Norwegische Willy-Brandt-Preisträgerin Helga Arntzen bringt Appell mit nach Cuxhaven
Extra aus Norwegen kam Helga Arntzen angereist, um in der Stadtbibliothek Cuxhaven die Lesung aus Peter von Rüdens neuem Buch über den Widerstand in Deutschland und Norwegen zu verfolgen. Sie blickt selbst auf ein beeindruckendes Lebenswerk zurück.
Die gebürtige Heidelbergerin (Jahrgang 1942), die seit 1965 in Norwegen lebt und die norwegische Staatsbürgerschaft besitzt, blickt auf ein beeindruckendes Lebenswerk zurück, das in ganz Norwegen bekannt ist und für das sie unter anderem mit dem Willy-Brandt-Preis der Norwegisch-Deutschen Willy-Brandt-Stiftung, dem Bundesverdienstkreuz und der Goldmedaille des Königshauses ausgezeichnet worden ist.
Nach der 1992 gegründeten Stiftung "Weiße Busse nach Auschwitz" rief sie 1998 die Initiative "Travel for Peace" (Friedensreisen, auf Norwegisch: "Aktive Fredsreiser") ins Leben und hat seither über 500.000 norwegischen Schülerinnen und Schülern die Teilnahme an sogenannten Friedensfahrten nach Deutschland, Polen und Tschechien ermöglicht. Dabei besuchen die Jugendlichen die Gedenkstätten der ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz, Sachsenhausen und Ravensbrück und beschäftigen sich auf ermutigende Weise mit dem Thema Demokratie, Menschlichkeit und Verantwortung.
Reisen als Auslöser für demokratisches Engagement
Mit den Fahrten möchte Helga Arntzen jungen Menschen die Einsicht vermitteln, dass Konflikte gelöst werden können, Frieden möglich ist und dass dafür ihre eigenen Einstellungen und Handlungen entscheidend sind. "Die kommen nach acht Tagen gestärkt zurück", berichtet sie. Für viele sei diese Reise der Auslöser, sich politisch und gesellschaftlich zu engagieren. Mit den Fahrten wollte sie auch einer damals überall in dem skandinavischen Land zu beobachtenden Neonazi-Szene begegnen. Altersgemischte Gruppen ermöglichten bei den Fahrten außerdem inzwischen den wichtigen Austausch der Generationen, sagt sie.
Der Willy-Brandt-Preis wird seit mehr als 20 Jahren jährlich von der Norwegisch-Deutschen Willy-
Brandt-Stiftung mit Sitz in Oslo an Personen oder Institutionen verliehen, die sich in besonderem Maße um das
Verhältnis zwischen beiden Ländern verdient gemacht haben. Ausgezeichnet werden in jedem Jahr jeweils ein deutscher und ein norwegischer Staatsbürger.
Wie Frieden erreicht werden konnte
Renate von Rüden, Freundin von Helga Arntzen und Vorsitzende der Regionalgruppe Bremen/nordwestliches Niedersachsen der deutsch-norwegischen Freundschaftsgesellschaft, machte am Dienstag in Cuxhaven deutlich, wie wertvoll es ist, dass beide Nationen nach dem Schreckensregime der deutschen Besatzer im Zweiten Weltkrieg heute wieder zusammengerückt sind.
"Friedenskultur ist möglich", davon ist Helga Arntzen überzeugt. Aber sie erfordere Verantwortung: "Jetzt muss sich das Volk engagieren", meint sie im Hinblick auf das Wiedererstarken der Rechtsextremen in Deutschland: "Das Schlimmste sind die Mitläufer." Für sie bedeute das Leben in einer Demokratie jedenfalls auch die Pflicht, Verantwortung dafür zu übernehmen und nicht nur auf Rechte zu pochen. Das Werk Peter von Rüdens über den Widerstand der Deutschen und Norweger sei für sie ein großer Beitrag hierzu, betonte sie.
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