzt für Chirurgie, Orthopädie und Unfallchirurgie), Dr. Yasar Aydin (Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie), Ralf Merheim (Facharzt für Chirurgie und Unfallchirurgie), Dr. Elmar Burg (Facharzt für Chirurgie und Orthopädie) und Abed Aref (Facharzt für Innere Medizin/Hausärztliche Versorgung). Die anderen Praxen im Haus gehören dem MVZ nicht an; für sie ist keine Verlegung geplant.
Die beabsichtigte Verlegung und Aufteilung des Standorts soll der Kreispolitik bereits im nichtöffentlichen Teil der Kreistagssitzung vom 23. September - zehn Tage nach der Kommunalwahl - mitgeteilt worden sein. Bis sich die ersten Patientinnen und Patienten vor rund eineinhalb Wochen in der Redaktion unseres Medienhauses meldeten, herrschte Stille über das Vorhaben.
Übernahme mit großer Mehrheit im Kreistag beschlossen
Inzwischen haben sich Rüdiger Kurmann, Kreistagsabgeordneter der "Freien Wähler", und der SPD-Ortsverein Cuxhaven, mit Stellungnahmen positioniert. In einer Presseerklärung erinnert Kurmann zunächst daran, dass er schon bei der mit großer Mehrheit im Kreistag beschlossenen Übernahme des Otterndorfer Krankenhauses durch die Samtgemeinde Land Hadeln und den Landkreis Cuxhaven zum 1. Oktober 2021 Skepsis darüber geäußert hatte, in sich ein kommunales Krankenhaus rechnen lasse. Fortan habe es ständig Überlegungen zum Weiterbetrieb des Otterndorfer Krankenhauses gegeben. Gerade in den Jahren 2025 und 2026 sei das Defizit des Krankenhauses aber immens gestiegen; der Landkreis habe für 2026 einen "recht hohen Millionenbetrag" in den Haushalt einstellen müssen; das alles werde stets nur in nichtöffentlichen Sitzungen kommuniziert, wo er dann auch über die Pläne für die Aufgabe des MVZ in Cuxhaven überrascht worden sei.
"Es geht um das Otterndorfer Krankenhaus"
Er verstehe den Unmut der Betroffenen, der Ärzte, des Apothekers und natürlich der Patienten, die ihre zentral gelegene ärztliche Versorgung verlieren würden. Warum das Ergebnis der Sitzung in der Zwischenzeit nicht vernünftig kommuniziert worden sei, verstehe er nicht; auch die Einlassungen des Cuxhavener Oberbürgermeisters, davon nichts gewusst zu haben, zweifele er an. Kurmann kündigt an, sich nun kurzfristig für eine Verschiebung der Entscheidung des MVZ einzusetzen. Der nächste Kreistag tagt am 11. November. Allerdings weist er nochmals darauf hin, dass für ihn nicht das MVZ in Cuxhaven das Problem ist, sondern die Frage, ob sich das Otterndorfer Krankenhaus überhaupt halten lässt. Eine tragfähige Lösung sehe er dafür zurzeit nicht.

"Das hätte katastrophale Folgen"
Der SPD-Ortsverein Cuxhaven lehnt in einer Presseerklärung die geplante Schließung des MVZ in der Rohdestraße und die Verlagerung der Arztsitze mit den Folgen für Tausende Patientinnen und Patienten klar ab. "Wir verstehen den wirtschaftlichen Druck auf den Träger. Aber eine Verlagerung aus der größten Stadt des Landkreises hätte katastrophale Folgen für die ärztliche Versorgung in Cuxhaven", erklärt der Vorsitzende Matthias Roßberg.
Zu den rund 50.000 Einwohnerinnen und Einwohnern Cuxhavens kämen in der Saison noch täglich mehr als 10.000 Übernachtungen. Die Sprechstunden seien voll, Neubürgerinnen und Neubürger fänden außerdem kaum noch eine Hausarztpraxis. Das MVZ liege nur wenige Schritte von Bahnhof und ZOB entfernt mit Apotheke und Physiotherapie im selben Haus. Zudem verlöre die Stadt eine wichtige Anlaufstelle für Schul-, Wege- und Arbeitsunfälle. Auch die übrigen Praxen im Ärztehaus und die Apotheke gerieten unter Druck.
Alle Beteiligten zusammenrufen
Der SPD-Ortsverein appelliert nun an Landkreis, Krankenhausgesellschaft, Ärzteschaft, Kassenärztliche Vereinigung und Stadt, statt der Verlegung an einer einheitlichen und ganzheitlichen Lösung für die Gesundheitsversorgung zu arbeiten, die ambulante und stationäre Versorgung zusammen denke. Allerdings löse auch der Erhalt des MVZ nicht das Grundproblem, so Roßberg: In Cuxhaven fehlten Hausärztinnen und Hausärzte, weil es an einer Stärkung der Allgemeinmedizin in Studium und Weiterbildung fehle. Während hier Bund und Land steuern müssten, brauche es vor Ort attraktive Bedingungen für junge Ärztinnen und Ärzte, und dazu gehöre gerade ein MVZ, in dem Anstellung und Teilzeit möglich seien. "Gesundheitsversorgung ist Daseinsvorsorge. Wir suchen das Gespräch mit dem Träger und den Ärztinnen und Ärzten und wollen miteinander statt gegeneinander eine Lösung finden. Aber am Ende muss das MVZ für die Menschen in Cuxhaven erreichbar bleiben", so Matthias Roßberg.
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