Offene Türen im Stadtarchiv Cuxhaven: Auf Entdeckungsreise durch die Geschichte
Im Archiv geht es doch bestimmt sehr ernst und dröge zu? Ganz sicher nicht, wie Interessierte am Sonnabend in Cuxhaven erfuhren. Für sie öffneten sich sonst meist verschlossene Türen. Das Motto "Alte Heimat - neue Heimat" zeigte viele Facetten.
Der bundesweite Tag der Archive und die Entdeckertage bildeten für das Stadtarchiv Cuxhaven gleich zwei Anlässe, am Sonnabend seine Türen für Geschichts-Interessierte zu öffnen. Stadtarchiv-Leiter Lars Schmidt und sein Team freuten sich über einen beständigen Besucherstrom. Mindestens einmal pro Stunde konnten sie mit Besuchergruppen bei einer Führung in die Katakomben des Archivs abtauchen.
Im Mittelpunkt des Tages stand das bundesweit aufgerufene Motto "Alte Heimat - neue Heimat". Heimat kann viele Bedeutungen haben, gerade in einer Stadt wie Cuxhaven mit ihrer bewegten Wirtschafts-, Zuwanderungs- und Tourismus-Geschichte. Die aus dem Motto entstandene Ausstellung zeigt, aus welchen Anlässen Menschen Cuxhaven im Laufe der Geschichte als Heimat bezeichnen konnten und können. Die sehenswerte Ausstellung kann noch bis zum 28. März in der oberen Etage der Stadtbibliothek besichtigt werden.

Beim Weg entlang der Plakate, Schaukästen und Bilder folgte ein Aha-Moment auf den anderen. Spaß hatten die Gäste insbesondere an den Vergleichen zwischen damals und heute. Wer nicht gerade zu den eingefleischten Kennern der Stadtgeschichte zählte, hätte ohne die Vergleichsansicht aus der Gegenwart viele Schauplätze nicht erkennen können.
Wie ganze Stadtviertel neu entstanden
Die Ausstellung zeigt, wo in der Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg eilig Baracken als Flüchtlingsunterkünfte errichtet wurden, wo die ersten Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter unterkamen und bald darauf die großen Wohngebiete im Musikerviertel, Süderwisch, Döse und im Lehfeld entstanden. Auch Etappen der Tourismusgeschichte und die Entwicklung der Innenstadt können nachverfolgt werden.

Im Benutzersaal warteten knifflige Aufgaben beim Quiz "Wie gut kennen Sie Cuxhaven?". 20 Fragen zu 20 Fotos wollten richtig beantwortet werden. Dabei stellten sich einige Fragen wie die nach dem Standort des Heerensteins (einst Grenzstein zwischen dem Amt Ritzebüttel und dem Herzogtum Bremen; die Antwort lautet Berensch) oder dem Oxstedter Wappen als durchaus harte Nüsse heraus. Ein Griff in die Süßigkeitenkiste war natürlich allen auch unabhängig vom Ergebnis sicher.
Archivarbeit ist nicht knochentrocken
Wie abwechslungsreich und manchmal sogar lustig die Forschung im Archiv sein kann, zeigten die bereitliegenden Archivalien zum Anfassen. So lagen Akten zum sozialen Wohnungsbau der "Neuen Heimat" in Döse Seite an Seite mit einem Plakat des in Cuxhaven gedrehten Heinz-Erhardt-Films "Drillinge an Bord" und einer LP der Kult-Kurkapelle "Bückeburger Jäger" oder die Gäste konnten über die Themen in der "Cuxhavener Presse" des Jahres 1958 staunen, in dem unter anderem die Einführung staubfreier Mülleimer die Gemüter erregte.
Behelfswohnungen auch in den kümmerlichsten Gebäuden geschaffen
Weit ernster wurde im Jahr 1919 - kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Revolution - die Wohnungsnot im Amt Ritzebüttel betrachtet. Viele Akten wurden damals noch handschriftlich in Sütterlin-Schrift verfasst. Der Wohnraum war so knapp, dass "übergroßer" oder leer stehender Wohnraum auch zwangsangemietet werden konnten und auch die kümmerlichsten Gebäude in Behelfswohnungen verwandelt wurden.

Stadtpläne aus verschiedenen Epochen machten die Bebauungswellen im Laufe der Jahrzehnte sichtbar. Scans in der Qualität sind übrigens erst seit der Anschaffung neuer Großformat-Scanner möglich, die die Qualität dieser Aufgabe auf ein neues Niveau gehoben haben. Auch die weit vorangeschrittene Digitalisierung erleichtere die Recherche im Archiv zusehends, so Lars Schmidt. Übrigens gehen die Nutzerzahlen auch in Zeiten der KI nicht zurück; im Gegenteil: Lars Schmidt berichtet vor allem von einer stark gestiegenen Anzahl schriftlicher Anfragen.