Das bundesweit einzigartige Projekt der Igelhilfe Cuxhaven zog bereits medial viel Aufmerksamkeit auf sich. Foto: Igelhilfe Cuxhaven
Das bundesweit einzigartige Projekt der Igelhilfe Cuxhaven zog bereits medial viel Aufmerksamkeit auf sich. Foto: Igelhilfe Cuxhaven
Naturschutz

Bundesweit einzigartig: Igelhilfe Cuxhaven bildet Hund & Halter zu Igel-Spürteams aus

von Bengta Brettschneider | 15.03.2026

Igel sind vom Aussterben bedroht. Die Igelhilfe Cuxhaven sucht deshalb vor Bauarbeiten gezielt nach Tieren - sogar mit Spürhunden. Nun werden weitere Hundehalter gesucht, die sich gemeinsam mit ihrem Tier zu Igel-Suchteams ausbilden lassen wollen.

Die Igelhilfe Cuxhaven engagiert sich seit Jahren für den Schutz der stacheligen Gartenbewohner. Die Lage der Tiere ernst: In Niedersachsen stehen Igel auf der Roten Liste und gelten als vom Aussterben bedroht.

Das Töten der Tiere ist verboten. Wer dagegen verstößt, muss mit hohen Strafen rechnen - bis zu 60.000 Euro können fällig werden, und zwar pro Tier.

Wie notwendig der Schutz ist, zeigt sich auch in der täglichen Arbeit der Igelhilfe. Immer wieder erreichen die Ehrenamtlichen Anfragen aus Cuxhaven und der Region, wenn Grundstücke vor Bauarbeiten oder Rodungen abgesucht werden sollen. Dabei geht es darum, Igel rechtzeitig zu entdecken und zu sichern. Erst kürzlich konnten auf diese Weise fünf Tiere gerettet werden. 

Spürhund zeigt versteckte Tiere an

Unterstützung bekommen die Helfer dabei von einer besonders feinen Nase: Ein speziell trainierter Igel-Spürhund hilft bei der Suche. Der Hund zeigt zuverlässig an, wenn sich ein Tier im Gras, unter Laub oder in Hecken versteckt. Aufgespürte Tiere werden - wenn möglich - auf benachbarte, geeignete Grundstücke umgesetzt. Je nach Jahreszeit bringt die Igelhilfe sie jedoch auch in die Igel-Station von Stefanie Röse, wo sie versorgt, aufgepäppelt und später wieder in die Natur entlassen werden.

Stefanie Röse von der Igelhilfe Cuxhaven kümmert sich liebevoll um einen geretteten Igel. Seit Jahren engagiert sie sich für die stacheligen Gartenbewohner, die mittlerweile auf der roten Liste stehen. Foto: Röse

Die Ausbildung der sogenannten Igel-Spürhunde erfolgt in Zusammenarbeit zwischen der Igelhilfe Cuxhaven und dem Hundegutshof - Zentrum für Mensch und Hund. Geleitet wird sie von der zertifizierten Hundeausbilderin Katharina Funk. Ziel ist es, Hunde darauf zu trainieren, Igel zuverlässig aufzuspüren, ohne die Tiere zu gefährden. Die Nachfrage ist groß: Für den Präsenzunterricht liegen bereits sechs feste Anmeldungen vor, online nehmen rund 15 Interessierte aus ganz Deutschland teil.

Um künftig mehr Flächen vor Bauarbeiten oder Rodungen absuchen zu können, werden weitere Hundehalter gesucht, die sich gemeinsam mit ihrem Tier zu einsatzfähigen Suchteams ausbilden lassen möchten. Ein Online-Informationsabend zu Igel- und Artenspürhunden findet am Montag, 16. März 2026, statt. Informationen und Anmeldung sind per WhatsApp unter (01 63) 731 91 71 möglich.

Die Igelhilfe Cuxhaven bekommt Unterstützung: Ein speziell trainierter Igel-Spürhund hilft bei der Suche. Der Hund zeigt zuverlässig an, wenn sich ein Tier im Gras, unter Laub oder in Hecken versteckt. Ausgebildet wird in Kooperation mit dem Hundegutshof. Foto: Igelhilfe Cuxhaven

Hilfe aus der Bevölkerung nötig

Doch auch außerhalb solcher Einsätze sind Igel auf Unterstützung angewiesen. Besonders in Gärten können Menschen viel für die Tiere tun. "Im Frühjahr setzen wir die Igel wieder in Gärten aus, in denen sie Nester bauen können und auch gefüttert werden", erklärt Stefanie Röse von der Igelhilfe Cuxhaven.

Eine ganzjährige Zufütterung sei inzwischen notwendig, weil natürliche Nahrungsquellen zurückgehen. Viele Insektenarten, die früher zur Hauptnahrung der Igel gehörten, seien stark zurückgegangen. "Wilde Gärten sollte man möglichst belassen, wie sie sind", rät Röse. Laubhaufen etwa bieten Igeln Schutz und Rückzugsmöglichkeiten.

Auch Futter kann helfen. Geeignet seien beispielsweise Rührei oder Katzenfutter. Spezielles Igelfutter empfiehlt die Expertin hingegen nicht. Mit Blick auf die Zukunft wird sie deutlich: "Die Rote Liste 2024 zeigt, dass der Braunbrustigel vor dem Aussterben bedroht ist. Ohne Schutzmaßnahmen wird der Bestand weiter sinken - und unsere Enkel werden vielleicht keine Igel mehr erleben."

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

(1 Stern: Nicht gut | 5 Sterne: Sehr gut)

Feedback senden

CNV-Nachrichten-Newsletter

Hier können Sie sich für unseren CNV-Newsletter mit den aktuellen und wichtigsten Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven anmelden.

Die wichtigsten Meldungen aktuell


Bild von Bengta Brettschneider
Bengta Brettschneider

Volontärin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

bbrettschneider@no-spamcuxonline.de

Lesen Sie auch...
Demokratie im digitalen Raum

Vortrag in Nordholz: Radikalisierung im Netz - wie Extremisten Jugendliche erreichen

von Redaktion

Wie radikalisieren sich junge Menschen heute im Netz und wie lässt sich Demokratie dagegen stärken? Darüber spricht die Spiegel-Journalistin Ann-Katrin Müller am 26. März im Bahnhof Nordholz (Kreis Cuxhaven).

Was das Publikum erwartet

Interview: Schauspielerin Jutta Speidel bringt Billie-Holiday-Hommage nach Otterndorf

von Jens Potschka

Sie ist eine der bekanntesten Schauspielerinnen Deutschlands, gründete eine Initiative für obdachlose Mütter und Kinder - und kommt nun mit einer Hommage an Billie Holiday nach Otterndorf. CNV-Medien sprach mit Jutta Speidel über Kunst und Haltung.

"Schick, aber bescheiden"

Barrierearmut, Farbe, Licht und Technik: Neue Umgebung im Kreishaus in Cuxhaven

von Egbert Schröder

Die Umgebung war neu, die Themen nicht: Der umgebaute und modernisierte Sitzungssaal im Kreishaus Cuxhaven hatte seine Premiere bei der Kreistagssitzung. Allzu lange machten es sich die Kreistagsabgeordneten dort aber nicht bequem ...

Tradition unter Druck

Metzgerei-Sterben im Landkreis Cuxhaven: Von 55 Betrieben bleiben nur noch neun

von Christian Mangels

Immer mehr Fleischereien im Landkreis Cuxhaven schließen für immer ihre Türen. Gab es vor rund 20 Jahren noch mehr als 50 von ihnen, sind es aktuell nur noch neun. Ein zentrales Problem: Immer weniger junge Menschen wollen Schlachter werden.